Mieter wehren sich gegen den Immobilienriesen Vonovia

Modernisierungsprofiteur

Von Andrea Müller

Die jährliche Hauptversammlung des seit 2013 an der Börse notierten Immobilienriesen Vonovia fand am 9. Mai statt. Anlass genug für Mietervertreter und kritische Aktionär, die Geschäftspolitik des Wohnungskonzerns öffentlich zu kritisieren.

Ging es in der Vergangenheit darum, dass die Gewinne durch das Unterlassen der Instandhaltung von Wohnungen und Gebäudengezogen wurde, bis hin diese verfallen zu lassen, ist es heute das Gegenteil, aus dem die hohen Profite geschöpft werden: Modernisierungen. Vonovia ist ständig auf Einkaufstour, zuletzt in Österreich und in Schweden. Das brachte den Shareholdern eine gute Dividende pro Aktie ein.

Immer mehr Mieter werden verdrängt, weil sie die Mieten, die nach einer Modernisierung massiv steigen, nicht bezahlen können. Mietervertreter aus Initiativen und Mietervereinen haben sich Aktien gekauft, um Rederecht auf der Hauptversammlung zu bekommen. Drei Stunden mussten die Damen und Herren von Vonovia dranhängen, um die Fragen der Mietervertreter zu beantworten.

Auf der Hauptversammlung wurde einmal mehr deutlich, dass Modernisierungen äußerst lukrativ für Vonovia sind. Über 7 Prozent betrug die Rendite, die modernisierte Wohnungen abwerfen. Spätestens nach zehn Jahren sind die Investitionskosten eingespielt, aber die Mieten bleiben hoch. Konkret bedeutet das zum Beispiel in Essen-Katernberg, einem vom Bergbau geprägten Arbeiterstadtteil, dass Vonovia mittlerweile das dritte Modernisierungsprojekt innerhalb von fünf Jahren angesetzt hat. Mit jeder modernisierten Siedlung werden die Mieten noch höher, Vonovia testet gezielt aus, wie weit sie gehen können.

Zwischen 120 Euro und 200 Euro werden die Mieterhöhungen betragen, für knapp über 60 Qudratmeter. Insbesondere für Alleinstehende, meist ältere Menschen bedeuten die neuen Mieten, dass sie über 50 Prozent ihres Nettoeinkommens allein für die Miete aufbringen müssten. Ganz zu schweigen von jenen Haushalten, die auf Transferleistungen angewiesen sind. Sie müssen sich eine neue, bezahlbare Wohnung suchen, auch wenn es solche immer weniger gibt. Die Kosten der Unterkunft hinken der Mietpreisentwicklung weit hinterher, der Konzern greift damit auch in die Staatskasse. Kommunen wie Essen schließen Sonderkonditionen mit Vonovia ab für Mieter im ALG-II-Bezug, deren Wohnungen modernisiert werden.

An der gesamten Entwicklung ständig steigender Mieten ändert das wenig, auch weil Vonovia nicht der einzige Wohnungskonzern mit dieser Geschäftsstrategie ist. Deutsche Wohnen oder die LEG, nur zwei weitere Beispiele der Fondsgesellschaften auf dem Wohnungsmarkt, haben ebenso die Rendite im Auge. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe mittlerer und kleinerer Kapitalgesellschaften, deren einziger Zweck die Erwirtschaftung möglichst hoher Profite ist, Insolvenzen einkalkuliert. Wer in ihren Wohnungen wohnt, spielt keine Rolle, Hauptsache die Mieten werden gezahlt. Deutlich wird daher, dass das Wohnen nicht dem Markt überlassen werden darf, es gehört zum Gemeinwohl und daher in öffentliche Hand, um dem Profitstreben der Konzerne ein Ende setzen zu können. Immer mehr Mieter sehen das auch so, sie organisieren sich in Initiativen. Einige von ihnen haben die Frage der Enteignung auf die Tagesordnung gesetzt.

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"Modernisierungsprofiteur", UZ vom 18. Mai 2018



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