Anmaßungen

„Auf dem Rückweg aus dem Iran könnten wir die ‚USS Abraham Lincoln‘ – den größten Flugzeugträger der Welt – dorthin schicken und fast sofort die Kontrolle über Kuba übernehmen. Er wird 100 Meter vor der Küste Position beziehen, und die Leute werden sagen: ‚Vielen Dank. Wir geben auf‘“, so tönte US-Präsident Donald Trump am 1. Mai. Dass am Vormittag des gleichen Tages mehr als 500.000 Kubanerinnen und Kubaner am Kampftag der Arbeiterklasse gegen die mörderische völkerrechtswidrige Blockade der USA und die seit Wochen geäußerten Kriegsdrohungen protestiert hatten, ignorierte Trump geflissentlich.

An der Kundgebung vor der US-Botschaft in Havanna hatten auch der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel und Raúl Castro teilgenommen. Bei der Gelegenheit wurde auch ein Zwischenstand bekannt gegeben: 6.230.973 Kubanerinnen und Kubaner hatten sich per Unterschrift dazu bekannt, sich für Frieden und die Souveränität einzusetzen. „Gemeinsam und geschlossen fordern wir Frieden und bekräftigen unsere Bereitschaft zum Dialog ohne Vorbedingungen“, so Präsident Díaz-Canel.

Er warf den USA vor, von Rache- und Kolonialherrenmanier getrieben zu sein. Bereits zuvor hatte er die Drohungen Trumps scharf zurückgewiesen. Die internationale Gemeinschaft müsse diese zur Kenntnis nehmen und gemeinsam mit der Bevölkerung der USA entscheiden, ob ein solch „drastischer krimineller Akt zugelassen“ werden dürfe.

Während Trump von Flugzeugträgern vor der kubanischen Küste schwadronierte, zog die US-Regierung die Schlinge um die sozialistische Karibikinsel noch enger: Energie, Verteidigung, Bergbau und Finanzen – jede in diesem Bereich tätige Person und jedes Unternehmen, das mit Kuba in diesen Gebieten kooperiert, ist nun damit bedroht, seine gesamten Vermögenswerte in den USA zu verlieren. Als Begründung musste diesmal die unbelegte Behauptung herhalten, Kuba unterstütze Aktivitäten gegnerischer Geheimdienste auf US-Territorium. Doch auch davon wird Kuba sich nicht kleinkriegen lassen. „Danke“ wird dort niemand sagen. Und aufgeben erst recht nicht.

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"Anmaßungen", UZ vom 8. Mai 2026



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