PCK in Schwedt: Beschäftigte erneut Opfer der Konfrontationspolitik der Bundesregierung

Von einer Krise in die nächste

Die guten Nachrichten zuerst: Im vergangenen Jahr ist es dem Petrochemischen Kombinat (PCK) in Schwedt gelungen, mehr als 10 Millionen Tonnen Rohöl zu Diesel, Benzin, Heizöl und Bitumen zu verarbeiten. Das liegt zwar noch unter der maximalen Kapazität von zwölf Millionen Tonnen, aber eine 80-prozentige Auslastung ist mehr als sich die Kolleginnen und Kollegen noch vor zwei Jahren hätten träumen lassen. Damit konnte auch die Versorgungssicherheit mit diesen Produkten für den Osten Deutschlands sichergestellt werden – neun von zehn Fahrzeuge im Großraum Berlin-Brandenburg werden mit Kraftstoffen aus Schwedt betankt.

Mitte Februar war nicht nur deshalb die Stimmung beim Frühjahrsempfang der Geschäftsführung gut. Kurz zuvor lag die nunmehr unbefristete Ausnahmegenehmigung von US-Sanktionen gegen den PCK-Mehrheitseigner Rosneft in der Post. Die drohende Einbeziehung in die zunehmend unübersichtlich werdende Sanktionsmaschinerie von USA und EU war damit abgewendet. Die Lichter in Schwedt brannten also und brennen weiter.

Nun flackern sie wieder. Nur wenige Tage nach den ersten guten Frühlingstagen verdüsterte sich der Himmel erneut. Wegen der anhaltenden technischen Probleme im noch aus sozialistischen Zeiten stammenden Druschba-Pipeline-Netzwerk, verschärft durch ukrainische Sprengstoffanschläge, verkündete das russische Energieministerium, die Durchleitung von Rohöl aus Kasachstan nach Schwedt zum 1. Mai einzustellen. Von den 10 Millionen Tonnen, die dort letztes Jahr verarbeitet wurden, kamen 2 Millionen über diese Pipeline ins Werk. Der Rest kommt aus aller Welt, wird in Rostock von Schiffen angelandet und dort per Pipeline zum PCK gepumpt.

Danny Ruthenburg, Betriebsratsvorsitzender, brachte die Stimmung im Werk auf den Punkt: „Ja, man hat das Gefühl, wir rennen von einer Krise in die nächste.“ Das spiegelt nicht nur die Stimmung im Werk wider, sondern auch die in der ganzen Region, in der über das PCK hinaus tausende von Arbeitsplätzen davon abhängen, dass das Öl fließt.

Diese Krisenlage ist hausgemacht. Jahrzehntelang kam Öl aus Russland über diese Pipeline ungestört nach Schwedt. Letztlich sind der antirussische Kurs sowohl der Ampel- als auch der jetzigen Regierung verantwortlich für dieses Taumeln von einer Krise in die nächste. Wer Russland „ruinieren“ will, hat sich die Möglichkeit verbaut, beim dortigen Energieministerium anzurufen und zu fragen, ob die technischen Schwierigkeiten vielleicht gemeinsam bewältigt werden könnten. Stattdessen macht das Management nun wieder Überstunden, um irgendwo auf der Welt Rohöl als Ersatz für die ausfallenden 2 Millionen Tonnen aus Kasachstan zu organisieren. Das passiert in einer Situation, in der durch die Angriffe von zwei der wichtigsten Bündnispartner dieser Regierung, USA und Israel, auf den Iran nach den Ölquellen aus Russland nun auch die aus dem Nahen Osten für Heizungen und Autos in Deutschland versiegen.

Getroffen werden durch diese Politik der Konfrontation statt Kooperation die Kolleginnen und Kollegen des PCK, die ganze Region Schwedt und Millionen Menschen, die in den kommenden Wochen möglicherweise nicht nur angstvoll auf die Preistafeln an den Tankstellen schauen, sondern sich künftig sogar danach erkundigen müssen, ob ihre gewohnte Tankstelle oder ihr Heizöllieferant überhaupt noch liefern kann.

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"Von einer Krise in die nächste", UZ vom 1. Mai 2026



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