Osnabrück war lange „Autostadt“, erst mit Karmann, dann mit Volkswagen. 2027 wird damit Schluss sein – 125 Jahre nach der ersten Karosserie für die Bielefelder Dürkopp-Werke läuft der letzte T-Roc-Cabrio vom Band. Statt Autos werden dann Raketenabwehrsysteme und andere Rüstungsgüter die Werkhallen verlassen.
Volkswagen verkauft das Werk an ein Joint-Venture des Landes Niedersachsen mit dem israelischen Rüstungsinvestor Aurelius Capital (Tel Aviv) als Haupteigner. Der israelische Rüstungskonzern Rafael will dort Komponenten seines „Iron Dome“ produzieren – nicht nur für Israel, sondern auch für europäische Abnehmer einschließlich Deutschland. Die Oberbürgermeisterin der selbsternannten „Friedensstadt“ Osnabrück, Katharina Pötter, bezeichnet den Umbau von der Auto- zur Rüstungsfabrik als „riesige industrielle Chance“. Die Ratsparteien (außer der Linkspartei) und die „Neue Osnabrücker Zeitung“ tuten in das gleiche Horn.
In zwei Betriebsversammlungen am 8. September morgens und abends gab es viele Fragen zum Betriebsübergang. Die künftigen Produkte wurden nicht in Frage gestellt. „Hinter vorgehaltener Hand sagten aber einige: Wir sind zu VW gegangen, weil wir Autos bauen wollen, nicht weil wir für die Rüstungsindustrie arbeiten wollen … Andere wiederum meinen: Ob jetzt Cabrios oder Militärfahrzeuge, Hauptsache, es geht weiter hier in Osnabrück“, berichtete eine NDR-Reporterin am Abend. „Die meisten würden wohl am liebsten weiter Autos bauen, aber die Miete muss ja auch bezahlt werden“, sagte mir schon vor Monaten ein Kollege. Nach einer jahrelangen Zitterpartie und nachdem alle Projekte aus der Technischen Entwicklung für zivilen Fahrzeugbau vom VW-Vorstand vom Tisch gewischt wurden, erscheint vielen der Umbau auf Rüstung als letzte Alternative zur Schließung und Abwicklung der noch etwa 2.000 Arbeitsplätze.
Dies prägt auch die Haltung von Betriebsrat und IG Metall, die sich dabei auch zum Schönreden der neuen Produkte als „Defensivwaffen“ hinreißen lassen. Dabei gerät zu oft aus dem Blick, dass der aktuelle Großangriff auf die Sozialsysteme auch in den Rüstungslasten begründet ist („Whatever it takes“) – und dass es unsere Kinder und Enkel sind, die das Kanonenfutter stellen sollen in den Kriegen, für die jetzt gerüstet wird.

