Friedensbündnis und Montagsspaziergänger gehen gemeinsam auf die Straße

Schulterschluss in Neubrandenburg

Gudrun Stelmaszewski

In Neubrandenburg, der viertgrößten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, hat sich das örtliche Friedensbündnis am 21. November den Montagsspaziergängern angeschlossen. Die Spaziergänger sind seit vielen Monaten auf der Straße – unter ihnen auch Impfgegner und -verweigerer ohne Vertrauen in die Medikamente der Konzerne und die Regierung. Seit der Eskalation des Krieges in der Ukraine im Februar und mit der Verschärfung der Sanktionen gegen Russland kamen vermehrt Friedensparolen und -fahnen hinzu und Losungen gegen den Wirtschaftskrieg.

Mitglieder der DKP-Gruppe Mecklenburgische Seenplatte berieten sich mit Genossinnen und Genossen des „RotFuchs e. V.“ und schlossen sich am 8. Mai dem Zug der kritischen Bürgerinnen und Bürger zum Ehrenmal für die Gefallenen der Roten Armee auf dem Neuen Friedhof an. Seitdem vertieften sie die Kontakte zu den Rotfüchsen, aber auch zu anderen Gruppen wie den „Druschba-Reisenden“, die regelmäßige Friedensfahrten nach Russland organisierten. Der gemeinnützige Verein existiert auch im Westen. Frieden durch Völkerfreundschaft ist sein Motto, das viele von uns seit der Kindheit in der DDR verinnerlicht haben. Wenn das Begreifen der Auseinandersetzungen für viele Menschen im Februar 2022 schwerer wurde, so konnten wir auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ein Auflodern feststellen. Die Bedrohung durch Faschisten der Alt- und Neuzeit und ihr Völkermorden und der verschärfte Sozialabbau in diesem Land treffen viele Bürgerinnen und Bürger im Innersten.

So auch Helga Hobohm vom Friedensbündnis, die beim Zusammengehen mit den Montagsspazierern sagte: „Ich bin eine alte Frau, geboren, als Hitlerdeutschland im Juni 1941 vertragsbrüchig und ohne Kriegserklärung die Sowjetunion überfiel. Die letzten Kriegsjahre sind schlimme Erinnerungen. Als ich erwachsen wurde nahm ich mir vor, dafür zu arbeiten, dass meine Familie und alle Menschen nie wieder so viel hungern, frieren und im Dunkeln sitzen müssen, wie wir es vor und nach 1945 mussten.“ Die Sanktionen gegen Russland erwiesen sich als Bumerang, so Helga. „Sie zerstören die Wirtschaft, Betriebe gehen Pleite, Arbeitsplätze brechen weg.“ Dass die Montagsdemos antifaschistische Werte wie Frieden, Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung einfordern, finde ihre Zustimmung.

Auf den Spaziergängen trafen wir sich links verortende Bürgerinnen und Bürger, die ihr bitteres Unverständnis zur Linie des Vorstandes der Partei „Die Linke“ kundtaten, und andere, auch kleine Unternehmer, die diese Regierungspolitik ablehnen. Wir sahen Losungen und handgemalte Schilder gegen den Krieg und Waffenlieferungen, aber auch große Transparente: „Deutschland raus aus der NATO, NATO raus aus Deutschland“ und „Schluss mit den Sanktionen gegen Russland, sie sind Wirtschaftskrieg und schaden vor allem uns selber.“ Wir trafen organisierte Kommunisten aus anderen Vereinen. Trotz einiger Skepsis waren wir also am richtigen Ort und begannen, wöchentlich die UZ zu verteilen. Wir bekamen Zustimmung, aber auch freundliche Ablehnungen. Kommunisten? Nee, die habe man schon in der DDR gehabt. Aber auch Interessierte: Gibt es die denn noch? DKP – was ist das?

Am 21. November sprach auch Jürgen Kalkbrenner, der Sprecher des Friedensbündnisses Neubrandenburg. „Natürlich haben wir die Teilnahme von Neonazis und Rechtsradikalen beobachtet“, so Kalkbrenner, „und gesehen, wie ihr euch distanziert habt und rechte Parolen nicht zulasst.“ Der Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland auf dem Rücken der Ukraine werde genutzt, um in Deutschland die soziale Spaltung und Verarmungspolitik der Massen voranzutreiben. Der Mittelstand werde zerstört und die großen Konzerne kassieren Supergewinne. Am Ende seiner Rede verdeutlichte er die Positionen des Friedensbündnisses: „Wir wollen Frieden in der Ukraine und in allen Kriegsgebieten der Welt – nicht durch Waffen, sondern durch Verhandlungen und Kompromisse.“ Kalkbrenner forderte die Wiederaufnahme von Verhandlungen für ein System der kollektiven Sicherheit unter gleichberechtigter Teilnahme von China und Russland und den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland sowie die Abschaffung jeglicher Nuklearwaffen.

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"Schulterschluss in Neubrandenburg", UZ vom 9. Dezember 2022



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