Barcelona, 1936. Die deutschen Fotografen Hans Namuth und Georg Reisner sollen für die französische Zeitschrift „Vu“ die Volksolympiade festhalten. „Die proletarischen, pazifistischen und antifaschistischen Spiele sind ein Protest gegen die Olympischen Spiele in Berlin“, fasst es die Graphic Novel „Kriegsfotografen“ von Raynal Pellicer und Titwane zusammen. Wie der Titel verrät, sollte es anders kommen.
Schon bei der Ankunft von Namuth und Reisner ist die Stimmung in der Stadt angespannt – in Marokko hat sich die spanische Armee gegen die Republik gewandt, die Sorge ist groß. In der Nacht vor der Eröffnung der Volksolympiade fallen dann die ersten Schüsse in Barcelona. Der Putsch hat begonnen.
In eindrücklichen Bildern und Texten, die teils dem Tagebuch von Hans Namuth entnommen sind, schildern die Autoren Raynal Pellicer und Titwane in „Kriegsfotografen“ die ersten Tage des Spanischen Kriegs in Barcelona.
Denn Namuth und Reisner bleiben vor Ort, igeln sich nicht im Hotel ein, sondern sind auf den Straßen, halten Kugelhagel und Barrikadenbau fest. So erlebt man im ersten Teil der Graphic Novel nicht nur Blutvergießen, sondern die Bevölkerung Barcelonas, die sich ihre Republik von den Faschisten nicht nehmen lassen will, unzureichend bewaffnete Männer und Frauen, die ihre Stadt verteidigen – und den ersten großen Sieg der Republikaner im Spanischen Krieg. Nach 48 Stunden sind 450 Menschen tot. Doch der Putschistengeneral Manuel Goded, der Barcelona dem Erdboden gleichmachen wollte, ist nicht durchgekommen, die Guardia Civil ist der Republik treu geblieben. Die Putschisten werden hingerichtet.
Pellicer und Titwane beginnen ihre Graphic Novel mit einem Rückblick. Hans Namuth befindet sich auf der Überfahrt ins Exil in den USA. Verbittert, geschlagen und mit der Schuld des Überlebenden belastet. Es ist, wie die erste Schlacht um Barcelona, eine eindrückliche Schilderung eines Mannes, der in den USA noch eine große Karriere als Fotograf erleben sollte. Doch in den Szenen aus Barcelona zeigt sich schon zaghaft die Haltung zum Spanischen Krieg, die „Kriegsfotografen“ zu einer schwierigen Lektüre macht.
Obwohl mit Hans Namuth und Georg Reisner die Protagonisten der Graphic Novel aus Deutschland kommen, schon 1936 wegen des deutschen Faschismus im Exil in Frankreich und auf Mallorca leben, bleibt der Krieg für Pellicer und Titwane ein „Bürgerkrieg“. Da wird Barcelona „zu einem riesigen Schauplatz eines Geschwistermords“, später, als die Anarchisten sich gegen die Republik stellen, nennen sie es einen „Bruderkrieg“. Auch aufgrund der politischen Haltung der beiden Protagonisten nimmt die Graphic Novel scheinbar keine Haltung zu den Richtungskämpfen bei den Verteidigern der Republik ein. Mal sind es die Anarchisten, die, voller Wut und Trauer über die eigenen Verluste, Massaker begehen, mal sind die Kommunisten irgendwie schlechte Menschen (ohne Massaker). Auch die Ziele der Spanischen Republik scheinen den beiden Autoren suspekt zu bleiben. Und während die fehlende sprachliche Einordnung des Spanischen Kriegs in einen Gesamtzusammenhang des Klassenkampfes beim Lesen nur ein bisschen stört, ist diese Haltung zur Spanischen Republik unangenehm.
Als Namuth und Reisner feststellen, dass mit der Schlacht um Barcelona der faschistische Aufstand gegen die Spanische Republik keinesfalls zu Ende ist, treten sie in die Reihen der Republikaner ein und überzeugen ihren Chefredakteur, sie als Kriegskorrespondenten in Spanien arbeiten zu lassen. „Wir müssen bleiben, weil Franco der Feind ist. Weil das hier auch unser Krieg ist. Franco und seine Bande von Generälen dürfen in Spanien kein faschistisches Regime errichten.“ Sie bekommen von der Republik einen Fahrer zugeteilt und folgen den Kämpfen durchs Land. Dabei begegnen sie allen Arten von Verteidigern der Republik. Und hier kommt ihre Haltung zum Ausdruck. Bauern werden als „naiv“ bezeichnet. Dass der Boden denen gehören soll, die ihn bestellen, scheint keine Idee zu sein, die den Autoren besonders zusagt: „Landwirte, Schäfer, Krieger. Alle heben die Faust als Zeichen ihrer Bereitschaft. Jeder ist willens, ‚seinen Boden‘ zu verteidigen. Boden, der ihnen gerade erst zugeteilt wurde.“ Warum die Bauern freiwillig ins Joch der Ausbeutung zurückgehen sollten, erklären die Autoren nicht. Nur lassen sie ihren Protagonisten Reisner befinden: „Mir scheint, sie haben viele der Eigentümer zu Faschisten ernannt. Das war bestimmt nur ein Vorwand, um sich ihrer zu entledigen.“ Wie gesagt, unangenehm.
Ansonsten wartet „Kriegsfotografen“ noch mit bösen Stalinisten und russischen Panzern auf, während der faschistische Luftangriff auf Guernica keine Rolle spielt. Und offenbart mit seiner Erzählung über den Spanischen Krieg das Dilemma der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Der Zusammenhang darf nicht benannt werden, auch wenn er unübersehbar ist. Und die Guten dürfen nicht gut sein, wenn sie an den Eigentumsverhältnissen kratzen.
Raynal Pellicer, Titwane
Kriegsfotografen. Hans Namuth und Georg Reisner 1936 bis 1940
Splitter Verlag, 143 Seiten, 29 Euro









