Podcast-Lästereien über die SDAJ

Ole hat Liebesentzug

„Wir müssen jetzt reden, Simon, über die SDAJ und wie die so mit uns kommunizieren oder auch nicht kommunizieren“, verkündet Ole Nymoen mit getragener Stimme bei „HeissaPapaClips“. „Richtig“, stimmt sein Kompagnon Simon David Dressler zu. Na, dann kann es ja losgehen.

Um es kurz zusammenzufassen: Ole und Simon sind beleidigt. Schließlich haben sie von der SDAJ eine Forderungsdiskussion gefordert und sind dann einfach „komplett gehostet“ worden. Schon unverschämt von der SDAJ, dass sie nicht das freundschaftliche Gespräch sucht mit Leuten, die am Vorabend des Schulstreiks am 5. März in der „Berliner Zeitung“ versucht hatten, den Streik und seine Forderungen madig zu machen. Diese Schulstreiks finden die beiden nämlich (wie so schön in allen bürgerlichen Medien kolportiert) „komplett unterwandert“ – und zwar von der SDAJ. Und ausgerechnet diese SDAJ mit den Unterwanderstiefeln an den Füßen komme nun ständig bei Ole Nymoen an, wenn sie was wollen, wie den Kontakt zu bekannten Künstlern, aber wenn er mal reden will, dann reagieren sie einfach nicht. Das macht Nymoen echt betroffen, Kompagnon Dressler macht, als Kennzeichen der Coolness eine Sonnenbrille im Haar, das dazu passende Gesicht und nickt salbungsvoll.

Den Offenen Brief in der „Position“, dem Magazin der SDAJ, mit dem auf die Kritik von Nymoen und Dressler geantwortet wurde, finden die beiden „weitgehend dämlich“. Aber Moment. Seit wann schreibt man Briefe an die Leute, die man ghostet? Nymoen und Dressler scheinen ein seltsames Verständnis des Begriffs zu haben. Wer aber meint, sie würden dann jetzt wenigstens auf die Argumente im Brief eingehen, hat falsch gedacht. Keiner kenne die „Position“, monieren die beiden. Warum habe die SDAJ bloß in einer Zeitung geantwortet, die keiner lese, anstatt auf Social Media? Was soll man dazu sagen? Danke für die Werbung, die „Position“ gibt es im UZ-Shop oder bei der SDAJ-Gruppe eures Vertrauens.

Inhaltlich geht es um folgendes: Nymoen und Dressler sind der Meinung, man dürfe keine konkreten Forderungen an den Staat stellen. Damit mache man sich zu „Bittstellern“. Die SDAJ und die Schulstreikbewegung sehen das anders. Und so faseln Nymoen und Dressler dann allerlei semantischen Quatsch über den Charakter von Forderungen und kommen dann zu absurden Argumenten wie dem folgenden: Die SDAJ fordert ja bekanntlich mehr Geld für Bildung. Daraus machen die beiden: „Wollt ihr wirklich mehr Geld für diese Schulen?“ In Köln habe beispielsweise ein Schulleiter die Bühne gestürmt, um zu verhindern, dass Israel als faschistoid bezeichnet wird. „Das sind die Leute, die damit dann mehr Geld bekommen. Glückwunsch.“ Wenn mehr Geld für Bildung ausgegeben wird, bekommt also ein Israel-Fan, der in Köln als Schulleiter fungiert, mehr Geld. Persönlich? Als Budget für seine Schule? Um es für Israel-Propaganda auszugeben? Das bleibt offen. Für eine Kritik am Bildungssystem ist aber auch keine Zeit, muss man sich doch an der SDAJ abarbeiten.

Doch ein Schwenk ist erlaubt, denn der macht es leichter, die absurden Argumente anzubringen. Fleißig zitieren die beiden aus der Kleinstzeitung „Der Kommunist“ der lustigen Trotzkisten-Organisation „Revolutionäre Kommunistische Partei“ und verkaufen deren Argumentation als die der SDAJ. Der große Geheimplan ist es nämlich – Achtung! – die streikenden Schülerinnen und Schüler mit ihren Forderungen vor die Wand laufen zu lassen. Denn Bittsteller, für die Nymoen und Dressler ja Leute mit Forderungen halten, werden niemals etwas durchsetzen. Also echauffiert man sich und versucht die Tragweite des SDAJ-Fehlverhaltens aufzuzeigen: „Ihr lasst absichtlich erst mal Leute gegen die Wand laufen, obwohl in Europa 29 Landkrieg geführt wird.“

Aber nicht zu viel der Inhalte, schnell kommen Nymoen und Dressler wieder auf ihr Kernanliegen. „Lieber Till, lieber Kiel“, verdoppeln sie den Verfasser des Offenen Briefes, Till aus Kiel, zu zwei Personen, und betonen nochmal: „Ihr habt Gesprächsangebote bekommen und uns geghostet.“ Vielleicht hat Kiel ja das Angebot verbummelt.

Die SDAJ habe sich wohl gedacht, „die beiden Trottel Simon und Ole halten wir aus allem raus“. Aber Hoffnung ist in Sicht für Dressler und Nymoen, einige Ortsgruppen und Streikkomitees hätten „stabile Ansichten“. „Die laden UNS ein.“ Schön für euch, aber vielleicht packt ihr dann auch ein paar Argumente ein.

Bei „HeissaPapaClips“ geht es weiter darum, dass „in zwei Jahren zwei Personen Reichweite gemacht haben mit Antimilitarismus und Wehrpflicht“. Mit denen muss man also reden, ob sie der Bewegung schaden oder nicht. Die SDAJ setzt bei den Unverschämtheiten aber noch einen drauf: Sie folgen den beiden nicht auf Instagram. Schockschwerenot. Nicht, dass sie nicht auch noch das Wehrpflicht-Buch von ­Nymoen nicht gekauft haben. Schadet das doch den Verkaufszahlen. Aber ein Schelm, wer denkt, dass es bei der Kritik an der Schulstreikbewegung gegen Wehrpflicht um den schnöden Mammon geht. Die beiden wollen doch einfach nur gehört werden. Und ein bisschen lieb gehabt.

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"Ole hat Liebesentzug", UZ vom 29. Mai 2026



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