Verwechslung war bekannt

Schon anderthalb Monate vor dem Feuertod von Amad A. in einer Zelle in Kleve im September 2018 war der Polizei bekannt, dass er das Opfer einer Verwechslung geworden ist. Das geht aus Informationen des „Westdeutschen Rundfunks“ hervor. Demnach habe eine Staatsanwältin der Polizei in Kleve drei Wochen nach seiner Verhaftung mitgeteilt, dass es sich bei ihm nicht um den Gesuchten Amedy G. handele. Die Information habe sie der Polizei auch noch einmal schriftlich zukommen lassen.

Amad A. saß aufgrund der angeblichen Verwechslung ab Juli 2018 mehr als zwei Monate unschuldig in Untersuchungshaft, bevor er bei einem Brand in seiner Zelle so schwer verletzt wurde, dass er an den Folgen starb.
Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte die Ermittlung zu den Vorgängen im November 2019 eingestellt. A. soll den Brand selbst gelegt haben, der dann zu spät bemerkt worden sei. Die Verwechslung soll keinem einzelnen Polizisten zur Last zu legen sein.

Die Staatsanwältin, die den Hinweis auf die Verwechslung des syrischen Geflüchteten mit Amedy G. aus Mali gegeben hat, hatte aber unter anderem die Telefonnummer des Polizisten, den sie informiert hatte, vermerkt. Am 26. November letzten Jahres hatte genau dieser Polizist vor dem Untersuchungsausschuss zum Fall Amad A. ausgesagt, den Anruf der Staatsanwältin aber unerwähnt gelassen. Auf Anfrage von „spiegel.online“ teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass nun „wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung“ ein Ermittlungsverfahren gegen einen Polizisten eingeleitet wurde.

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"Verwechslung war bekannt", UZ vom 29. Mai 2020



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