Wie eine neue DKP-Gruppe in den Wahlkampf eingreift

Zielzahl verdoppelt

Mitte Januar gründete sich in Mönchengladbach eine DKP-Gruppe und stieg sofort in den Wahlkampf für die Bundestagswahl im September ein. Der frisch gewählte Vorsitzende der DKP Mönchengladbach, Marcel Rommerskirchen, tritt als Direktkandidat in Mönchengladbach für die DKP an. UZ sprach mit ihm über die ersten Erfolge und lehrreiche Kämpfe. Marcel ist 40 Jahre alt und Berufsmusiker.

UZ: Ihr habt einen Nachbarschaftsbrief herausgegeben, in dem du dich als Direktkandidat vorstellst und mit dem ihr auch um Unterschriften bittet. Wie ist die Resonanz darauf bis jetzt?

Marcel Rommerskirchen

Marcel Rommerskirchen: Wir haben 1.000 Stück in meiner direkten Nachbarschaft, einem Wohnviertel mit klarer CDU-Mehrheit, verteilt und innerhalb von zwei Wochen sechs Rückläufer, womit wir nicht gerechnet haben. Davor hatten wir eine Flyer-Aktion in Gladbach mit 20.000 Stück gemacht. Wir hatten eine Rückläufer-Zielsetzung von 0,5 Prozent, sprich 100 Stück. Das war leider nicht machbar. Trotzdem war die Aktion wichtig, denn sie hat die Partei wieder in die Öffentlichkeit gebracht, nachdem es in den letzten 30 Jahren keine DKP in Mönchengladbach gab.
Beim Nachbarschaftsbrief haben wir uns ein Ziel von 0,3 Prozent gesetzt, bei den 1.000 Stück drei Rückläufer. Es sind sechs zurückgekommen. Das heißt, wir haben die Zielzahl verdoppelt.

UZ: Wie greift ihr noch in den Wahlkampf ein?

Marcel Rommerskirchen: Neben dem Nachbarschaftsbrief verteilen wir den schon erwähnten Flyer in der Stadt. Dieser informiert über die Neugründung unserer Parteigruppe und über meine Direktkandidatur. Daran angeheftet ist ein Formblatt für die Unterstützungsunterschrift zum Heraustrennen und Zurückschicken.

Wir haben kleine DIN-A-5-Flyer zu relevanten Themen herausgegeben, wie zum 1. und 8. Mai oder dem Ostermarsch. Wir haben uns für die Gründung eines aktionsfähigen und politisch aktiven Friedensbündnisses eingesetzt und es hat geklappt. Seit Jahrzehnten gab es in Mönchengladbach keinen Ostermarsch mehr. Dieses Jahr gab es wieder einen. Es waren zwar nur rund 20 Menschen da, aber ein Anfang ist gemacht.

Am 1. Mai hatte sich der DGB nach langem Hin und Her entschieden, eine Kundgebung zu machen. Von der DGB-Kundgebung in Rheydt aus haben wir mit den Falken und verschiedenen anderen linken Organisationen eine Demonstration nach Mönchengladbach veranstaltet. Am 8. Mai haben wir zum einen das Gräberfeld der Zwangsarbeiter auf dem Städtischen Friedhof besucht und eine Kundgebung am ehemaligen Gestapo-Gefängnis in Mönchengladbach durchgeführt.

Alles was wir machen, dokumentieren wir auf unserer Homepage, auf Facebook und auf Instagram.

UZ: Wie kommt es, dass in Mönchengladbach drei Jahrzehnte Wüste herrschte?

Marcel Rommerskirchen: Ich glaube, die Wüste entstand mit den Geschehnissen 1989/90. Da ist in Mönchengladbach wie vielerorts in der Republik für viele Genossen wirklich eine Welt zusammengebrochen. Viele Genossen hatten von der Politik die Nase voll, andere sind zur PDS abgewandert. Die DKP-Ortsgruppe hat sich damals hier aufgelöst und der kleine verbleibende Rest von drei oder vier Genossen war seitdem in der Kreisorganisation „Linker Niederrhein“ organisiert.

Ich bin am 25. Juni letzten Jahres in die Partei eingetreten und hatte das Glück, relativ schnell zwei, drei neue Genossen um mich zu scharen. Anfang des Jahres haben wir dann die Ortsgruppe in Mönchengladbach gegründet. Auf der Gründungsversammlung hat man mich zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt und zum Direktkandidaten aufgestellt. Die Direktkandidatur war für uns Ansporn, die 200 Unterstützungsunterschriften zu sammeln. Uns war es klar, dass es hart werden würde, weil wir wirklich von Null anfangen mussten. Es hat sich aber so entwickelt, dass mehr Unterschriften kamen als wir dachten. Das Sammeln hatte zwei positive Effekte. Zum einen sind wir in der Stadt bekannt geworden und zum anderen haben wir uns ein Bündnisumfeld erarbeitet, das von im Jugendbereich verankerten Strukturen bis hin zur IPPNW und örtlicher Linkspartei reicht. Mit dem „Bündnis für Menschenwürde und Arbeit“ arbeiten wir gut zusammen.

UZ: Wo drückt der Schuh in Mönchengladbach am meisten? Was habt ihr bei euren Aktionen und Infotischen mitbekommen?

Marcel Rommerskirchen: Die Menschen interessieren sich dafür, welche Position wir zum aktuellen Weltgeschehen einnehmen. Da ist natürlich im Moment die Corona-Pandemie ganz vorne. Damit eng verbunden sind Fragen nach dem Gesundheitssystem und der Privatisierung der Krankenhäuser. Wie anderorts auch ist Wohnen in Mönchengladbach ein großes Thema und wie man bezahlbaren Wohnraum schafft. Dann gibt es lokale Angelegenheiten, wie der kleine Stadtpark mit Weiher, der umgestaltet werden soll. Da hat sich eine Initiative gegründet, damit nicht zu viele gesunde Bäume gefällt werden. Da haben wir uns angeschlossen und bekommen viel Zustimmung zu unserer Arbeit.

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

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"Zielzahl verdoppelt", UZ vom 4. Juni 2021



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