Mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA hält der Weltfußballverband FIFA auch die neokoloniale Weltordnung aufrecht. Verwehrte Visa und Einreisen für Funktionäre sowie stundenlange Verhöre, wie sie der irakische Stürmer Aymen Hussein am Flughafen Chicago O’Hare erlebt hat, waren ein Dauerthema unter den Nationalteams aus dem globalen Süden – vor allem für iranische Delegierte.
Doch die Posse der verwehrten Einreisen wurde nicht erst im Zuge der Weltmeisterschaft gespielt. Bereits beim 76. FIFA-Kongress in Vancouver am 30. April traf es den Präsidenten des Palästinensischen Fußballverbandes (PFA), Jibril Rajoub. Rajoub wurde zunächst kein Visum erteilt. Erst vier Tage vor Abreise erhielt Rajoub das kanadische Visum, wie der PFA gegenüber UZ erklärte. Auf dem Kongress selbst versuchte FIFA-Boss Gianni Infantino einen medienwirksamen Handschlag zwischen Rajoub und dem Vizepräsidenten des israelischen Verbandes, Bassem Suleiman, zu inszenieren, um dem Fußball einmal mehr einen apolitischen Anstrich zu verleihen, in dem Kriege nicht fortbestehen. Rajoub lehnte dies entschieden ab. In seiner fünfzehnminütigen Rede hatte Rajoub zuvor deutlich gemacht, wie der palästinensische Fußball unter Krieg, Besatzung, Siedlerkolonialismus und Apartheid leidet und forderte die FIFA auf, ihre eigenen Regeln zu befolgen und den israelischen Verband zu sanktionieren. Denn immer wenn die FIFA Universalität – insbesondere mit Blick auf ihre Statuten – predigt, sind Doppelstandards und reale Weltmachtpolitik nicht weit.
Der PFA bemängelt dies seit Langem. Insbesondere in Palästina sind das Schweigen und die Tatenlosigkeit der FIFA zu einer perversen Routine geworden. Auf dem 74. FIFA-Kongress im Mai 2024 hatte der palästinensische Verband die FIFA aufgefordert, Vereine aus israelischen Siedlungen im Westjordanland, die am israelischen Liga-Betrieb teilnehmen, als Verstoß gegen die Statuten zu werten, denn FIFA-Mitglieder dürfen ohne vorherige Erlaubnis keine Spiele oder Ligen auf dem Territorium eines anderen FIFA-Mitglieds organisieren (Artikel 72, Absatz 2). Im März konstatierte die FIFA, dass keine Maßnahmen ergriffen werden sollen, da der „endgültige rechtliche Status des Westjordanlands nach dem Völkerrecht nach wie vor eine ungelöste und äußerst komplexe Frage darstellt“.
Auch als die beiden Fußballnationalspielerinnen Rand Halawani (20 Jahre) und Natalie Abu Diya (21 Jahre) am 2. Juni von der Besatzungsmacht verhaftet wurden, hat die FIFA geschwiegen. Abu Diya, ehemalige Nationalspielerin, wurde in einem Studentenwohnheim unweit der renommierten Universität Birzeit von der Besatzungsarmee festgenommen. Halawani wurde in Jerusalem festgenommen, nachdem sie zu einem sogenannten „Investigation Center“ gerufen worden war. Am Sonntagabend kam sie frei und wurde für fünf Tage unter Hausarrest gestellt, wie „The New Arab“ berichtete. Der PFA feierte dies in einem Social-Media-Post: „Rand Halwani atmet endlich Freiheit“. Abu Diya hingegen sitzt noch immer, vermutlich in Administrativhaft und sehr wahrscheinlich im Folterknast Ofer unweit von Ramallah.
In einer Stellungnahme schrieb der PFA, dass die Festnahmen keine Einzelfälle sind, sondern „Teil eines gut dokumentierten Musters systematischer Verfolgung palästinensischer Sportler, das ohne Konsequenzen weitergeht“. Es handele sich um „Verstöße gegen das Völkerrecht, die FIFA-Statuten und die grundlegenden Prinzipien der Olympischen Charta. Palästinensischen Athletinnen und Athleten werden regelmäßig die Bewegungsfreiheit, die Sicherheit sowie das grundlegende Recht verweigert, unter gleichen Bedingungen Sport auszuüben – Rechte, die die FIFA ausdrücklich allen Spielerinnen und Spielern weltweit ohne Diskriminierung garantiert.“ Doch genau dies sind die konkreten materiellen Bedingungen für palästinensische Sportlerinnen und Sportler. Bedingungen, die die FIFA billigt, während die Weltmeisterschaft in drei Staaten ausgetragen wird, die sich unter dem Motto „United, As One“ („Gemeinsam, als Einheit“) beworben hatten.
Vergangenen Freitag berichtete die Nachrichtenagentur AP zudem über einen weiteren Fall von Einreisebeschränkungen: Erneut traf es Jibril Rajoub, der trotz FIFA-Akkreditierung kein US-Visum erhielt. Noch am Tag zuvor hatte er das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika in Mexiko-Stadt verfolgen können.
Unser Autor hat während des FIFA-Kongresses mit dem Palästinensischen Fußballverband in Al-Ram (Palästina) zusammengearbeitet.









