Zur Berichterstattung über das syrische Idlib

Strategischer Angriff

Die alten Reflexe und Schlagworte gegen Syrien funktionieren noch, zuletzt nach Kämpfen in Idlib. „Letzte Bastion des Widerstandes“, „Angriffe auf Geflüchtete“, „Tödlicher Beschuss“, „Streumunition“ – und der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle (DW) versteigt sich sogar zu der Überschrift: „Russia‘s attacks on civilians in Idlib was strategic“ – also „Russlands Angriffe auf Zivilisten waren eine strategische Entscheidung“. Früher schrieben die bürgerlichen Medien, das syrische Militär setze primitive „Fassbomben“ ein. Jetzt, wo Russland im Fokus steht, sind es „moderne“ Streubomben – wie Aktivisten berichten. Wer diese Aktivisten sind, wird uns nicht mitgeteilt. Wir können jedoch gewiss davon ausgehen, dass es sich um „Weißhelme“ handelt, also die Verbündeten der Dschihadisten, denen 2017 für ihre Medienarbeit in Form einer Dokumentation der Oscar verliehen wurde.

Die Deutsche Welle findet in ihrem deutschsprachigen Dienst eine besonders geschickte Formulierung, dort heißt es: „Tödlicher Beschuss – Mehrere Zivilisten sind unter den Opfern.“ Wer genau liest, könnte also hieraus schließen, dass die Angriffe auch Militär galten. DW unterscheidet hier fein. Die Angriffe galten Flüchtlingscamps. Aber „Russische Kampfflugzeuge sollen zudem militärische Stellungen bombardiert haben“. Doch so genau will man das nicht wissen, denn diese Art von Information – anders als im Falle der Weißhelme – „lässt sich nicht unabhängig überprüfen“.

DW erwähnt beiläufig, dass Idlib – also „die letzte Bastion des Widerstandes“ – unter Kontrolle der HTS stünde, die auch vor den erwähnten Angriffen fünf syrische Soldaten getötet habe. HTS – was hier so harmlos klingen soll, ist die Organisation Hay‘at Tahrir al-Sham (HTS). Sie wurde 2017 von der Führungsmacht des Westens, den USA, als terroristisch eingestuft. Kanada, Türkei und Marokko folgten dem Beispiel.

So galten also die Angriffe in Idlib einer terroristischen Organisation, was die bürgerlichen Medien gerne mit einem leisen Lächeln abtun. Und sie haben ja Recht. Denn was ist eine terroristische Gruppe in Idlib – im Vergleich zu den Sanktionen? „Wehe dem, der die Not der Syrer lindern will und den Wiederaufbau fördern“ – das ist die Drohung des terroristischen Cesar-Acts der USA. Und das ist wirklich ein strategischer Angriff auf die Menschen in Syrien.

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"Strategischer Angriff", UZ vom 18. November 2022



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