Erinnerung an Auschwitz-Befreiung

In mehreren bundesdeutschen Städten haben Menschen in der vergangenen Woche anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar den Opfern des Faschismus gedacht. Das „Auschwitz-Komitee“ erinnerte im Rahmen einer Onlineveranstaltung, die unter dem Motto „Gegen das Vergessen: Dass Auschwitz nicht noch einmal sei“ an die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. Dafür gaben die Schauspieler Sylvia Wempner und Rolf Becker eine Lesung, außerdem wurden Ausschnitte aus der noch unvollendeten Dokumentarfilmtrilogie „Das zweite Leben“ der Regisseurin Eva Stocker gezeigt. Zum Abschluss berichteten die Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano und Éva Fahidi-Pusztai von ihrer Befreiung im Jahr 1945. Die Onlineveranstaltung mit Ester Bejarano kann auf dem YouTube-Kanal des Auschwitz-Komitees angeschaut werden.

„Der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, ist bröckelig. Neue und alte Nazis und Rassisten versuchen, eine Pogromstimmung heraufzubeschwören. Leider oft auch im Bündnis mit sogenannten ‚bürgerlichen‘ Milieus und Gruppierungen, die sich als ‘staatstragend’ bezeichnen. Gegenwärtig, ganz nah, sind hier die Erinnerungen an Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen“, erinnerte Bejarano in ihrem Schlusswort. Zugleich warnte sie, dass aus Verschwörungsideologien sehr leicht Vernichtungsphantasien würden. Und aus solchen Worten auch Taten. „Uns allen ist doch klar: Kriege und Unterdrückung bedeuten Vertreibung und Flucht. Jede Waffe, die in Krisenregionen verkauft wird, schafft neues Leid, neue Vertreibungen. Und so auch neue Flüchtlinge auf der ganzen Welt“, erinnerte die Ausschwitzüberlebende.

In Essen hatte der ehemalige DKP-Oberbürgermeisterkandidat Peter Köster mehrere Großleinwandbilder für eine Installation auf dem dortigen Willy-Brandt-Platz hergestellt. Die politische Installation wurde mit vielen Audio-Beiträgen vom Band begleitet. Darunter mit Berichten von Zeitzeugen und Erzählungen von jungen Menschen, welche die Orte des Schreckens der faschistischen Diktatur besucht haben.

Die Antifaschistinnen und Antifaschisten erinnerten daran, dass innerhalb von zwei Jahren im Vernichtungslager Auschwitz eineinhalb Millionen Menschen, die meisten davon Jüdinnen und Juden, aber auch unzählige Sinti und Roma, christliche Polinnen und Polen, Kommunistinnen und Kommunisten, Homosexuelle und weitere auf grausamste Art ermordet. „Eine Woche vor der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee wurden die Gaskammern und Krematorien gesprengt. Am 27. Januar existierte die Mordmaschinerie nicht mehr. Als die Soldaten der Roten Armee Auschwitz erreichten, bot sich ihnen ein grausamer Anblick. Sie befreiten 8000 bis aufs Skelett abgemagerte und völlig entkräftete Häftlinge, die zum Teil nicht mehr laufen konnten. Auch 600 Kinder konnten gerettet werden“, erinnerten die Nazigegner in der Essener Innenstadt.


Pressemitteilung der VVN-BdA Essen
Gedenken an die Befreiung von Auschwitz

Gedenken in Essen (Foto: Peter Köster)

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Essen auf dem Willy-Brandt-Platz eine auffällige und unübersehbare Kunstaktion gestartet. Sie fand statt in unmittelbarer Nähe des Handelshofs, wo im Dritten Reich gegenüber dem Hauptbahnhof Mussolini und Hitler 1937 mit dem Banner „Willkommen in der Waffenschmiede des Reiches“ empfangen worden waren. Das Kunstwerk zeigte jedoch das andere Ende des Faschismus, die Welt der Konzentrationslager.

Insgesamt vier wandgroße Bilder, die fast wie schwarzweiße Fotografien aussahen, Bilder der faschistischen KZ-Welt, umgeben von Stacheldraht und Holzpfosten waren deutlich sichtbar auf dem Willy-Brandt-Platz aufgebaut worden. Unüberhörbar auch die Tonsequenzen mit Zeugnissen von Überlebenden der Lager und der Todesmärsche. Unter anderen war die Originalstimme der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano zu hören, die dem Mädchenorchester von Auschwitz angehörte. Die Kunstaktion hatte Peter Köster erstellt, der in einer kurzen Rede über seine Motivation sprach, dieses Kunstwerk zu schaffen. Sie rührt nicht zuletzt aus seinen Besuchen von KZ-Gedenkstätten.

Trotz des Regenwetters waren zahlreiche Besucher im Laufe der bewegenden Kunstaktion erschienen. Praktisch und finanziell unterstützt wurde die VVN-BdA Essen von SJD-Die Falken, von Aufstehen gegen Rassismus, vom DGB und der DGB-Jugend, der SDAJ, dem Essener Friedensforum, von Essen stellt sich quer, Mut machen – Steele bleibt bunt sowie dem Anti-Rassismus-Telefon.

Über den Autor

Markus Bernhardt (Jahrgang 1977) ist freier Journalist und Autor sowie studierter Sozialarbeiter. Er arbeitet für verschiedene Printmedien, unter anderem für die Tageszeitung „junge Welt“. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Themen Innen-, Gesundheits-  und Gleichstellungspolitik sowie Antifaschismus.

2012 veröffentlichte er das Buch „Das braune Netz: Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“ über das faschistische Terrornetzwerk „NSU“ im PapyRossa Verlag Köln.

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