Die Internationalen Brigaden im Spanischen Krieg

Soldaten ohne Beispiel

Ein exaktes Gründungsdatum der Internationalen Brigaden zu benennen ist schwierig. Im September 1936 veröffentlichte das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale einen Aufruf zur Entsendung von Freiwilligen zur Verteidigung der Spanischen Republik. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die ersten internationalen Kämpfer bereits vor Ort. Sie wollten an der Volksolympiade 1936 in Barcelona teilnehmen, die am 19. Juli 1936 eröffnet werden sollte. Sie war geplant als Gegenveranstaltung zu den offiziellen Olympischen Spielen in Berlin, die sich zum vorhersehbaren faschistischen Propagandaspektakel entwickelten. Die internationale Arbeitersportbewegung wollte in Barcelona dazu eine Alternative anbieten. Überrascht durch den Putsch der republikfeindlichen Generäle, sagte man die Volksolympiade an ihrem Eröffnungstag ab. Viele der angereisten Sportler schlossen sich spontan den gerade entstehenden Milizen der republiktreuen Parteien und Gewerkschaften an und griffen zu den Waffen.

Im Herbst wurden die Internationalen Brigaden (kurz Interbrigaden) aufgestellt. Sie waren militärische Verbände, die im nationalrevolutionären Befreiungskrieg des spanischen Volkes 1936 bis 1938 an der Seite der regulären republikanischen Volksarmee gegen die faschistischen Putschisten unter General Francisco Franco kämpften, welche ihrerseits durch Truppen aus Deutschland, Italien und Portugal unterstützt wurden.

Entstehung

Mit der Bildung der Interbrigaden verstärkte sich der Zustrom an Freiwilligen beträchtlich. Die Angaben zu ihrer zahlenmäßigen Stärke schwanken. Als wahrscheinlich anzunehmen ist eine Gesamtzahl von etwa 52.000 Personen. Allerdings dienten in den Interbrigaden nicht nur ausländische Kämpfer, da im Verlauf der Kämpfe entstandene Verluste durch die Aufnahme spanischer Soldaten ausgeglichen wurden. In politisch-ideologischer Hinsicht gab es eine Vielfalt von kommunistischen, sozialdemokratischen, bürgerlich-liberalen, anarchistischen und christlichen Überzeugungen. Die sozialdemokratischen Freiwilligen handelten allerdings vor allem aus persönlichem Entschluss heraus, da ihr Weltverband, die Sozialistische Arbeiterinternationale, es abgelehnt hatte, bei der Aufstellung der von ihr als „­Komintern-Armee“ misstrauisch beäugten Interbrigaden mitzuwirken.

4510 Tab1 - Soldaten ohne Beispiel - - Theorie & Geschichte

Die Frauen in ihren Reihen waren oft dem Sanitätsdienst zugeteilt, aber in wenigen Fällen auch der kämpfenden Truppe. Des Weiteren arbeiteten sie in den Bereichen Verwaltung, Logistik, humanitäre Hilfe sowie Agitation und Propaganda.
Struktur

Im 250 Kilometer südöstlich von Madrid gelegenen Albacete befanden sich das Hauptquartier und das zentrale Ausbildungslager. Die organisatorische Struktur der Einheiten wurde im Laufe des Krieges immer wieder angepasst. Eine Brigade bestand in der Regel aus drei bis fünf Infanteriebataillonen, einer Feldartillerie- und einer Panzerabwehrbatterie sowie aus je einer Pionier-, Nachrichten-, Transport- und Sanitätskompanie. Hinzu kamen noch ein Kavalleriezug und Flak-Geschütze. Eigene größere Panzerverbände gab es keine, ebenso keine Luftwaffe. Von der Roten Armee der So­wjet­union hatte man das Modell übernommen, den einzelnen Einheiten Politische Kommissare zuzuweisen, da man keine apolitische „Landsknechtstruppe“ wollte, sondern Verbände, deren Soldaten über ein klares Bewusstsein über den Sinn ihres Kampfes verfügten. Dem diente ebenso die Bildungsarbeit, zu der auch Alphabetisierungskampagnen gehörten.

Die Brigaden und Bataillone trugen die Namen von Persönlichkeiten der internationalen revolutionären Bewegung oder verwiesen auf entsprechende historische Ereignisse. 1937 bestanden fünf Brigaden, welche die Nummern XI bis XV trugen, da die vorangehenden Zahlenbezeichnungen an Einheiten der regulären Armee vergeben waren, der die Interbrigaden als Teilstreitkraft angehörten. Bei der Namensgebung der einzelnen Einheiten fällt auf, dass es durchaus auch Bezugnahmen auf bürgerliche Revolutionäre gab, was dem ansonsten bis heute bestehenden Bild der „Komintern-Armee“ widerspricht.

Kulturschaffende

Der proletarische Schauspieler und Sänger Ernst Busch hat in Spanien vor Ort die umfangreiche Kulturarbeit der Interbrigaden unterstützt. In seinen bis heute unvergessenen Liedern zum nationalrevolutionären Befreiungskrieg hat er vor allem das Ernst-Thälmann-Bataillon bekannt gemacht. Mit „Spaniens Himmel“ hat Busch den Soldaten dieses Verbandes ein Denkmal geschaffen. Im Text des Liedes „Vor Madrid auf Barrikaden“ schilderte er das Schicksal von Hans Beimler. Als Mitglied der bayerischen Bezirksleitung der KPD war dieser von den Faschisten im KZ Dachau inhaftiert worden. Ihm gelang die Flucht, die ihn schließlich nach Spanien führte. Als Politkommissar des Thälmann-Bataillons fiel er 1936 bei der Verteidigung von Madrid.

Kulturschaffende spielten eine wichtige Rolle und scheuten auch nicht den Wechsel vom Schreibtisch zur Front. So diente der kommunistische Arbeiterschriftsteller Willi Bredel ebenfalls als Politischer Kommissar beim Thälmann-Bataillon. Seine Erlebnisse in Spanien ließ er in sein schriftstellerisches Schaffen einfließen.

Ein Bataillonskamerad Bredels war Heinz Hoffmann, der seine militärische Laufbahn später in der DDR fortsetzte. In der Nationalen Volksarmee (NVA) stieg er bis zum Armeegeneral auf und amtierte von 1960 bis 1985 als Verteidigungsminister. Das Andenken der Interbrigaden gehörte als selbstverständlicher Bestandteil zur Traditionspflege der NVA, während man es in der Bundeswehr passender fand, die Kasernen mit den Namen von Nazi-Generälen zu „schmücken“.

Der Schriftsteller Ludwig Renn hatte bereits im Ersten Weltkrieg als Oberleutnant und Kompanieführer an der Westfront militärische Erfahrungen gesammelt. Nachdem er schon das Kommando über das Thälmann-Bataillon geführt hatte, wurde er Stabschef der XI. Brigade. Später hat er das Kriegsgeschehen in „Der Spanische Krieg“ literarisch verarbeitet.
Eine besondere Laufbahn bei den Interbrigaden war die des Kommunisten Hans Kahle. So wie Renn konnte er auf Vorerfahrungen als Leutnant an der Westfront des Ersten Weltkriegs zurückgreifen. Zunächst befehligte er das Edgar-André-Bataillon, wurde dann aber als Divisionskommandeur von der regulären republikanischen Volksarmee übernommen. Später oblag ihm das Kommando über die Verbände der Ebro-Front.

Kämpfe

Es gab kaum einen Brennpunkt des Krieges, an dem die Interbrigaden nicht im Einsatz waren. Das Thälmann-Bataillon zeichnete sich bereits in seinen ersten schweren Gefechten bei der Verteidigung Madrids zum Ende des Jahres 1936 aus. Im Februar 1937 war es daran beteiligt, am Rio Jarama südlich von Madrid die faschistischen Truppen zu stoppen und so die wichtige Straßenverbindung nach Valencia zu sichern. Im darauf folgenden März nahmen seine Kämpfer an der Schlacht von Guadalajara nordöstlich von Madrid teil und bereiteten dem italienischen Corpo Truppe Volontarie eine schwere Niederlage. Der Weg des Bataillons führte weiter über die Schlacht von Brunete westlich von Madrid im Juli 1937 und die Kämpfe um die Stadt Teruel in Aragon zum Jahreswechsel 1937/38 – Gefechte, welche die Republik nicht mehr für sich entscheiden konnte. Die Überlegenheit des Feindes wurde immer drückender. Bei der letzten großen Schlacht des Krieges am Ebro im Sommer/Herbst 1938 war das Thälmann-Bataillon dabei, als die republikanischen Truppen unter schwerem feindlichem Artilleriefeuer und Jagdfliegerbeschuss ohne Deckung über offenes Gelände zum Angriff vorrückten. Die militärische Führung der Republik verzichtete allerdings darauf, weitere Kräfte aus Zentralspanien heranzuführen und vergab dadurch die Möglichkeit, die zum Mittelmeer vorgestoßenen feindlichen Truppen abzuschneiden und einzukreisen.

Nichteinmischung

Das Scheitern der Ebro-Offensive stand in Zusammenhang mit einer Fehlentscheidung von Ministerpräsident Juan Negrín. Zeitgleich zu den Gefechten am Ebro hatte er vor dem Völkerbund die Bereitschaft verkündet, alle aus nichtspanischen Kämpfern bestehenden Einheiten zu demobilisieren. Er griff damit eine Forderung des Nichteinmischungskomitees auf, wonach alle Soldaten ausländischer Herkunft Spanien verlassen sollten. Dem Nichteinmischungskomitee gehörten die führenden europäischen Großmächte an und es hatte seinem Namen bislang wenig Ehre gemacht, was vor allem in den klammheimlichen profaschistischen Sympathien der britischen Regierung und dem französischen Unvermögen, zu dieser Haltung auf Distanz zu gehen, begründet war. Negrín erhoffte sich eine Verbesserung der eigenen internationalen Position, wenn er in dieser Weise in Vorleistung gehen würde. Aber statt einer Verbesserung auf der politischen Ebene trat lediglich eine Verschlechterung auf der militärischen ein – denn die deutsche, italienische und portugiesische Hilfe für Franco wurde unverändert fortgesetzt.

Abschied

Unabhängig davon gestaltete sich die Abschiedsparade der Interbrigaden am 28. Oktober 1938 in Barcelona zu einer großartigen Kundgebung des Internationalismus und der Völkerfreundschaft. Die Bevölkerung von Barcelona brachte in bewegender Weise ihre Dankbarkeit für die Menschen zum Ausdruck, die ihre Heimat hinter sich gelassen hatten, um ihr in ihrem schweren Kampf beizustehen.

Die Herkunft der Interbrigadisten

Frankreich: 9.000
Deutschland: 3.000
Britannien: 2.000
Italien: 4.000
USA: 2.750
Österreich: 1.700
Schweiz: 800
Polen: 3.000
Belgien: 1.700
Tschechoslowakei: 1.000
Skandinavien: 800
Ungarn: 500
Kanada: 500
Estland, Lettland, Litauen: 900
Balkanstaaten: 2.100
Lateinamerika: 2.500
Davon Kuba: 900

Der weitere Weg der Interbrigadisten gestaltete sich recht unterschiedlich. Viele von ihnen fand man in den kommenden Jahren auf den verschiedensten Schlachtfeldern und Kampfplätzen, wo sie der Nazi-Barbarei weiter die Stirn boten. Denjenigen, die aus den faschistisch regierten Staaten stammten, stand der Weg zurück nach Hause in der Regel nicht offen. Die französische Regierung, die im Spanienkrieg ohnehin schon eine traurige Rolle gespielt hatte, ließ noch ein weiteres beschämendes Kapitel folgen, indem sie Interbrigadisten, die Spanien in Richtung Frankreich verlassen hatten, in Lagern unter unsäglichen Bedingungen internierte. Nicht wenige von ihnen wurden später von der Kollaborationsregierung in Vichy an Deutschland ausgeliefert.

Rezeption

Peter Rau hat in seinem Buch zum Spanienkrieg darauf hingewiesen, dass auch neuere Veröffentlichungen die Interbrigaden in einer Weise bewerten, die den Darstellungen der damaligen antirepublikanischen Kräfte durchaus ähnlich ist. Dies gilt auch für Angela Bergs Arbeit, welche von der Berliner Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt und beworben wurde. Berg führt uns das Bild einer schlampig organisierten Fremdenlegion vor Augen: Durch die Weltwirtschaftskrise verkrachte Existenzen, zweifelhafte Subjekte aller Art und ideologisch vernagelte Stalinisten tun sich zusammen, um vor allem durch organisatorisch-militärische Inkompetenz, nachlässige Disziplin, autoritäres Gehabe und nicht zuletzt nationalistisch motivierte Balgereien untereinander zu glänzen.

Es liegt auf der Hand, dass es nicht einfach ist, einen militärischen Verband in kürzester Zeit unter hohem Druck praktisch aus dem Nichts zu schaffen. Da ist es logisch, dass sich in ihm nicht nur militärisch befähigte Menschen finden, sondern auch in politischer und moralischer Hinsicht schwierige Persönlichkeiten anzutreffen sind. Das ist zu bedauern, die Handlungen einzelner sind sicher auch zu verurteilen. Diese Erscheinungen aber herauszustreichen, verzerrt das Gesamtbild und lenkt vom Entscheidenden ab.

Die deutsche Militärgeschichte ist leider nicht sehr reich an Soldaten, die auf der Seite von Demokratie und sozialem Fortschritt kämpften. Die Interbrigadisten bilden hier eine rühmliche Ausnahme, weswegen sie heute auch zu den mit der größten Konsequenz vergessenen deutschen Soldaten gehören. Somit sind es die Kommunistinnen und Kommunisten, welche in unserem Land die ehrende Erinnerung an sie wachhalten müssen.

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"Soldaten ohne Beispiel", UZ vom 6. November 2026



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