Iris Schaffrina kandidiert auf der DKP-Liste zur EU-Wahl auf Platz 12

„Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im ÖPNV“

Iris Schaffrina (28) arbeitet im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Frankfurt am Main, ist aktive Gewerkschafterin und gelernte Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Sie kandidiert auf Listenplatz 12 für die DKP bei den EU-Wahlen.

UZ: Das Jahr beginnt turbulent. Bevor der Wahlkampf richtig losgeht, kämpft ihr im ÖPNV für bessere Arbeitsbedingungen …

Iris Schaffrina: Für mich ist es wichtig, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen dafür einzustehen, dass sich Dinge verändern. Wir fordern eine 35-Stunden-Woche, mehr Pausen zwischen den Lenkzeiten und die Streichung der unteren drei Lohngruppen im hessischen Tarifvertrag Nahverkehr. Dann würden die Kollegen automatisch nach oben rutschen. Das ist besonders wichtig, denn die schlechte Bezahlung sorgt dafür, dass niemand mehr hier arbeiten möchte.

In Frankfurt am Main haben wir jetzt schon einen „Stabilisierungs-Fahrplan“ – den sogenannten „ehrlichen Fahrplan“. Uns fehlen so viele Fahrerinnen und Fahrer, dass das bisherige Angebot nicht mehr gestemmt werden kann. Deshalb muss der Fahrplan reduziert werden. Mit dem „Deutschlandticket“ werden die Leute dazu motiviert, sich mehr auf die Bahn zu verlassen und auf den ÖPNV umzusteigen. Daher ist das einfach ein Unding. Wir brauchen eine anständige Finanzierung für den ÖPNV, nicht nur für den Ausbau, sondern auch für den Erhalt vorhandener Strecken.

UZ: Wie ist die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen?

Iris Schaffrina: Sie sind sehr engagiert, gerade das Fahrpersonal. Selbst diejenigen, die sonst nicht unbedingt auf ver.di vertrauen, sagen: Es ist super wichtig, dass wir jetzt zusammenhalten. Das ist ja auch das Entscheidende. Die Leute verstehen, dass wir alle an einem Strang ziehen müssen, weil sonst nichts passiert. Der Zuspruch ist also groß, das zeigt sich auch bei den Warnstreiks. Ohne diese Einigkeit hätte ich weniger Hoffnung, aber wenn es so bleibt, dann können wir etwas verändern.

UZ: Ist deine Kandidatur für die DKP auch eine Konsequenz aus deinem Engagement im Betrieb und in der Gewerkschaft?

Iris Schaffrina: Ich würde sagen: das eine bedingt das andere. Beides gemeinsam ist das Sinnvollste, was ich tun kann. Der DKP bin ich nahegekommen, als ich angefangen habe zu arbeiten. Mein Ausbildungsgehalt lag bei 360 Euro, das ist noch nicht so lange her. Ich konnte mir nicht einmal eine Wohnung oder auch nur ein Zimmer in einer Wohnung leisten. Und jemand anderes macht durch meine Arbeit große Profite. Als ich gemerkt habe, wie ungerecht das ist, war klar, dass ich mich engagieren muss. Und es war auch klar, dass ich eine Partei finden muss, die eine Erklärung für das hat, was da mit mir passiert, und die sich auch tatsächlich dafür interessiert. In die Gewerkschaft zu gehen war dann der nächste logische Schritt.

UZ: Welche Themen sind dir besonders wichtig?

Iris Schaffrina: Wegen der aktuellen Lage steht natürlich der Antimilitarismus im Zentrum. Deutschland und die EU geben unendlich viel Geld für Waffen aus. Dort, wo diese Waffen landen, richten sie großes Unheil an. Dafür werden Gelder gekürzt für Dinge, die für die Menschen hier wichtig sind. Das ist eine Ungerechtigkeit, gegen die wir einfach vorgehen müssen. Meine Mutter ist im sozialen Bereich tätig und arbeitet für einen gemeinnützigen Verein, der aber städtisch finanziert wird. Denen wurden jetzt Gelder für die Arbeit mit Schwerbehinderten und Wohnungslosen gestrichen. Das ist ein direktes Resultat dieser Kriegspolitik.

Jenseits davon liegen meine Schwerpunkte in den Bereichen ÖPNV und Umweltschutz. Das hängt alles miteinander zusammen. Natürlich ist der Krieg auch unglaublich schlecht für die Umwelt. Zugleich ist es wichtig, dass wir einen gut ausgebauten ÖPNV haben. Dafür brauchen wir mehr und besser bezahltes Personal.

UZ: Da spielt auch der Ticketpreis eine Rolle …

Iris Schaffrina: Auch wenn ich bald als Zeitkartenverkäuferin arbeite, wäre mir ein kostenloser ÖPNV am liebsten. Mobilität ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Ich bin mir sicher, auch wenn ich keine Tickets mehr verkaufen könnte, weil der ÖPNV kostenlos wird, gäbe es immer noch genug zu tun. Deswegen habe ich auch keine Angst, meinen Job zu verlieren.

UZ: Warum macht es Sinn, die DKP zu wählen?

Iris Schaffrina: Die DKP ist die einzige Partei im deutschen Parteiensystem, die sich tatsächlich dafür einsetzt, etwas grundsätzlich zu verändern. Dabei setzt die DKP nicht auf irgendwelche leeren Wahlversprechen, sondern sagt: Macht mit! Helft uns, etwas zu verändern, mit uns und miteinander. Parteien lügen, wenn sie versprechen, die Probleme für uns zu lösen. Nur wenn wir zusammenstehen, können wir etwas erreichen.

Über den Autor

Vincent Cziesla, Jahrgang 1988, ist seit dem Jahr 2023 Redakteur für das Ressort „Politik“. Der UZ ist er schon seit Jahren als Autor und Verfasser der „Kommunalpolitischen Kolumne“ verbunden. Während eines Praktikums lernte er die Arbeit in der Redaktion kennen und schätzen.

Cziesla ist Mitglied des Neusser Stadtrates und war von 2014 bis 2022 als hauptamtlicher Fraktionsgeschäftsführer der Linksfraktion in Neuss beschäftigt. Nebenberuflich arbeitet er in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Behinderung.

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"„Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im ÖPNV“", UZ vom 8. März 2024



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