Gewerkschaftstag der IG Metall – Für wen?

Kolumne von Jürgen Brandies

In der Zeit vom 18. bis zum 24. Oktober fand in Frankfurt der Kongress der IG Metall statt. Als Delegierter, der schon an einigen Kongressen teilgenommen hat, kann ich der „tageszeitung“ vom 22. Oktober mit der Überschrift „Die große Harmonie“ nur zustimmen.

Trotz Arbeitslosigkeit, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bedroht, spielte das Thema auf dem Kongress nur eine sehr geringe Rolle. Die Verteilung der Arbeitszeit durch Reduzierung auf mehr Schultern, um damit gegen die Arbeitslosigkeit als Gewerkschaften anzukämpfen, wurde ebenfalls kaum in die Diskussion gebracht. Konträre Diskussion in dieser Frage war nicht notwendig, da von den Delegierten dieses Thema nicht aufgegriffen wurde.

Die Betriebsräte in den Betrieben und die IG Metall sehen sich als eine erfolgreiche Organisation, die für ihr Klientel Erfolge verbuchen kann. Lohn- und Gehaltserhöhungen, tarifliche Regelungen für Bildung usw.

Die Kolleginnen und Kollegen in den prekären Bereichen spielen bei dieser Einschätzung keine große Rolle. Es haben sich in den Betrieben Belegschaften in mehreren Schichten etabliert. Als erstes die sogenannten Stammbelegschaften mit festem Arbeitsplatz, zwar unter Druck, aber mit einer relativ gesicherten Existenz oft im Flächentarifvertrag. Dann Belegschaften in den ausgegliederten Firmen, die oft in den großen Betrieben arbeiten, aber schon unter schlechteren Bedingungen. Sondertarif, längere Arbeitszeit, aber noch immer bessere Bedingungen als deren klassische Konkurrenten zum Beispiel in der Logistik.

Dann ist da noch eine große Anzahl von Leiharbeitern, die schon eher den Folgen von Produktionsschwankungen unterliegen. Die immer getrieben sind von der Erwartung, wann werde ich in einen festen Arbeitsplatz übernommen. Und selbstverständlich zu schlechteren Löhnen arbeiten als die Stammbelegschaften.

Da die maßgeblichen Delegierten aus dem ersten Bereich zu diesem Kongress reisen, diese in der Regel in der seit dem Bündnis für Arbeit vor 20 Jahren vertretenen Ideologie des Ko-Managements in ihrer täglichen Arbeit leben und handeln, liegt es auf der Hand, dass sie ebenfalls mit dem Kongress und den Erfolgen der IG Metall zufrieden sind.

Spannend wird es, wenn sich die wirtschaftliche Situation verschärft. Wie lange dann noch „große Harmonie“ auf dem Gewerkschaftskongress festzustellen, ist wird sich zeigen.

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"Gewerkschaftstag der IG Metall – Für wen?", UZ vom 6. November 2015



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