Es klingt wie das schlechte Drehbuch eines absurden Politthrillers: Die Fahndung nach einem mutmaßlichen Saboteur der Nord-Stream-Pipelines endet ausgerechnet am Set eines Hollywoodfilms über die Sprengung der Gasröhren. Im kroatischen Pula wurde in der vergangenen Woche der ukrainische Staatsbürger Wladimir Z. festgenommen. In der Adriastadt wird derzeit der Politthriller „Snake Island“ mit Sean Penn und Adrien Brody gedreht. Der Film soll von der Nord-Stream-Sprengung inspiriert sein und erzählt die Geschichte eines ukrainischen Taucherteams.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gehörte Wladimir Z. zu einer Gruppe um Serhii K. Die Männer sollen im September 2022 in den Tiefen der Ostsee Sprengsätze an die Röhren von Nord Stream 1 und 2 angebracht haben.
Wladimir Z., der in Kroatien am Set des notorischen Ukraine-Unterstützers Sean Penn als Berater fungierte, ist kein Unbekannter oder Zufallstreffer. Er sollte bereits im Sommer 2024 auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls in Polen festgenommen werden, entkam seinerzeit aber kurz vor dem Zugriff und setzte sich in die Ukraine ab – mit freundlicher Unterstützung des ukrainischen Militärattachés in Warschau, in dessen Wagen er außer Landes gebracht wurde. Der Verdächtige wähnte sich offensichtlich sehr sicher und kehrte in die EU zurück. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde er in Polen festgenommen, ein polnisches Gericht lehnte seine Auslieferung jedoch ab. Wladimir Z. bestreitet eine Tatbeteiligung.
Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Anschlagspläne im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine entwickelt wurden. Das geht aus Einzelheiten der Anklage gegen den mittlerweile in Deutschland inhaftierten Ukrainer Serhii K. hervor, welche die Karlsruher Behörde veröffentlichte. Die offizielle Version lautet demnach: Eine Gruppe aus Berufstauchern, einem Skipper und einem Sprengstoffexperten soll mit gefälschten Papieren eine Segeljacht namens „Andromeda“ in Rostock angemietet und Sprengsätze in 80 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund an den Pipelines angebracht haben.
Dass der Generalbundesanwalt die Führung in Kiew des Terrors bezichtigt, hält die Bundesregierung nicht davon ab, die korrupte ukrainische Regierung weiter mit deutschem Steuergeld zu unterstützen. Am Wochenende machte der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) beim Besuch in Kiew entsprechende neue Zusagen. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenski mimt derweil den Unschuldigen und behauptete ebenfalls am Wochenende, sein Land habe mit der Sache nichts zu tun. Die Ukraine habe „nie offiziell“ an Operationen zur Sprengung von Nord Stream 2 teilgenommen. Deutschland wisse genau, dass die Ukraine weder für die Planung noch für die Durchführung verantwortlich gewesen sei: „Wir hatten nichts damit zu tun.“
Stellt sich die Frage, wer lügt? Der US-amerikanische Investigativjournalist Seymour Hersh hatte bereits 2023 berichtet, die damalige US-Regierung unter Joe Biden habe die Pipelines mit Unterstützung Norwegens durch eine geheime Kommando-Operation sprengen lassen. Washington wies dies zurück. Das Gros der Medien glaubt das Dementi aus dem Weißen Haus, obwohl der US-Präsident schon im Jahr 2022 in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) mit dem Aus der Röhren gedroht hatte. Weitere Recherchen dazu? Fehlanzeige, weil politisch nicht opportun. Dann lieber den Plot vom geschnappten „Andromeda“-Taucher am kroatischen Filmset als plausibel verkaufen.
Wer profitiert von der Nord-Stream-Sprengung? Die Pipelines standen für eine Energiebeziehung zwischen Deutschland und Russland, die über Jahrzehnte gewachsen war. Mit ihrer Zerstörung wurde eine zentrale Infrastruktur beschädigt – und damit auch eine Option für eine kostengünstige Energieversorgung Deutschlands. Statt wettbewerbsfähigem Pipelinegas aus Russland müssen Verbraucher wie Industrie nun teureres Fracking-Gas beziehen, zum Beispiel aus den USA.
Nach der Verhaftung von Wladimir Z. am Filmset in Italien sollte endlich laut gefragt werden: Wie lange wollen die Bundesregierung und die Berliner Journalistenblase noch so tun, als gehe es beim Nord-Stream-Anschlag um einen einfachen Kriminalfall und nicht um Staatsterror?








