Bill Greenshields zur Wahl der Labour-Parteiführung

Kämpfen, nicht kuscheln

Eine der Illusionen, mit denen jede herrschende Klasse hausieren geht ist, dass es in der Politik nur um „starke Führer“ und „große Männer“ gehe. Ab und zu lassen sie widerwillig eine „große Frau“ zu. Aber die Kapitalistenklasse weiß, dass dies nur Schaufensterdekoration ist. Dort weiß man, dass Macht klassenbasiert ist. Und der Stand ihres Klassenbewusstseins ist hoch, sie beherrschen und kontrollieren ihre Tory-Partei.

Die politische Organisation in der gesamten Arbeiterklasse ist niedrig – in den Betrieben und Gewerkschaften, in den Kommunen und kulturell. Die Arbeiterklasse hat eindeutig keine Kon­trolle über die Labour-Partei und will sie anscheinend auch nicht kontrollieren – viele führende Parteifunktionäre arbeiten hart daran, dass dies so bleibt.

Identität und Stolz der Arbeiterklasse sind noch vorhanden, aber das politische Bewusstsein der Klasse ist im Allgemeinen niedrig. Dies ist jedoch kein „natürlicher“ Zustand für Arbeiter. Es ist das Ergebnis von Niederlagen, wie sie uns Thatcher in den 80er Jahren zufügte.

40 Jahre der Fragmentierung unserer Bewegung durch Deindustrialisierung, Privatisierung, gewerkschaftsfeindliche Gesetze verursachten den Rückzug der Gewerkschaften aus Tarifverhandlungen und die Umstellung vieler Kampforganisationen auf Dienstleister verursacht. Das Vertrauen, die Einheit, die Entschlossenheit und die Organisation der Arbeiterklasse sind absichtlich und systematisch untergraben worden – einschließlich des Klassenverrats von „New Labour“.

Viele derer, die sich Labour anschlossen, suchten eine Klasse zum Kuscheln, nicht zum Kämpfen. Sie setzten Corbyn als sozialistischen Führer einer weitgehend nicht wiederhergestellten und neoliberalen Partei eines Tony Blair ein und banden ihn dann an die kapitalistischen Institutionen der EU. Wenn Labour überhaupt „unwählbar“ ist, dann deswegen.

Es bedarf an dieser Stelle keiner klugen akademischen Abhandlung darüber, was wir tun sollten. Wir müssen in jedem Dorf, jeder Stadt und in jeder Gewerkschaft tiefe Wurzeln schlagen und Menschen geistig und körperlich für die Arbeiterbewegung rekrutieren. Es braucht verdammt harte Arbeit und Entschlossenheit und die Weigerung, uns von „großen Männern“, schwachen Nerven, Selbstsuchern und Klassenverrätern davon abbringen zu lassen.

Übersetzung und Bearbeitung: Lars Mörking

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"Kämpfen, nicht kuscheln", UZ vom 24. Januar 2020



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