Bauernkriegsmuseum in Böblingen bedroht

Neoliberale Kulturpolitik

Von Adele Sperandio

Es passt in die Reihe von Museums-Umgestaltungen: Entkernung ihres revolutionären Inhalts, Anpassung an den Zeitgeist. Dabei sind es doch die Museen, die ungeachtet der aktuellen Stimmung zum Bewahren verpflichtet sind. Dazu gehört auf jeden Fall das Böblinger Bauernkriegsmuseum zur größten regionalen Massenbewegung in der deutschen Geschichte: „Die Schlacht bei Böblingen“. Von 15000 Aufständischen, also Freiheitskämpfern, Bauern und Leibeigenen, wurden etwa 3 000 hingemetzelt – die Obrigkeit hatte gesiegt.

Das Böblinger Bauernkriegsmuseum wurde 1988 gegründet und leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung in der Region. Das passt interessierten Kreisen nicht. Der Kulturwissenschaftler Thomas Knubben und der Architekt Korkut Demirag haben in einer von ihnen verfassten Museumskonzeption vorgeschlagen, das Bauernkriegsmuseum zu schließen und den Platz einer Galerie moderner Kunst zu überlassen. Auch meinen sie, die seit 30 Jahren nicht überarbeitete Schau über den Bauernkrieg sei nicht erhaltenswert. Die Versäumnisse der Stadtverwaltung sollen jetzt dafür herhalten, diesen Kahlschlag zu begründen. Dieses Konzept, in der Stadtverwaltung positiv gesehen, hat in der Böblinger Bevölkerung manche auf die Barrikaden gebracht.In einem Leserbrief im „Böblinger Boten“ heißt es, „das Museum hat ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist eines der wenigen Museen über den Bauernkrieg, das die Schlacht von 1525 in der Region thematisiert. Der Bauernkrieg war die erste bedeutende Revolution in Deutschland“. Der Leser greift die Formulierung von Friedrich Engels auf, der die Bauernkriege „den großartigsten Revolutionsversuch des deutschen Volkes“ nannte. Anscheinend steckt hinter dem Gutachten der Gedanke, dass Revolutionen keine Lokomotiven der Geschichte sind und der Gedanke, wir brauchen eine neue gesellschaftliche anti-kapitalistische Weltordnung, ausgerottet werden soll. Das Museum stellt im Gegensatz zu der herrschenden Meinung die Lebensumstände der unterdrückten Klassen und ihren Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung dar. Die junge Erfindung des Buchdrucks wird zu einem wichtigen Element der politischen und sozialen Auseinandersetzung in damaliger Zeit. Die bewusstseinsbildenden Faktoren gegen Adel und Kirche werden herausgearbeitet. Schulklassen und andere Besucher finden im Museum stets interessante Sonderausstellungen mit Führungen oder Vorträge zu anderen Ereignissen der Freiheitsgeschichte.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Neoliberale Kulturpolitik", UZ vom 2. August 2019



Bitte beweisen Sie, dass Sie ein Mensch sind und wählen Sie das Herz aus.

Vorherige

DKP zur Kündigung des INF-Vertrages

Neun Forderungen der DKP für Brandenburg

Nächste

Das könnte sie auch interessieren