Das Pfingstcamp West 2026 der SDAJ

Workshops, Cocktails, Widerstand

Maximilian Hahning

Die Sonne drückt auf der umfunktionierten Weidefläche an der Aa hinter Münster. Pünktlich zum Pfingstwochenende brechen die Wolken auf und beglücken das West-Camp, eines der vier bundesweiten Pfingstcamps gegen die Wehrpflicht der SDAJ, mit allerbestem Sommerwetter. Gute Nachrichten für die Massen an Jugendlichen, die am Freitagabend das Gelände füllen. Nicht wenige von ihnen besuchen zum ersten Mal ein Pfingstcamp.

Zu den Unterstützern des West-Camps zählen neben der DKP Gewerkschaftsjugendstrukturen, etwa die Junge GEW NRW, zahlreiche lokale Streik-Komitees der Schulstreiks gegen Wehrpflicht, aber auch die Linksjugend solid Rheinland-Pfalz und die VVN-BdA NRW. Schon bei der Eröffnung des Camps platzt das Hauptzelt aus allen Nähten. Bei Live-Musik der Schülerband Die Häutung oder der Künstlerin Ronja hat der obligatorische Cocktailstand alle Hände voll zu tun, während ein Teil des Camps im Rahmen des Workshops „Sternstunde“ mit Teleskop ein bisschen mehr über den Nachthimmel lernt.

Am Samstag startet das inhaltliche Programm: In drei Zelten, benannt nach den Autorinnen Anna Seghers, Christa Wolf und der Widerstandskämpferin und Kommunistin Lieselotte Hermann, finden je drei Workshops und inhaltliche Runden statt, flankiert von kulturellen Programmpunkten auf dem Platz selbst – ob Graffiti oder Salsa-Tanzkurs. Eine zentrale Rolle im Programm spielt immer wieder der Kampf gegen die Wehrpflicht. Der findet seinen größten Ausdruck in den drei Schulstreiks. 45.000 Schülerinnen und Schüler nahmen alleine am dritten Schulstreik am 8. Mai in über 150 Städten teil. Viele der Camp-Gäste waren mit dabei und bringen in den interaktiven Runden ihre Erfahrungen mit Repressionen durch Polizei, Schulleitungen und Versammlungsbehörden ein – aber auch, welche gewaltigen Erfolge die Bewegung binnen kürzester Zeit in der Organisation von Schülern für ihre Interessen leisten konnte, wie das möglich war, und wie es nun bis zum nächsten Streiktag weitergeht. Shabnam Shariatpanahi, Mitglied der DKP und Aktive der Initiative „Marxloher Nachbarn“, berichtet unterdessen von der Arbeit fortschrittlicher Kräfte im namensgebenden Duisburger Viertel Marxloh, und junge Gewerkschafter aus einem Klinikum diskutieren über antimilitaristische Arbeit im Gesundheitswesen. In der auf Pfingstcamps mittlerweile regelmäßig stattfindenden Austauschrunde zur Arbeit der DKP konnten Besucher Tabea und Ansgar (DKP Ruhr-Westfalen) mit Fragen über die kommunistische Partei in Deutschland löchern. Den Abschluss am Samstag bildete das Hauptpodium unter dem Titel „Wehrpflicht – wer will sie und was jetzt?“ Dort tauschten sich Schülerinnen und Schüler aus Streik-Komitees, Aktive der Initiative „Zukunftsmacher Münster“, der Landesschülervertretung Nordrhein-Westfalen und der SDAJ mit jungen Gewerkschaftern aus GEW und ver-.di über die gemeinsame Arbeit und Erfolge aus. Und diskutierten darüber, wie der Kampf gegen die Wehrpflicht weitergeführt werden muss.

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(Foto: Wera Richter)

Relevante Ereignisse gab es am Samstag auch außerhalb des Camps: Zwei Aktivisten der letzten Global Sumud Flotilla, Hannes und Till, kamen am Düsseldorfer Flughafen an. Sie waren aufgebrochen, um zusammen mit über 400 Aktivisten aus aller Welt Israels genozidale Blockade rund um Gaza zu durchbrechen und dem palästinensischen Volk mit Hilfsgütern ein Zeichen der praktischen internationalen Solidarität zu übergeben. Wie schon bei vorangegangenen Flotillen griff israelisches Militär die Boote in einem terroristischen Akt in internationalen Gewässern an und entführte die Besatzungen in ein Lager in Israel. Dort wurden die Gefangenen gedemütigt und körperlich und psychisch schwer misshandelt. Ein Video, das zeigt, wie der „Minister für öffentliche Sicherheit“, Itamar Ben-Gvir, die Entführten verhöhnt, ging um die Welt. Hannes zeigte sich kämpferisch bei seinem Empfang am Düsseldorfer Flughafen. Eine Delegation des West-Camps beteiligte sich an dem Empfang. Auf allen Camps solidarisierten sich Besucher in Soli-Videos mit der Flotilla und dem Kampf für ein freies Palästina.

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(Foto: SDAJ)

Am Sonntag startete das Programm mit einer weiteren Runde im Zeichen internationaler Solidarität: Genossinnen und Genossen von Redfox, der Jugendorganisation der belgischen Parti du Travail (PTB), und der Communistische Jongerenbeweging (CJB) aus den Niederlanden berichteten vom Kampf gegen die Militarisierung in ihren Heimatländern – und besonders über die Frage, wie die Jugend in beiden Ländern mobilisiert und in Kämpfe geführt werden kann. Nachmittags gab es die Gelegenheit, sich bei der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) über Kriegsdienstverweigerung zu informieren. Die Friedensorganisation berichtete von schlagartig steigenden Anfragen und der gewaltigen Zahl unbeantwortet gelassener Musterungsfragebögen.

Auf dem Camp-Treffen am Sonntagabend wurden seit dem Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Wochenende neu aufgenommene SDAJ-Mitglieder feierlich im Verband begrüßt. DKP, Redfox und CJB übermittelten Grußworte. Dazwischen sangen die Rotkehlchen Arbeiterlieder – und das Publikum schmetterte mit. Zeit für ein Soli-Foto für das sozialistische Kuba nahmen sich die Teilnehmer. Die Aggressionen des US-Imperialismus gegen den Inselstaat hatten in der Woche vor dem Pfingstcamp noch einmal deutlich zugenommen: Die US-Regierung verlegte einen Flugzeugträger in die Karibik und erließ Haftbefehl gegen Raúl Castro – als Vorwand, um Kuba nach Jahrzehnten völkerrechtswidriger Blockade wieder in den Herrschaftsbereich des US-Imperialismus einzufügen und zu unterjochen.

Den feierlichen Abschluss des West-Camps bildete die gemeinsame Rede der drei Landesvorsitzenden der SDAJ Rheinland-Pfalz-Saarland, Rheinland-Westfalen und Ruhr-Westfalen. Darin zeichneten sie Entwicklungen des vergangenen Jahres nach, skizzierten die nächsten Schritte im Kampf gegen den deutschen Imperialismus und feierten den Erfolg der diesjährigen Pfingstcamps.

Am Montag ging es an den Abbau des Camps. Wie an den drei Tagen zuvor beteiligten sich trotz sengender Hitze alle solidarisch an der Arbeit, bevor sie sich in großen Gruppen in ihre Heimatstädte verabschiedeten. Klar ist: Man wird sich wieder sehen – ob bei den UZ-Friedenstagen am 28. und 30. August in Berlin, auf dem nächsten Streiktag der Schulstreiks gegen Wehrpflicht oder auf einer der vielen weiteren Veranstaltungen, die die arbeitende und lernende Jugend in diesem Land zusammenführen.

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