Gedenken und Würdigung für Walter Vielhauer

Ungebrochen aufrecht

Dieter Keller

Etwa 50 Menschen haben am 19. April anlässlich des 40. Todestags von Walter Vielhauer an einer Gedenkfeier an dessen Grab für den Antifaschisten und Kommunisten teilgenommen. Der Freundeskreis Walter Vielhauer, die VVN-BdA Heilbronn und „Die Linke“ Heilbronn-Unterland hatten dazu eingeladen. Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD), der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und Dieter Keller, ehemaliger Landesvorsitzender der DKP Baden-Württemberg, nahmen an dem Gedenken teil.

Im Oktober letzten Jahres hatte der DGB Heilbronn den großen Saal im Heilbronner Gewerkschaftshaus nach Walter Vielhauer benannt. Sie ehrte damit den weit über Heilbronn hinaus bekannten Widerstandskämpfer, Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten. UZ berichtete.

Silke Ortwein von der Kulturgruppe Die Marbacher umrahmte die Gedenkveranstaltung musikalisch. Ortwein eröffnete die Feier mit Hans Gasparitsch’ Lied „Mensch sein und bleiben“.

Die Gedenkrede hielt Konrad Wanner vom Freundeskreis Walter Vielhauer. Er würdigte das Leben und Wirken Vielhauers, der mit 21 Jahren in die KPD eingetreten war. Vielhauer habe im März 1933 zur einer ersten Gruppe von etwa 60 Kommunisten gehört, die in Heilbronn verhaftet wurden. Fast 12 Jahre war Vielhauer während des Faschismus eingesperrt. Im Zuchthaus Ludwigsburg saß er zeitweise in Einzelhaft. Über die württembergischen KZ Heuberg, Oberer Kuhberg und Welzheim kam er 1939 ins KZ Dachau. Seine schlimmste Zeit erlebte er in den sechs Monaten im KZ Mauthausen, „weil dort die kriminellen Strukturen in der Häftlingsverwaltung die Solidarität unter den Häftlingen verhinderte.“

Walter kommt wieder zurück nach Dachau und „wird im Sommer 1944 zusammen mit anderen Widerstandskämpfern zum Tode verurteilt. Die SS will die Todesurteile aber aus Angst vor Unruhen dort nicht vollziehen. Sechs Antifaschisten werden nach Buchenwald verlegt. Als sie dort ankommen, wird Walter Kapo der Effektenkammer, in der das jüdische Kind Stefan Zweig vor der SS versteckt wird.“ Vielhauer leistete einen wichtigen Beitrag bei der Betreuung und Rettung Zweigs. „Zeit seines Lebens hat Walter nie über seinen Anteil an der Rettung des jüdischen Kindes gesprochen. Erst an seinem Grab hat Emil Carlebach Walters persönlichen Verdienst daran geschildert.“

Am 11. April 1945 gelang den Häftlingen die Selbstbefreiung. Mit dabei: Walter Vielhauer. Konrad Wanner über dessen Haltung: In der ganzen Zeit sei es „der SS und den Nazis nicht gelungen, auch nicht mit körperlicher Gewalt und Folter, den Gewerkschafter und Kommunisten zu brechen. Wir können uns nicht im Geringsten vorstellen, was dieser jahrelange Kampf bedeutet hat.“ Wenn heute wieder versucht werde, das Engagement gerade der kommunistischen Widerstandskämpfer zu verunglimpfen, sei das der Versuch, die antifaschistischen Kräfte zu spalten.

40. Todestag Walter Vielhauer 19.4.2026 web - Ungebrochen aufrecht - Heilbronn, Konrad Wanner, Walter Vielhauer - Blog, Aktion
Grab von Walter Vielhauer (Foto: Konrad Wanner)

Unmittelbar nach seiner Befreiung kam Vielhauer zurück nach Heilbronn. Er engagierte sich beim Wiederaufbau der Gewerkschaften und wird Mitbegründer der ÖTV. Die US-amerikanische Militärverwaltung setzt ihn als Bürgermeister für Wohnungswirtschaft, Arbeitsverwaltung und soziale Angelegenheiten ein. Später wird Vielhauer für die KPD in den Heilbronner Gemeinderat gewählt, dem er bis 1958 angehört. In dem Jahr wird er wegen des KPD-Verbots aus dem Gemeinderat ausgeschlossen. In den folgenden Jahren widmet sich Vielhauer mit ganzer Kraft dem Kampf für Frieden und gegen Hochrüstung und tritt immer wieder bei Aktionen gegen alte und neue Nazis auf. 1968 war er Mitbegründer der DKP und für diese bis zu seinem Tod aktiv. Er suchte immer das Gespräch und das gemeinsame Vorgehen mit Bündnispartnern. Er trat für Frieden, Solidarität und Menschlichkeit ein. Dafür kämpfte er überzeugend und leidenschaftlich. Walter Vielhauer war nicht nur eine anerkannte kommunistische Persönlichkeit in Heilbronn, sondern weit darüber hinaus. Der Autor dieses Berichts lernte Walter in der Gründungszeit der SDAJ kennen. Seit dieser Zeit war Walter für ihn ein väterlicher Freund, Berater und Vorbild.

Am Ende seiner Rede verwies Konrad Wanner mit Freude auf einen Erfolg: Über viele Jahre wurde immer wieder gefordert, eine Straßen in Heilbronn nach Vielhauer zu benennen. Nun gebe es im Gemeinderat eine Vorlage zur Umbenennung von Straßen in Heilbronn. Straßennamen von Menschen, die während des Faschismus mit den Nazis kollaboriert hatten, sollen durch Namen von Menschen ersetzt werden, die sich gegen die faschistische Diktatur engagierten oder verfolgt wurden. Eine Straße soll nach Walter Vielhauer benannt werden. Zudem wird am 22. Mai vor seinem langjährigen Wohnhaus ein Stolperstein verlegt.

[author_box]

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.



Spenden für DKP
Unsere Zeit