Der UZ-Shop lädt am 15. Mai zum Büchermarkt nach Essen

Lesen, lesen, lesen!

Marxistische Klassiker, seltene Schätze: Das Online-Antiquariat des UZ-Shops ist eine Fundgrube für lesende Arbeiterinnen und Arbeiter. Anlässlich des ­Büchermarktes am 15. Mai sprach UZ mit Tobias Neumann, Mitarbeiter des UZ-Shops mit dem Schwerpunkt Antiquariat.

UZ: Am 15. Mai veranstaltet ihr einen Büchermarkt im Hof der Essener Hoffnungstraße. Was erwartet die Gäste?

Tobias Neumann: Bücher aus den Kämpfen der Klassen. Berichte und Dokumentationen von Autorinnen und Autoren, die ihre Erlebnisse aufgeschrieben haben. Texte von Begleitern der Oktoberrevolution. Von Arbeiterinnen und Arbeitern, die in der Novemberrevolution mit dem Sturz des deutschen Feudalismus Geschichte geschrieben haben oder sich in vielfältigen Formen im Widerstand gegen den Faschismus organisierten. Du merkst, wir haben viele Romane, die heute in den Buchhandelsketten unter „Historische Romane“ zwischen Geschenkartikeln liegen würden. Unsere Bücher sind anders, unsere Autorinnen und Autoren waren dabei.

Der Anteil an wissenschaftlichen Arbeiten bekannter Persönlichkeiten wie auch von Kollektiven ist ausgeprägt. Philosophie, politische Ökonomie, historischer Materialismus sind Kernbereiche. Wir haben aber auch Literatur, Poesie und Kunst im Angebot.

Dazu gibt es natürlich Getränke und Essen und viele Möglichkeiten, sich gut zu unterhalten. Unser erster Büchermarkt im letzten August war gut besucht und kam gut an. Viele Genossinnen und Genossen und Sympathisanten sind lange geblieben und schwer bepackt nach Hause gefahren.

UZ: Wie hat sich das Antiquariat des UZ-Shops in den letzten Jahren entwickelt?

1815 Buechermarkt 02 - Lesen, lesen, lesen! - Literatur, Marxismus - Aktion

Tobias Neumann: Die Genossen haben in den letzten Jahren harte Arbeit geleistet, deshalb treten wir jetzt strukturierter auf. Unter antiquariat.unsere-zeit.de stellen wir die Bücher kategorisiert bereit, so dass man innerhalb der Themenfelder zielgerichtet suchen kann. Das wird gut angenommen. Immer mehr Interessenten fragen bei uns Bücher an, suchen und bestellen.

Mich freut besonders, dass wieder mehr jüngere Menschen nach Erkenntnissen suchen. Und dann natürlich Leseratten, Bücherwürmer und Genossinnen und Genossen, die sich freuen, verschollene oder unbekannte Autorenausgaben zu lesen oder zu verschenken. Wir haben auch Kunden aus dem wissenschaftlichen Bereich, die Grundlagenforschung oder spezifische Arbeiten, vor allem aus den exzellenten akademischen Strukturen der DDR, suchen und bei uns finden.

UZ: Was reizt dich an der Arbeit mit Büchern?

Tobias Neumann: Mir macht es Spaß, die richtigen Bücher zur Verfügung zu stellen. Die Gesellschaft, wie sie heute ist, verfügt über gigantische Möglichkeiten, ihre Abläufe, Interessen, Strukturen und Akteure unkenntlich zu machen. Das UZ-Antiquariat hat Bücher, die der Aufklärung über die Klassenverhältnisse, deren Ausprägungen in der ökonomischen Basis und ihrem politischen Widerhall im gesellschaftlichen Überbau dienen. Mich persönlich reizt es, die Welt zu erkennen und Gleichgesinnten passende Bücher zu empfehlen.

UZ: Welche Rolle spielen Bücher in der politischen Bildungsarbeit?

Tobias Neumann: Sie sind ein Werkzeug. Wir bemühen uns, dieses Werkzeug zur Verfügung zu stellen. Kinder aus DKP-Familien oder mit Eltern, die in SED, SEW oder K-Gruppen aktiv waren, mögen ja zuhause Marx und Lenin im Regal gehabt und politische Geschichten beim Essen gehört haben. Das gilt aber nur für wenige. Viele mehr suchen nach Antworten. Wir können und müssen daran arbeiten, politische Bildung leichter zugänglich zu machen. Übrigens können wir auch für Seminare Literatur zur Verfügung stellen.

UZ: Woher bezieht ihr eure Bücher?

Tobias Neumann: Meistens von Genossinnen und Genossen, die ihre Bücher der Partei zur Verfügung stellen möchten.

Vor Kurzen haben sich Nachkommen gemeldet, um uns die Lenin-Bücher ihres Vaters zukommen zu lassen. Unentgeltlich. Sie haben uns die Bücher sogar persönlich vorbeigebracht. Ihr Vater war aber nicht in der DKP, sondern ein SPD-Politiker, der mit Genossen aus KPD und DKP zusammengearbeitet hatte. Das wussten seine Nachkommen. Sie stehen der DKP skeptisch gegenüber, fanden es aber sinnvoll, Lenins Werke in Hände zu geben, die auf sie aufpassen und sie nicht wegwerfen.

Gebt uns die Bücher, bei denen ihr davon ausgeht, dass sie wichtig sind, um im Klassenkampf wachsen zu können.

UZ: Was ist dein aktueller Lesetipp?

Tobias Neumann: Im UZ-Shop haben wir „Der Aufmarsch“ von Jörg Kronauer. Angesichts der massiven NATO-Expansion und der Offensive der „westlichen Wertegemeinschaft“ empfehle ich die Lektüre. Und für den Kopf Domenico Losurdo: „Der westliche Marxismus“.

Die Genossen vom UZ-Shop haben mir Harry Thürk ans Herz gelegt. Von ihm habe ich „Dien Bien Phu: Die Schlacht, die einen Kolonialkrieg beendete“ gelesen. Ein spannender historischer Roman, der die Vorgehensweise der Viet Minh bei ihrem Sieg über den französischen Kolonialismus beschreibt. Vielleicht haben wir bald wieder eine Fassung im Antiquariat. Es lohnt sich, regelmäßig auf unserer Website vorbeizuschauen.


Büchermarkt
15. Mai, 12 bis 18 Uhr
Hoffnungstraße 18, Essen
antiquariat.unsere-zeit.de


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Über die Autorin

Wera Richter, geboren 1969, ist stellvertretende Parteivorsitzende der DKP und Chefredakteurin der UZ. Die journalistische Laufbahn begann in jungen Jahren mit einem Praktikum bei der UZ mit Rolf Priemer als Chefredakteur. Damals wurde die UZ wieder Wochenzeitung. Später arbeitete die gelernte Gärtnerin im Ressort Innenpolitik der Tageszeitung junge Welt. Auf dem 20. Parteitag der DKP 2013 wurde Wera Richter zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt und übernahm die Verantwortung für die Organisationspolitik. Ein Job, den sie in der SDAJ kennen und lieben gelernt hatte. 2020 löste sie Lars Mörking als UZ-Chefredakteur ab.

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"Lesen, lesen, lesen!", UZ vom 6. Mai 2022



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