Mit dem „Olympischen Brief“ wird die Bewegung für mehr Personal in der Pflege verbreitert

Er rollt und rollt und rollt …

Von Peter Köster

Infos zum „Olympischen Brief“

über facebook: @olympic.letter

Treffen der Pflegebündnisse

Am 4. und 5. Mai findet das zweite bundesweite Treffen der Bündnisse und Initiativen für mehr Personal an den Krankenhäusern und in der Pflege statt. Landesbezirk ver.di, Karlstraße 123–127, Düsseldorf

Seit Januar reist der „Olympische Brief“ (OB) von Krankenhaus zu Krankenhaus – durch ganz Deutschland. Tausende Krankenpfleger und -schwestern, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Reinigungskräfte unterschreiben auf den langen Papierrollen, die in einem Metallkoffer aufbewahrt werden. Die Beschäftigten fordern von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) endlich gute Bedingungen für die Pflege und Versorgung im Krankenhaus – allem voran eine echte Personalbemessung am Bedarf. Am 5. Juni wird der Aktionsbrief mit den Unterschriften dem Bundesgesundheitsminister und den Ressortministern für Gesundheit der Länder in Leipzig übergeben.

In diesen Tagen verlässt der Brief NRW, das zwölfte Bundesland auf seiner Rundreise. Mitte April übernahmen die bestehenden Unterstützungsbündnisse für mehr Personal an den Krankenhäusern in NRW den „Wanderbrief“ aus Mainz. Die Unterschriftenaktion fand bereits in etwa 70 Kliniken in über 40 Städten statt.

Die Aktiven und Beschäftigten in großen Kliniken waren häufig sehr aktiv und mit eigenen Ideen dabei. Mit diesem Brief trifft die Initiative des Hamburger Bündnisses für mehr Personal nicht nur den Nerv der betroffenen Kolleginnen und Kollegen.

Dass die jeweiligen Geschäftsführungen der Häuser genau hinsehen, was sich da auf ihren Fluren tut, ist überall festzustellen. Besonders dort, wo in den letzten Monaten der aktive Kampf um eine Personalbemessung bis zum Streik geführt wurde. Am Essener Universitätsklinikum wurden viele Stationen des Klinikums mit dem Brief erreicht. Der Nachhall des Arbeitskampfes für Entlastung vom Sommer 2018 war vor allem dort ein Thema, wo es dem Personalrat weiterhin sehr schwer gemacht wird, die Vereinbarung mit der Geschäftsführung umzusetzen, also mehr Personal einzustellen. Ausflüchte, Verzögerungen und Auslegungsvarianten, die nicht den Inhalt des Vertragswerkes wiedergeben, sind nicht selten. Bei den Beschäftigten kommt dies nicht immer als Verzögerungstaktik der Klinikleitung an.

An den Kliniken, denen Ausbildungszentren für Pflege- und andere krankenhausbezogene Berufe angegliedert sind, kommen die Aktiven mit dem „Olympischen Brief“ sehr schnell in die Zukunftsdebatte mit den jungen Menschen. Immer wieder ist zu hören: „Bleibt es so, wie wir den Beruf bisher auf den Stationen erleben, weiß ich nicht, ob ich nach der Ausbildung bleibe.“ Der Streik am Essener Klinikum hat erreicht, dass Auszubildende nicht mehr im Rahmen ihrer Ausbildung als volle Kraft auf den Stationsschlüssel angerechnet werden.

Immer wieder melden sich bei der zentralen Organisationsstelle Kolleginnen und Kollegen, die von der Aktion gehört haben, darunter viele, die Mitglieder von ver.di sind. Die Gewerkschaft unterstützt diese Aktion. Wo es örtliche regionale Bündnisse für mehr Personal an den Krankenhäusern gibt, sind diese oft die Initiatoren der Aktion. Als Mitglied des Essener Bündnisses für mehr Personal an den Krankenhäusern war ich selbst in drei Krankenhäusern bei der Sammlung dabei. Beeindruckend war für mich die Entschiedenheit der Kolleginnen und Kollegen, sich wenigstens mit ihrer Unterschrift zu solidarisieren. Dabei war auch immer wieder hören: „Sorry. Habe im Moment keine Zeit. Muss auf einer anderen Station, aushelfen“ oder ähnliches. Patientinnen und Patienten, die in den Foyers und Fluren von der Zielsetzung des Olympischen Briefes hörten, wollten fast immer sofort ihre Unterschrift geben.

Die Notwendigkeit solcher Aktionen ist unbestritten. Aus den Erfahrungen kann und muss die Gewerkschaftsbewegung das Fazit ziehen: Nur mit der direkten Ansprache der Betroffenen, der unmittelbaren Einbeziehung der Betroffenen und der Benennung der Verantwortlichen für die Misere ist eine Bewegung zu schaffen, die das Ziel im Auge behält und den notwendigen langen Atem hat.

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"Er rollt und rollt und rollt …", UZ vom 26. April 2019



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