Niedergang

Der Realitätsverlust im Team des Bundeskanzlers ist besorgniserregend. Am Dienstagnacht um kurz vor 2 Uhr twitterte seine Social-Media-Abteilung: „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Hatte nur nichts mit dem grottenschlechten Kick zu tun. Entsprechend die Reaktionen. Die Art der Niederlage der DFB-Elf erinnert sehr an den Niedergang der Bundesrepublik. Nach dem Weltmeistertitel 2014 unterlag man im Halbfinale der EM unglücklich. Dann ging es steil bergab. Ähnlich wie in der Politik blieb auch beim DFB der Anspruch auf die Weltspitze, nur die entsprechenden Konsequenzen wurden nicht gezogen. Anders in der Politik: Im Jahr des Weltmeistertitels eskalierte man die Entwicklung in der Ukraine und begann die Konfrontationspolitik mit Russland. Die dortige WM 2018 stand schon ganz im Zeichen des Aufbaus von Russenhass. Der Titelverteidiger musste allerdings schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Ein paar Eskalationen später schnitt sich Deutschland von günstigem russischem Gas ab, verhandelte stattdessen mit den USA und Katar. Dort flog man nach der Vorrunde nach Hause. Hier wird auch der Sport der Kriegsvorbereitung geopfert: Abseits des Profifußballs werden die Vereine sich selbst überlassen. Sportplätze und Turnhallen verrotten.

Vielleicht war der Post auch der Versuch, noch ein bisschen Fußballstimmung mitzunehmen, um vom Generalangriff auf die sozialen und demokratischen Rechte abzulenken. Dabei könnte der Niedergang der Nationalmannschaft den Menschen die Augen öffnen, dass sie sich gegen die Zerstörungen ihres Landes und ihrer Rechte zur Wehr setzen müssen. Wäre doch was.

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