Beschmierte Grundrechte

Die einen spucken Gift und Galle, die anderen spritzen mit Erdöl. Wären sie ein Pärchen, müsste man ihre Beziehung wohl als toxisch bezeichnen. Gemeint ist die Ménage-à-trois von Medien, Politik und den Klimaschützern der „Letzten Generation“. Diese „Letzten“ hatten am vergangenen Samstag das Denkmal „Grundgesetz 49“ nach eigener Aussage mit Erdöl übergossen. Pünktlich waren die Fotografen zum Stelldichein erschienen, um die beabsichtige Empörung durch Politik und Medien zu bebildern. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) durfte in der „Bild am Sonntag“ zetern: „Völlig unwürdig“. Die Grundrechte zu beschmieren müsse strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Michael Roth (auch SPD) ließ sich mit der Aussage zitieren, die Aktion sei „ähnlich wie die Taliban“. Großer Erfolg für alle Beteiligten: die anderen konnten ihre Untergangsideen medienwirksam verbreiten, die einen das demokratische Weiter-so.

Merke: Wer das Grundgesetz beschmiert, ist schlimmer als diejenigen, die es aushöhlen oder durch die Beteiligung an einem Krieg in die Papiertonne schmeißen. Nebeneffekt: Statt für Umweltschutz zu kämpfen, empört sich die Mehrheit über eine Endzeitsekte.

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Über den Autor

Björn Blach, geboren 1976, ist als freier Mitarbeiter seit 2019 für die Rubrik Theorie und Geschichte zuständig. Er gehörte 1997 zu den Absolventen der ersten, zwei-wöchigen Grundlagenschulung der DKP nach der Konterrevolution. In der Bundesgeschäftsführung der SDAJ leitete er die Bildungsarbeit. 2015 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der DKP in Baden-Württemberg gewählt.

Hauptberuflich arbeitet er als Sozialpädagoge in der stationären Jugendhilfe.

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"Beschmierte Grundrechte", UZ vom 10. März 2023



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