Die DKP hatte beschlossen, vom LL-Wochenende Anfang des Jahres bis zu den UZ-Friedenstagen 1.000 neue Probeleserinnen und -leser für UZ zu gewinnen. Das ist gelungen. Wir sprachen mit Tabea Becker – verantwortlich im CommPress Verlag für die UZ-Kampagne – über die zurückliegenden Monate und darüber, wie es nun weitergeht.
UZ: Auf den UZ-Friedenstagen wurde die Marke von 1.000 Probe-Abos geknackt. Wie kamen die Abos auf dem Fest zustande?
Tabea Becker: 121 Probeabos wurden allein auf den UZ-Friedenstagen abgeschlossen. Das war nur möglich, weil viele Genossinnen und Genossen das ganze Wochenende über auf die Besucher zugingen und das Gespräch suchten. Es wurde über die Friedenstage gesprochen, über Krieg und Aufrüstung – und darüber, warum es eine Zeitung wie die UZ braucht. Unser eigentlich sechswöchiges Probeangebot wurde bis zum Jahresende verlängert. Wer die UZ neu kennenlernt, soll ausreichend Gelegenheit bekommen, sich ein Bild von ihr zu machen.
UZ: Die Kampagne ist zunächst langsam angelaufen. Woran lag das?

Tabea Becker: An Aufgaben mangelt es der Partei nicht. Die Friedensaktionsorientierung fordert unsere Kräfte. Wir wollen dem Kriegskurs der Bundesregierung und der weiteren Militarisierung etwas entgegensetzen. Gleichzeitig finden vor Ort betriebliche und kommunale Auseinandersetzungen statt, Bündnisse müssen aufgebaut und Aktionen organisiert werden. Das erklärt einen Teil des schwierigen Starts. Es zeigt aber auch ein Problem: Die UZ wurde teilweise als zusätzliche Aufgabe neben diesen Arbeiten verstanden. Im Verlauf der Kampagne ist es gelungen, das zu verändern. Besonders die Aktionsphase von April bis Juni wurde von vielen Gliederungen genutzt. Auf den vier Pfingstcamps der SDAJ konnten zudem zahlreiche junge Probeleser gewonnen werden.
Die mehr als 1.000 Probe-Abos zeigen vor allem eines: Es gibt Interesse an unseren Positionen. Wenn wir auf die Menschen zugehen und die UZ mit den konkreten politischen Auseinandersetzungen verbinden, finden wir auch neue Leserinnen und Leser.
UZ: 250 neue dauerhafte Abonnements waren ein weiteres Ziel der Kampagne. Wie ist der Stand?
Tabea Becker: Genau hier liegt jetzt der entscheidende Punkt. Probe-Abos allein sichern die UZ nicht. Wir wollen Menschen davon überzeugen, die Zeitung dauerhaft zu lesen. Unser Akquisitionsteam hält deshalb Kontakt zu den Probelesern, fragt nach ihren Erfahrungen und begleitet sie während des Probezeitraums. Ob das Ziel von 250 neuen Abonnements erreicht wird, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Die letzten Probe-Abos laufen bis zum Jahresende. Die erste Etappe ist also geschafft. Die zweite entscheidet darüber, was hängenbleibt.
UZ: Was bedeutet das für die Gliederungen?
Tabea Becker: Die gewonnenen Kontakte dürfen nicht in einer Liste verschwinden. Wer ein Probe-Abo vermittelt hat, sollte nachfragen: Wird die UZ gelesen? Welche Artikel interessieren? Wo gibt es Zustimmung, wo Widerspruch? Gerade daraus können politische Gespräche entstehen.
Die Erfahrung zeigt, dass der persönliche Kontakt entscheidend ist. Wer die Partei kennt, mit Genossen diskutiert und UZ nicht nur im Briefkasten findet, sondern mit unserer politischen Arbeit verbindet, wird eher zum dauerhaften Leser. Gemeinsam mit dem CommPress Verlag können dazu auch Leserveranstaltungen organisiert werden. Dort können Probeleser, Abonnenten und Genossen über aktuelle Fragen und über die UZ diskutieren.
UZ: Welche Gründe nennen Probeleser, die kein Abo abschließen?
Tabea Becker: Oft liegt es nicht am Inhalt. Ein häufig genannter Grund ist das Geld. Reallohnverluste, steigende Mieten und Lebensmittelpreise sorgen dafür, dass viele genau rechnen müssen. Ein Zeitungs-Abo fällt dann schnell unter die Ausgaben, auf die verzichtet werden muss. Auch fehlende Zeit spielt eine Rolle. Arbeit, Haushalt und Familie lassen vielen wenig Raum für regelmäßige Lektüre. Nachrichten werden dann schnell auf dem Handy gelesen. Das sind keine vorgeschobenen Argumente, sondern reale Bedingungen. Darauf müssen wir reagieren. Die UZ bietet bereits ermäßigte und solidarische Möglichkeiten an. Wo auch das nicht reicht, sollten Gliederungen überlegen, ob sie Interessierte beim Bezug der UZ unterstützen können. Eine Zeitung der Arbeiterklasse darf nicht daran scheitern, dass Arbeiter sie sich nicht leisten können.
UZ: Die Werbung für die UZ kann nicht mit dem Ende der Kampagne aufhören. Was folgt daraus?
Tabea Becker: Das wird eine zentrale Frage der Auswertung im Parteivorstand der DKP sein. Eine Schlussfolgerung zeichnet sich aber bereits ab: Wir dürfen die Arbeit mit der UZ nicht als zusätzliche Aufgabe verstehen, die irgendwann auch noch erledigt werden muss. Die UZ muss inhaltlicher Begleiter unserer politischen Arbeit sein.
Wenn wir gegen Hochrüstung und Kriegspolitik aktiv sind, liefert sie Fakten und Hintergründe zum Kriegskurs der Bundesregierung, zur NATO und zur Militarisierung. Wenn Tarifrunden und betriebliche Auseinandersetzungen anstehen, gehört die UZ dorthin, wo die Kollegen kämpfen. Sie kann Erfahrungen aus anderen Betrieben vermitteln, Forderungen einordnen und deutlich machen, dass der einzelne Konflikt Teil größerer Klassenauseinandersetzungen ist. Wir müssen also weniger darüber reden, wie wir „zusätzlich“ UZ-Arbeit machen. Die Frage lautet: Wie setzen wir die UZ in der Arbeit ein, die wir ohnehin machen?
Mehr als 1.000 Probe-Abos sind ein Erfolg – aber keiner, auf dem wir uns ausruhen können. Sie zeigen, dass Menschen bereit sind, unsere Zeitung zu lesen und sich mit unseren Positionen auseinanderzusetzen. Jetzt müssen wir daraus etwas machen. Die UZ gehört dorthin, wo wir kämpfen, diskutieren und organisieren. Die UZ-Kampagne hat einen Anfang gemacht. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass daraus Alltag wird.








