Norwegen: Bundeswehrsoldaten trainieren in extremer Kälte

NATO übt Winterkrieg

Von www.german-foreign-policy.com

Das Ziel der NATO ist, die „nukleare Abschreckung“ gegenüber Russland zu verstärken. Das sagte der Oberbefehlshaber des Strategischen Bomberkommandos der US-Armee, Admiral Cecil D. Haney. Diesem Zweck dient das NATO-Manöver „Cold Response“, das bis zum 22. März mit Beteiligung von Eliteeinheiten der Bundeswehr in Norwegen stattfindet.

Die Übung simuliert den Einsatz von Atombomben zur Verteidigung gegen eine vermeintliche russische Aggression. Geübt wird unter anderem mit drei B 52-Bombern, die auf den Abwurf von Atombomben spezialisiert sind. Haney erklärte die Bedeutung der Flugzeuge: Sie seien unabdingbar für die „globale Machtprojektion“ der NATO. Die norwegischen Streitkräfte ergänzten, sie hätten im Afghanistankrieg „gute Erfahrungen“ mit der Feuerunterstützung durch B 52-Bomber gemacht.

An „Cold Response“ beteiligen sich auch Einheiten der US-Marineinfanterie, die für Landungsoperationen in fremdem Hoheitsgebiet ausgebildet werden. Ein Sprecher der US-Streitkräfte schätzte ein, dass sich diese Elitetruppe mit den Kampfbedingungen in der Wüste inzwischen gut auskennt. Nun gehe es darum, sie auf den Krieg in „extremer Kälte“ vorzubereiten.

Ähnlich äußert sich die Bundeswehr. Gemeinsam mit 14 000 Soldaten aus anderen NATO-Staaten und aus Schweden und Finnland sollten in Norwegen die „Fähigkeiten im Winterkampf“ geschult werden. Die deutschen Streitkräfte wollen trainieren, unter widrigen klimatischen Bedingungen „die Voraussetzungen für eine große amphibische Landung zu schaffen“.

Außerdem solle bei „Cold Response“ das „Zusammenwirken“ von konventionellen Einheiten und Eliteeinheiten geübt werden, die für verdeckte Kommandooperationen hinter den feindlichen Linien vorgesehen sind. An der Übung ist das deutsche „Kommando Spezialkräfte“ beteiligt, das in Afghanistan in illegale Tötungen involviert war.

Solche gezielten Tötungen hinter den feindlichen Linien vorzubereiten wurde offenbar bereits 2014 bei „Cold Response“ trainiert. In diesem Jahr waren sogenannte Fernspäher der Bundeswehr an der Übung beteiligt. Diese Einheit soll auf fremden Boden vordringen, um aufzuklären – anscheinend auch, um tagelang einzelne Angehörige der feindlichen Streitkräfte auszuspähen, um eine Tötung vorzubereiten. Die Bundeswehr schrieb über die Übung der Fernspäher: „Wichtig ist es, auch am fünften Tag noch hellwach zu sein, um beispielsweise die wichtige Person nicht zu verpassen, die gerade über eine Brücke fährt.“

Parallel zum diesjährigen „Cold Response“-Manöver hat die US-Marine unter der Bezeichnung „Ice Exercise“ eine Übung mit Atom-U-Booten im Polarmeer gestartet. Trainiert werde das „Aufspüren“ feindlicher Unterwasserfahrzeuge, um eine Russland zugeschriebene „Militarisierung der Arktis“ zu kontern, erklären führende Vertreter der US-Armee. Laut der offiziösen US-amerikanischen Militärzeitung „Stars and Stripes“ besteht zwischen „Cold Response“ und „Ice Exercise“ eine direkte Verbindung: „Zusammengenommen unterstreichen die beiden Manöver, dass es sich bei der Arktis um eine Interessensphäre handelt, deren Zukunft – bedingt durch das Abschmelzen der Polkappen – von der Konkurrenz um lebenswichtige unterseeische Ressourcen geprägt sein dürfte. Das Gebiet könnte zum Zankapfel zwischen den USA und Russland werden.“

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"NATO übt Winterkrieg", UZ vom 18. März 2016



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