Auch bei Volkswagen sind Ausgliederungen, Werkverträge und Lohndumping gängige Praxis

Mittendrin und nicht dabei

Aus „Roter Käfer“ – Betriebszeitung der DKP für VW Osnabrück

Die „metallzeitung“ berichtete in ihrer Maiausgabe über den Missbrauch von Werkverträgen – nicht in Schlachthöfen im Oldenburger Münsterland, sondern in „Musterfabriken“ der deutschen Industrie, auch der großen Autokonzerne. Der Blick hinter die Werkstore zeigt: auch Volkswagen betreibt Lohndumping durch Werkverträge.

Ein Beispiel in der Reportage der „metallzeitung“: die „Entscheidung des Automobilherstellers BMW, einen Teil der Logistik auszugliedern und an eine Werkvertragsfirma… zu vergeben. Der Auftrag: Autoteile für den internationalen Versand in die Montagewerke im Ausland zu verpacken. Das hatten vorher überwiegend BMW-Beschäftigte zu IG Metall-Tarifen gemacht. Dann verpackten die Beschäftigten der BLG Wackersdorf für einen Bruchteil des Entgelts…“

Und wie sieht es bei VW aus?

Hansmann: Logistik zum Hungerlohn

Die eine Kollegin arbeitet bei Volkswagen Osnabrück am Montageband. Sie musste jahrelang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie 5 Prozent ihres Monatslohns verzichten – als „Arbeitnehmerbeitrag“ zum Aufbau des Standortes. Doch seit 1. Januar bekommt sie wieder den vollen Metalltarif Osnabrück-Emsland. Damit bringt sie in der Entgeltgruppe 4 H mit 20 Prozent Akkordzuschlag im Monat 3 427,20 Euro brutto nach Hause– wenig genug im Verhältnis zu den Dividenden der Großaktionäre. Bei einer 35-Stundenwoche ist das ein Stundenlohn von ca. 22,50 Euro.

Der Kollege, der ihr die Teile ans Band liefert, arbeitet auch bei Volkswagen – aber in seinem Vertrag und auf seiner Jacke steht „Hansmann“. Dieser kleine Unterschied kommt ihn teuer zu stehen: er bekommt pro Stunde 9,80 Euro, also weniger als die Hälfte der Volkswagen-Kollegin. Das reicht auch bei 40 Stunden in der Woche nicht für seine Familie – also muss er sein Einkommen mit „Hartz IV“ aufstocken, um über die Runden zu kommen.

Sein anderer „Hansmann“-Kollege wiederum bekommt etwa das Gleiche, ist aber als Leiharbeiter bei der Firma „Altevogt“. Er hat also keinen festen Vertrag und könnte jederzeit „abgemeldet“ werden…

Missbrauch stoppen!

„Missbrauch“ von Werkverträgen beginnt laut IG Metall „dann, wenn Unternehmen Arbeit an Dienstleister vergeben, um auf dem Rücken der Beschäftigten Geld zu sparen…“ (metallzeitung 5/2015). Dies ist bei „Hansmann“ eindeutig der Fall, ebenso bei Voith und anderen Firmen, welche Volkswagen als „industrienahe Dienstleister“ nutzt.

Dabei zahlt „Hansmann“ sogar nach Tarif. Allerdings ist der angewandte Tarifvertrag für das Verkehrsgewerbe nicht Ausdruck der Stärke, sondern der Schwäche einer Gewerkschaft in einer schlecht organisierten Branche. Es handelt sich dabei um den Tarifvertrag, gegen dessen Anwendung die Beschäftigten in den Paketzentren von Amazon seit vielen Monaten mit ihrer Gewerkschaft ver.di streiken.

Der Vergleich mit Amazon zeigt auch den einzigen Weg, die Verhältnisse bei „Hansmann“ und anderen „industrienahen Dienstleistern“ für die Arbeitenden zu verbessern. Ohne die Betroffenen kann weder der Betriebsrat von Volkswagen noch die IG Metall etwas verändern. Wenn diese Beschäftigten sich aber zusammentun und sich in der IG Metall organisieren, dann bilden sie eine Kraft und können auf Dauer ihre Lage verändern.

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"Mittendrin und nicht dabei", UZ vom 26. Juni 2015



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