Solidarischer Herbst

Ein seltsames Schauspiel ereignete sich am Donnerstag letzter Woche in München. Das Bündnis „Superreiche zur Kasse für die Kosten der Krise“, bestehend aus Gewerkschaften, Sozialverbänden, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Linkspartei, hatte zu einer Kundgebung am Odeonsplatz im Rahmen des „Solidarischen Herbstes“ aufgerufen. Wenn zwei Regierungsparteien dazu aufrufen, gegen ihre eigene Politik zu demonstrieren, kann dabei nur Murks rauskommen. Kein Wort zum Krieg in der Ukraine, zum Wirtschaftskrieg gegen Russland und zu den 100 Milliarden Euro Sondervermögen schon gar nicht. Daran hielt sich auch das autonome Spektrum aus München, das ein Jugendbündnis mit den Jusos gebildet hatte. Nachdem das Jugendbündnis auf den Platz gezogen war und die eher lahme Veranstaltung kurzzeitig aufweckte, buhten die Autonomen (nicht zu Unrecht) die Rednerin der SPD aus, worauf der SPD-eigene Moderator der Menge entgegenbrüllte „Ihr macht einen historischen Fehler!“. Damit hat er insofern recht, dass man nicht mit denen demonstriert, die die gegenwärtige Kriegs- und Sparpolitik zu verantworten haben.

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"Solidarischer Herbst", UZ vom 2. Dezember 2022



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