Majakowski und andere im Berliner „Babylon“

Der Mund der Revolution

Von UZ

In der Einheit von Ästhetischem und Politischem sah Wladimir Majakowski die Bedingung für eine künstlerische Wirksamkeit, die der sich wandelnden gesellschaftlichen Realität gerecht wurde. Wichtiges Prüffeld für die Richtigkeit dieser Auffassung war die ROSTA-Arbeit während des Bürgerkrieges. Der Dichter und Grafiker hat mit Hilfe seiner naiven Versbilderbogen den tieferen Sinn der politischen und historischen Vorgänge massenwirksam zu erklären versucht. Den Weg der Revolution, der nach Majakowskis Worten dem „Sprengen von Gebirgen“ vergleichbar ist, sollten auch Bühnenwerke wie das satirische „Mysterium Buffo“ und andere Dichtungen tiefer erschließen. Der Vers ist von nun an zum Vortrag vor großem Publikum bestimmt, der Gedanke zum Disput.

Marina Zwetajewa schrieb 1923 in Paris: „Und wenn wir uns Majakowski zuwenden, dann müssen wir und vielleicht auch noch unsere Enkel nicht zurück, sondern vorwärts blicken… Mit seinem schnellen Gang ist Majakowski weit über die Gegenwart hinausgeschritten, und irgendwo hinter einer Wegbiegung wird er noch lange auf uns warten.“

 

Freunde

und Feinde, Nahe

und Fremde,

ergießt euch

in breiten Strömen

durch jene Tür!

Und er,

der Freie,

nach dem ich schreie,

der Mensch – er kommt!

Ich bürge dafür!

… ich warf mich

in den Kommunismus

aus den Himmeln der Dichtung,

weil’s für mich

ohne ihn keine Liebe gibt!

Wladimir Majakowski

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"Der Mund der Revolution", UZ vom 3. November 2017



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