Die aktuelle Ausgabe der Betriebszeitung „Der rote Postler“, die von der Betriebsgruppe Post der DKP Kassel herausgegeben wird, befasst sich mit den Auswirkungen von Wetterextremen. Wir dokumentieren diesen Beitrag bearbeitet und in Auszügen.
Jetzt, wo die Temperaturen so stark steigen, hat sich unser Arbeitgeber dazu entschieden, uns zu „schützen“. Damit die Hitze uns im Auto nicht angreift, gehen natürlich die Fenster nicht runter. Das führt dazu, dass die Temperatur im Auto irgendwann mal zwischen 50 und 60 Grad ist. Manche Leute würden für so was gutes Geld zahlen. Es nennt sich dann Sauna, wir kriegen das umsonst. Wenn aber die Hitze trotz der „Schutzbarriere“ reinkommt, keine Sorge, es gibt da eine Lösung: An vielen Postfahrzeugen fällt die Seitentür ab. Bei den sehr fortgeschrittenen Modellen geht der Motor gar nicht mehr an, damit der Zusteller und das Auto nicht überhitzen.
Scherz beiseite … Für eine dringend nötige Betriebsvereinbarung zu Hitze und Kälte fordern die ver.di-Vertrauensleute aus Höxter-Stade: „Wir, die Vertrauensleute aus dem Zustellstützpunkt Höxter-Stade, möchten mit dieser Vorschlagsliste eine Betriebsvereinbarung ‚Kälte und Hitze‘ mit anstoßen und den Betriebsrat bei der Erstellung unterstützen. Durch so eine Betriebsvereinbarung ergibt sich nicht nur die Chance, die Mitarbeiterinnen der Niederlassung Kassel vollumfänglich zu schützen, sondern auch, Betriebsräte anderer Niederlassungen zu motivieren, ebenfalls in dieser Richtung aktiv zu werden. Wir sehen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und den Schutz der Mitarbeiterinnen als Basisarbeit gewerkschaftlicher Arbeit.
Temperaturgrenzwerte und Maßnahmen:
- Regelungen von verbindlichen Maßnahmen bei klar definierten Temperaturgrenzwerten (zum Beispiel Beendigung der Zustellung ohne Sanktionen)
- Arbeitszeit und/oder Touranpassung ab klar definierten Temperaturgrenzwerten (…).
- Des Weiteren grenzen sich die Kollegen klar von der Idee der „Siesta“ ab, also einer Arbeitsunterbrechung zur Mittagszeit. Die Forderungen der Kollegen aus Höxter-Stade sind gut! Sie eröffnen die Diskussion unter den Kolleginnen und Kollegen und unter den Vertrauensleuten. Und da gehört sie hin!
- Wir konkretisieren die Forderungen:
- Ab 30 °C beziehungsweise unter minus 10 °C muss die Zustellung abgebrochen, also nur das Nötigste zugestellt und die Zustellung dann beendet werden.
- Der Dienstbeginn wird auf 6 Uhr vorverlegt, wenn die Tageshöchsttemperatur diese Temperaturen übersteigt.
Das wird abgelehnt werden, denn die Sortiervorgänge sind darauf ausgelegt, die Zustellung in den Nachmittag hinein zu verlegen. Das ist nicht in unserem Interesse. Das Interesse des Kapitals und unser Interesse stehen gegeneinander. Und unsere Gesundheit steht auf dem Spiel.
Hitzewellen ab Juni, dafür trockene Hitze bis in den Oktober, massive, brutale Kälte ab Januar und Schnee bis April. Die Wetterextreme nehmen zu, die Sonneneinstrahlung, die Hitze beziehungsweise Kälte, die Trockenheit erklettern immer neue Extreme. Das alles ist seit Jahren absehbar. (…)
Es bedarf des Hitzeschutzes, das ist klar. In der letzten Hitzewelle sind bis zu 5.000 Menschen mehr regelrecht eingegangen als normal. Viele Arbeiter leben in überhitzten, abgehängten Dachkammern ohne Kühlung. Tolle Gesellschaft. Im Betrieb führte die Hitzewelle – in der dennoch Auflösungen gefahren wurden – zu Sonnenbränden und Sonnenstichen, zu erhöhten Krankenständen, zu kurzen Zündschnüren und Stress.
Uns dagegen zu schützen sieht der Arbeitgeber also gar nicht ein. Der frühere Dienstbeginn würde ermöglichen, dass wir die ersten Straßen im Starkteil (Kernbereich eines Zustellbezirks, Anm. d. Red.) wegbringen, ohne dass uns die Mittagshitze hetzt. Abgelehnt wurde er mit dem Argument, dass so früh keine Arbeit da sei. Unsinn! Post wird häufig bereits am Vorabend angeliefert, die Flexi-Scheiße hat dazu geführt, dass kein Indikator stimmt, dass Wurfsendungen unbestimmten Datums überall herumliegen und in manchem Spind die Klamotten von Leuten herumliegen, die inzwischen längst in Rente sind.
Arbeit ist also da. Arbeit, zu der ermahnt wird, die Bedingungen, sie umzusetzen, aber nie geschaffen werden.
Des Weiteren fehlt uns Sonnenschutz. Die Kappen, die bestellt werden können, reichen wegen ihrer Qualität nie aus. Sonnenbrillen, Sonnencreme für die Haut fehlen ganz. (…)
Die Kapitalseite sitzt unsere Forderungen aus, das kann sie natürlich hervorragend, wenn kein Druck gemacht wird. Nebenbei wird im Hinterzimmergespräch auch die Belegschaft weder organisiert noch aufgeklärt (…).
Die Kollegen im Briefzentrum Kassel haben gezeigt, wie es geht: Massenhafte, lange dauernde, laute Beschwerden in der „Morgeninfo“ (kurze Besprechung zur Abstimmung, Anm. der Red.) führen zum Druck auf die Kapitalseite und ihre lokalen Funktionäre. (…) Wer keinen Druck machen will, mit dem fährt die Kapitalseite Schlitten. Wir merken uns: Wer keinen Hitzeschlag haben will, der muss kämpfen, der muss sich organisieren. (…)








