Dortmund bleibt dran

Wat willste machen

Von Karl Rehnagel

Der Tag fing schon herrlich an: Unser nikotinverseuchter Plastikvorhang aus dem Winter war hochgezogen, der Biergarten um uns herum proppenvoll. Aber: Nicht mit Hanni & Nanni-ich-guck-nur-gegen-Bayern-und-Schade-Null-Vier, sondern mit ganz normalen BVB-Fans und Familien. Kein Scheiß: Das merkst du an jedem Gesicht, jeder Geste, jedem Ton. Wir waren mehr als vollzählig am Tisch, das Wetter war der Hammer. Und nur ganz kurz erschien eine kleine Gewitterwolke, als W., Deutschlands wildester Taxifahrer, auftauchte und über drei Tische und 100 Leute zur schönen M. und mir rüberbrüllte „Und? Seid ihr beiden Hübschen denn jetzt endlich zusammen?“ Die Gewitterwolke, heute mit selten offenen Haaren neben mir sitzend, knurrte „Nein!“ und in meiner Vorstellung schüttelten alle am Tisch kurz betreten den Kopf und summten „Schade“, aber im echten Leben ging es einfach weiter. Wat willste machen.

Das Spiel konnte sich nicht so recht zwischen attraktiv und langweilig entscheiden, die Freiburger hielten ordentlich mit und dagegen. Wenn Dortmund allerdings das Tempo anzog, waren die Kombinationen atemlos gut. Reus, Guerreiro, Götze, Sancho, Tor. Ungefähr so ging das dreimal, gefolgt von einem Elfmeter, den Paco noch reinhaute. 4:0 Dortmund, fertig. Der Wirt selber hatte genau das getippt und quasi seinen eigenen Tipp-Pott gewonnen, es gab noch warmen Wodka gratis bei gefühlten 30 Grad. Wat willste machen.

Und sonst? Bayern und Leipzig gewannen beide, Frankfurt spielte nur unentschieden. An die Leipziger ganz oben drin muss man sich wohl leider gewöhnen, jetzt sind aus einem Klassenfeind zwei geworden. Der angeblich schlimmste Feind aller Dortmunder – was ich ganz anders sehe – versaute es gleich 2:5 zu Hause. Jetzt schossen die Schalker mal die geforderten zwei Tore und ließen sich dann hinten ganze fünf reinhauen. Fürs Derby nächste Woche kein Gradmesser, die wirklich einzige Chance der Gelsenkirchener, sich mit ihren Fans noch halbwegs zu versöhnen, wäre ein Sieg in Dortmund und damit das Ausradieren jeglicher Meisterchance der Schwarz-Gelben. Schalke wird alles geben. Ob es reicht, wissen wir erst Samstag um geschätzt 17.17 Uhr. Wat willste machen.

Ein elterliches Osteressen hielt mich davon ab, noch weitere warme Wodka mit der schönen M. und Gartenbro A. zu vernichten, ich entfleuchte der Feiergesellschaft auf dem Fahrrad, was der Gesundheit sicherlich entgegenkam. Außerdem: Wenn Muttern kocht, gibt es nur ganz wenige Dinge, die das prompte Erscheinen in Zweifel ziehen könnten. Und wie immer der nächste Spieltag und überhaupt die letzten drei Spiele ausgehen, eins kann man mit Roman Weidenfeller schon mal festhalten: „We have a grandiose Saison gespielt.“ Ruhrpott halt. Wat willste machen.

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"Wat willste machen", UZ vom 26. April 2019



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