Am 25. April wird in Torgau für den Frieden demonstriert und an den Schwur an der Elbe erinnert. Ein Gespräch mit Friedemann Munkelt

Ein Handschlag mit Perspektive

Im April 1945 trafen sich US-Soldaten und sowjetische Rotarmisten an der zerstörten Torgauer Elbbrücke und leisteten den „Schwur an der Elbe“: Mit einem symbolischen Handschlag besiegelten sie das nahende Ende des Krieges und die bevorstehende Zerschlagung des Faschismus. Um dieses Ereignisses zu gedenken und Schlussfolgerungen für den heutigen Kampf für eine Welt ohne Kriege zu ziehen, findet am 25. April eine Friedensdemonstration in Torgau statt. Zu den Rednern an diesem Tag gehört Oberst a. D. Friedemann Munkelt, Sprecher des Ältestenrates des Verbands zur Pflege der Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR. Munkelt ist im Juni 1945 geboren und mit der Überzeugung aufgewachsen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf. UZ sprach mit ihm über den Handschlag an der Elbe, die Errungenschaften des Sozialismus in der Friedenssicherung und den Friedenskampf heute.

UZ: Welche Bedeutung hat der Handschlag an der Elbe für Sie?

Friedemann Munkelt: Der Handschlag an der Elbe war noch vor der Kapitulation des deutschen Faschismus das erste Symbol des Sieges der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Zugleich war damit die Hoffnung für ein friedliches Miteinander der Völker verbunden. Hier wurde speziell auch für das deutsche Volk die Perspektive für eine demokratische Entwicklung geöffnet. Auf einem anderen Blatt der Geschichte steht allerdings, dass die Westalliierten bereits zu diesem Zeitpunkt andere Pläne verfolgten.

UZ: Die So­wjet­union hat den höchsten Blutzoll zur Befreiung Deutschlands vom Faschismus geleistet. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn heute von „Kriegstüchtigkeit“ und der angeblichen Bedrohung durch Russland gesprochen wird?

Friedemann Munkelt: Nach dem Sieg der Roten Armee in der Schlacht um Stalingrad 1943 übergab der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt im Mai 1944 eine Urkunde an die Stadt Stalingrad. Darin hieß es: „Im Namen des Volkes der Vereinigten Staaten von Amerika überreiche ich der Stadt Stalingrad diese Urkunde, um unserer Bewunderung für ihre tapferen Verteidiger Ausdruck zu geben, deren Tapferkeit, Mut und Opferbereitschaft während der Belagerung vom 13. September 1942 bis zum 31. Januar 1943 für immer die Herzen aller freien Menschen höher schlagen lassen werden. Ihr ruhmreicher Sieg brachte die Welle der Aggression zum Stehen und wurde zum Wendepunkt des Krieges der alliierten Nationen gegen die Kräfte der Aggression.“

Der damit verbundene Blutzoll des sowjetischen Volkes von mehr als 26 Millionen Menschen, verursacht durch den deutschen Faschismus, sollte eine bleibende historische Verantwortung für ein friedvolles Miteinander unserer Völker sein. Das russische Volk ist dazu bereit. Es gibt keine Bedrohung Deutschlands durch Russland! Diese sogenannte Bedrohung und die „Kriegstüchtigkeit“ dienen einzig und allein der Begründung einer ungehemmten Aufrüstung Deutschlands und der NATO insgesamt.

UZ: Sie haben in der NVA gedient und an sowjetischen Militärakademien studiert. Wenn Sie heute einen Blick auf die Weltlage werfen: Wie hoch ist die Leistung der sozialistischen Staaten bei der Friedenssicherung einzuschätzen?

Friedemann Munkelt: Dass die Westalliierten bereits während des Krieges den nächsten Konflikt mit der So­wjet­union vorbereiteten, habe ich bereits erwähnt. Durch das Entstehen der sozialistischen Staatengemeinschaft und in der Folge des Warschauer Vertrages konnte diesen Plänen Paroli geboten werden. Ich möchte noch erwähnen, dass die gemeinsame Sicherung des Friedens die Freundschaft zwischen unseren Völkern stärkte: Waffenbrüder – Klassenbrüder. Am 70. Jahrestag der Gründung der NVA am 1. März dieses Jahres erfüllte es uns mit Stolz, sagen zu können: Wir waren die einzige deutsche Armee, die nie Krieg geführt hat, aber einen messbaren Beitrag zur Erhaltung des Friedens geleistet hat.

UZ: Wie können das Gedenken an den Handschlag an der Elbe und die Erinnerung an die Errungenschaften des Sozialismus heute beim Aufbau einer Gegenmacht gegen die Kriegspolitik helfen?

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Friedemann Munkelt: Das Gedenken an den Handschlag an der Elbe verpflichtet uns, aber auch alle, die an einer friedlichen Zukunft interessiert sind, die Ursachen von Kriegen aufzuzeigen und den Kriegstreibern keine freie Bahn zu gewähren! Angesichts der aktuellen Kriege im Iran, Libanon und der Ukraine kann man diese klar benennen. Der Marxismus-Leninismus gibt uns dafür die Instrumente. Ein möglicher künftiger Krieg hätte verheerende Folgen, er würde auch vor den jetzt Abseitsstehenden keinen Halt machen. Dessen muss sich jeder bewusst sein.

UZ: Um den Krieg vorzubereiten, soll die Wehrpflicht reaktiviert werden. Aber die Jugend wehrt sich mit Schulstreiks. Ein Mutmacher für die Friedensbewegung?

Friedemann Munkelt: Der Widerstand der Jugend gegen die Wehrpflicht ist ein gutes Signal. Dies auch vor dem Hintergrund einer nach meiner Meinung existierenden Gleichgültigkeit in breiten Schichten der Bevölkerung zur Friedensfrage. Die Ostermärsche waren ein gutes Zeichen, leider war die Beteiligung noch stark ausbaufähig. Der Kampf um den Frieden ist ein Kampf um die Köpfe. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass unseren Kindern und Enkeln der Schrecken des Krieges erspart bleibt. Auch das ist ein Vermächtnis des Treffens an der Elbe!

Friedensdemonstration zum Elbe-Tag 2026
Samstag, 25. April, 11.30 Uhr
Brückenkopf Torgau

Mehr Informationen zu ­Programm und Anreise hier.

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"Ein Handschlag mit Perspektive", UZ vom 17. April 2026



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