Um 6 Uhr morgens heulten die Streiksirenen bei Stanley Feinwerktechnik im mittelhessischen Dorlar. Damit begann der unbefristete Erzwingungsstreik für einen Tarifvertrag. Beschäftigte versammelten sich am vergangenen Montag in roten Streikwesten vor dem Werkstor, unterstützt von sich solidarisierenden Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben. Bengalos wurden gezündet und rote Fahnen der IG Metall wehten. „Tarifvertrag wollen wir“, hallte es durch das Industriegebiet in der kleinen Gemeinde zwischen Gießen und Wetzlar.
Fast genau vor einem Jahr hatte sich die Belegschaft des Autozulieferers auf den langen Weg gemacht, einen Tarifvertrag zu erkämpfen. Der erste Schritt wurde mit der Wahl eines Betriebsrats gemacht. Nun sollen Tarifverträge für die rund 60 Beschäftigten folgen, wie sie eigentlich bei dem Mutterkonzern Stanley Black & Decker üblich sind. Die Vorstandsetage wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen und behauptet, es sei kein Geld dafür da. Dass zuvor Dividenden in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet wurden, spielt in ihrer Argumentation keine Rolle.
Statt ernsthaft mit Betriebsrat und Gewerkschaft zu verhandeln, setzen die Bosse auf Konfrontation. Unmittelbar vor der Urabstimmung zu einem Arbeitskampf kündigten sie auf einer Betriebsversammlung an, ein Drittel der Belegschaft entlassen zu wollen. Der Betrieb sei nicht rentabel. Das hat bewirkt, dass die Kolleginnen und Kollegen geschlossen mit 100 Prozent Zustimmung für einen unbefristeten Streik stimmten. Schon jetzt ist klar, dass der Arbeitskampf den Konzern teurer zu stehen kommen wird als der von der Belegschaft eingeforderte Tarifvertrag.









