Nach der Wahl würden sie alles dafür tun, dass sich Menschen sicher fühlen, die Angst vor einer AfD-Regierung haben, erklärten Spitzenkandidatin Eva von Angern und Vorsitzende Ines Schwerdtner für die Linkspartei. Auf die Frage, was sie in Sachsen-Anhalt konkret tun wollen, um Minderheiten zu schützen, blieben sie eine Antwort schuldig. Von Angern verzichtete – wohl auch mit Blick auf mögliche Koalitionäre von der CDU – auf jegliche Kritik an Hochrüstung und Kriegskurs mit der Folge des sozialen Kahlschlags. Stattdessen zeigen beide auf die parteipolitische Konkurrenz: In den letzten Wochen sei deutlich geworden, dass das BSW in Sachsen-Anhalt zum Steigbügelhalter für die AfD werden wolle.
Tatsächlich kokettiert die Spitze des aus der Linkspartei abgespaltenen BSW damit, dass sich ihre fünf Abgeordneten im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt enthalten wollen. Dabei ist klar, diese Enthaltung wird der AfD nicht zur Mehrheit verhelfen, dafür braucht es Überläufer von anderen Fraktionen, die für den AfD-Mann stimmen. Richtig ist jedoch, dass die BSW-Gruppe im Bundestag mit Nein stimmte, wenn sie nicht einverstanden war. Sie war die einzige Gruppe, die konsequent gegen alle Zeitenwende-Gesetze stimmte. Heute kann sie sich nicht mehr dazu durchringen, bei einer Landesregierung sowohl gegen CDU als auch AfD zu stimmen. Stattdessen sagt die BSW-Spitze in Sachsen-Anhalt mit Blick auf die AfD, dass sie zum aktuellen Zeitpunkt nichts mehr ausschließen möchte. Der Berliner Spitzenkandidat Michael Lüders äußerte im Gespräch mit seiner Vorsitzenden Mohamed Ali, dass mit Chrupalla von der AfD ein „Weg in Richtung Frieden“ möglich sein könnte.
Die Erkenntnis beim BSW, dass aufgrund geschickter Friedensdemagogie der AfD auch Unzufriedenheit mit der Kriegspolitik zur ihrer Wahl geführt hat, haben auch einzelne Stimmen in der SPD. Man müsse darüber nachdenken, ob die Unterstützung der Ukraine und der Umgang mit Russland weiterhin als so alternativlos dargestellt werden könne, erklärte Isabel Cademartori, SPD-Chefin in Baden-Württemberg. Auch das Ausmaß der Rüstungsausgaben, vor allem im Verhältnis zu Sozialausgaben, müsse auf den Prüfstand, so die Bundestagsabgeordnete gegenüber dem Südwestrundfunk. Die SPD läuft Gefahr, ihre Zustimmung aus der Arbeiterklasse dauerhaft an die AfD zu verlieren. Doch bislang äußern sich nur Einzelne kritisch über den Kurs der Regierung und noch weniger über die Regierungsbeteiligung ihrer Partei. Über ein Ende des Sozialkahlschlags, den die Gewerkschaften als Generalangriff bezeichnen, wird in der ersten Reihe der SPD nicht diskutiert. Im Gegenteil, SPD-Kriegsminister Boris Pistorius dreht den Spieß um: Die Kriegsangst vieler Wähler habe nichts mit der Politik seiner Regierung zu tun, sondern werde von der AfD geschürt. Sein Fraktionskollege Daniel Baldy urteilt: Wer argumentiere, Deutschland habe wegen Investitionen in die Rüstung kein Geld für Soziales, mache sich zum Sprachrohr russischer Desinformation.
Die „Demokratische Linke“ in der SPD hingegen ruft mit der Friedensbewegung zu den Aktionstagen am 25. und 26. Oktober und den Friedensdemonstrationen am 3. Oktober auf: „Wer soziale Sicherheit verteidigen will, darf nicht zulassen, dass immer mehr öffentliche Gelder in Militär und Rüstung fließen.“ Je mehr Unterstützung die Proteste bekommen, desto mehr Steine liegen denen im Weg, die mit der scheinbaren „Alternative“ oder den offenen Kriegstreibern aus der Regierung paktieren wollen.

