Der DKP-Frauenarbeitskreis Essen präsentierte eine gelungene Revue zum Internationalen Frauentag

Von Kaufhof-Schließungen zur „feministischen Außenpolitik“

In einem vollen Saal in der Zeche Carl eröffnete Ilona Deymann die diesjährige Revue des Frauenarbeitskreises der DKP Essen zum Internationalen Frauentag. Sie charakterisierte Margaret Thatcher und Madeleine Albright als die „Vorbilder der feministischen Außenpolitik“, denen die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nacheifere. Sie erinnerte an den berüchtigte Auftritt von US-Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 1996, bei dem der Tod von 500.000 irakischen Kindern durch US-Sanktionen und den Krieg „diesen Preis wert“ waren.

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Ruhrpottdialog bei Hetti „anne Bude“ (Foto: Peter Köster)

Und dann ging es ins Programm, das sich rund um „Hetti‘s Kiosk“ abspielte. Das Publikum honorierte die authentische Besetzung der Betreiberin. Und auch die Darstellerinnen von Ursula von der Leyen und Annalena Baerbock, die sich zu Hummer mit Brot an dem Büdchen trafen. Im folgenden Dialog arbeiteten unsere Spitzenpolitikerinnen die Sorgen der Menschen hinsichtlich der hohen Inflationsrate auf: „Baerbock: ‚Ach, Brot! In Deutschland beschweren sich alle, das Brot wäre so teuer. Man könne sich kein Brot mehr vom Bäcker leisten.‘ Von der Leyen: ‚Papperlapapp, dann sollen sie doch Kuchen essen!‘“

Im Anschluss erfolgte der erste Auftritt der „Erklärbärin“, die während der gesamten Revue die Probleme auf den Punkt brachte: „Ich werde heute die Lügen der herrschenden Klasse entlarven. Wenn unsere beiden Politikerinnen von Sparen und Einschränkungen reden, sind damit wir Arbeiterinnen und Arbeiter gemeint, die für die Profite der Großkonzerne zahlen sollen. Im Kapitalismus herrscht die Bourgeoisie über die Arbeiterklasse, es ist also die Macht der Bourgeoisie und ihre Interessen, die der bürgerliche Staat, hier von Baerbock und von der Leyen dargestellt, ausübt und festigt.“ Tosender Applaus.

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Die Erklärbärin (Foto: Peter Köster)

Es folgten Auftritte von Frauen, die ihre Probleme im real existierenden Kapitalismus auf die Bühne brachten: Die Miederwarenverkäuferin und die Betriebsrätin bei „Galeria Kaufhof“, die sich wieder im Insolvenzverfahren befindet. Den Existenzängsten der Beschäftigten wird das Privatvermögen vom Inhaber René Benko in Höhe von 4,9 Milliarden entgegengestellt. Bei den beiden Frauen blieb es nicht beim Jammern, es mündet in der Verabredung zur Gegenwehr.

Immer wieder ging bei Hetti das Telefon, diesmal ein Anruf, dass die Hausärztin in Rente geht und wohin man nun gehen könne. Die Essener Besucherinnen und Besucher (sowie die UZ-Leserinnen und -Leser) kennen den Hintergrund, dass im Essener Norden Krankenhäuser dichtgemacht worden sind und dass kranke Menschen nun mit einem „Gesundheitskiosk“ versorgt werden sollen.

An Hettis Kiosk ging es weiter mit weiteren Besucherinnen aus dem Stadtteil, die Schülerin, deren Unterricht mal wieder ausgefallen ist, und das Mädchen, das einen Ausbildungsplatz sucht. Eine Abtreibungsgegnerin wollte punkten und wurde in die Schranken verwiesen. Dr. Smart und seine reizende Assistentin Doula betraten die Bühne und warben professionell für die „Digitale Geburtsbegleitung von Dr. Smart“, und Doula zeigte sich sachkundig: „Wir wissen um ihre Not, denn die Krankenhäuser sind geschlossen, in Essen verbleiben nur noch zwei von ehemals neun Geburtskliniken, Hebammen gibt es kaum noch, einen Platz im Kreißsaal vielleicht in den Nachbarstädten, wenn man es bis dahin schafft. Tja, eine verzweifelte Lage.“ Eine „geburtserfahrene Frau“ könne ja schließlich ohne große Kosten als Hebammenersatz ausgebildet werden. Doch auch die „große“ Politik fand sich wieder, beispielsweise in Informationen über Frauen in Afghanistan und natürlich in weiteren Betrachtungen der „feministischen Außenpolitik“.

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Annalena Baerbock und Ursula von der Leyen (Peter Köster)

Die Besucherinnen und Besucher dankten den Akteurinnen mit viel Beifall. Die Frauentagsveranstaltungen in der Essener Zeche Carl sind bei vielen Mitgliedern und Freundinnen und Freunden der DKP im Ruhrgebiet ein Muss geworden. Ein Muss, bei dem der Internationale Frauentag eine angemessene Würdigung erfährt.

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Bei Hetti gibt‘s auch die UZ (Foto: Peter Köster)

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"Von Kaufhof-Schließungen zur „feministischen Außenpolitik“", UZ vom 17. März 2023



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