Die Hitzewelle bedroht viele Bauern. Rückversicherer empfiehlt Olivenanbau

Oliven statt Getreide

Von Bernd Müller

Milch und Brot könnten bald teurer werden. Der Grund dafür ist die langanhaltende Hitze. Sie macht Deutschlands Bauern zu schaffen. In diesem Jahr rechnen sie mit enormen Ernteeinbußen. Allein beim Getreide sei mit einem Verlust von sieben bis acht Millionen Tonnen zu rechnen, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied letzten Dienstag der Passauer Neuen Presse. Das sei ein Schaden von rund 1,4 Milliarden Euro. Hinzu kämen Verluste bei den Herbstkulturen wie Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln.

Rukwied fordert deshalb, „dass die Politik die Notstandssituation ausruft“. Damit könnte den Bauern dort mit einer Finanzspritze geholfen werden, wo die Trockenheit extrem zugeschlagen hat. Ohne diese Hilfe stünden einige Betriebe vor dem Aus.

Um Futter zu sparen, verkaufen viele Milcherzeuger vorzeitig Tiere. In den ersten beiden Juliwochen sei die Zahl der geschlachteten Tiere um 10 Prozent gestiegen. Das berichtete die Wirtschaftswoche unter Berufung auf die wöchentlichen Schlachtberichte der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. In den von der Hitze besonders betroffenen Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurde ein besonders hoher Anstieg registriert. „Da auf den Weiden nichts wächst, müssen Tiere bereits mit Futtervorräten aus der Winterreserve versorgt werden“, sagte Kirsten Wosnitza, schleswig-holsteinische Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter. Um Futter zu sparen, trennten sich viele Bauern daher schon jetzt von Tieren, die normalerweise erst im Herbst verkauft worden wären.

Aufgrund dieser angespannten Situation fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft höhere Preise für Agrarprodukte. „Eine existenzbedrohliche Krise kann nur gemildert werden durch eine schnelle und faire Anhebung der Erzeugerpreise“, heißt es dort. In anderen Branchen sei es auch üblich, Mindererlöse und Mehraufwand über den Preis an die Abnehmer weiterzugeben. Bei der Suche nach Auswegen dürfe es jedenfalls „keine Denkverbote geben“.

Dass sich Deutschlands Bauern langfristig umorientieren müssen, machte Ernst Rauch, Klimaexperte des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, gegenüber dem „Tagesspiegel“ (15. Juli) deutlich. „Die Klima- und die Vegetationszonen rücken von Süden nach Norden vor“, sagte er dem Blatt. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, werden wir in Deutschland eine Vegetation haben wie in Norditalien.“ Die Landwirtschaft müsse sich dieser Entwicklung anpassen.

Den Brandenburger Bauern empfahl er, mittelfristig kein Getreide mehr anzubauen. Stattdessen sollen sie Olivenbäume pflanzen. In Mitteleuropa würden die Sommer seit langem immer trockener und die Winter immer feuchter. „Und das wird auch so weitergehen“, schätzt Rauch. Schon heute könne man Veränderungen in der Vegetation beobachten. So würden etwa beim Wein schon jetzt Sorten in Deutschland angebaut, die mehr Sonne und Wärme brauchen.

Klimaforscher sind sich recht sicher: Was aktuell als ungewöhnlich gilt, könnte in 30 Jahren ein ganz normaler Sommer sein. Der Monat Mai in diesem Jahr war der wärmste in Deutschland seit 1881. Zuvor hatte schon der April einen Rekord gebrochen. Die Bundesrepublik hat heute im Schnitt doppelt so viele Hitzetage mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius als noch in den 80er-Jahren.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Oliven statt Getreide", UZ vom 3. August 2018



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Baum aus.



    UZ Probe-Abo [6 Wochen Gratis]