Sigmund Jähn gestorben

Von Nina Hager

Am vorigen Sonnabend starb Sigmund Jähn im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Strausberg bei Berlin.

Sigmund_Jähn

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( Standardizer / Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Nie wollte er, dass man ihn als Helden sah: „Ich hatte einfach Glück.“ Er blieb bescheiden, vergaß nie, woher er kam: Kind einfacher Arbeiter, geboren am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz, Vogtland. Er lernte Buchdrucker, arbeite dann als Pionierleiter, wurde Mitglied der SED. Später ging er zu den Jagdfliegern bei den Luftstreitkräften der NVA, holte das Abitur nach, wurde zu einem Studium an die Militärakademie der sowjetischen Luftstreitkräfte delegiert. 1976 kam er zum Kosmonautentraining ins Sternenstädtchen bei Moskau. Wenn er darüber erzählte, dann waren andere da immer gleich gut oder sogar besser. Es war scheinbar ein Zufall, dass von den Bewerbern aus der DDR ausgerechnet er ausgewählt wurde und im Rahmen des „Interkosmos“-Programms der sozialistischen Länder ins All fliegen durfte.

Im August 1978 startete Sigmund Jähn gemeinsam mit dem sowjetischen Fliegerkosmonauten Waleri Bykowski an Bord des Raumschiffes „Sojus-31“ zur sowjetischen Raumstation „Saljut-6“. Der erste Deutsche im All war ein Bürger der DDR. Sieben Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und vier Sekunden später kehrten die beiden Kosmonauten erfolgreich zur Erde zurück. Im Gepäck hatten sie die Ergebnisse von Beobachtungen und Forschungen. Als Jähn nach Hause zurückkehrte, war der Empfang in seinem Heimatland DDR überwältigend. Dort kannte ihn bald fast jedes Kind. Jene, die ihn näher kannten, wussten aber, dass der Trubel ihm so gar nicht behagte.

Nach 1990 wurde er im vereinigten Deutschland de facto „aus den Geschichtsbüchern gestrichen“. Doch seine westdeutschen Raumfahrtkollegen schätzten ihn sehr. Nach 1990 begleitete Sigmund Jähn einige von ihnen ins Sternenstädtchen bei Moskau und bei ihrer Ausbildung vor dem Flug ins All. Später arbeite er auch für die ESA, die Europäische Raumfahrtagentur, als Berater. 2018 begab er sich noch einmal zum Kosmodrom nach Baikonur in Kasachstan, um Alexander Gerst einen guten Start und einen erfolgreichen Flug zur und mit der Internationalen Raumstation ISS zu wünschen.

Frau Professor Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), nannte Jähn einen „Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums“: „Seine Botschaft, für die Erde ins All, werden wir in ehrendem Gedenken bewahren und fortführen.“

Über die Autorin

Nina Hager (Jahrgang 1950), Prof. Dr., ist Wissenschaftsphilosophin und Journalistin

Hager studierte von 1969 bis 1973 Physik an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Physikerin wechselte sie in das Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und arbeite bis zur Schließung des Institutes Ende 1991 im Bereich philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung. Sie promovierte 1976 und verteidigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 1987. 1989 wurde sie zur Professorin ernannt. Von 1996 bis 2006 arbeitete sie in der Erwachsenenbildung, von 2006 bis 2016 im Parteivorstand der DKP sowie für die UZ, deren Chefredakteurin Hager von 2012 bis 2016 war.

Nina Hager trat 1968 in die SED, 1992 in die DKP ein, war seit 1996 Mitglied des Parteivorstandes und von 2000 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende der DKP.

Hager ist Mitherausgeberin, Redaktionsmitglied und Autorin der Marxistischen Blätter, Mitglied der Marx-Engels-Stiftung und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

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"Sigmund Jähn gestorben", UZ vom 27. September 2019



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