Der russische Demokratiekiller

Guntram Hasselkamp zur neuesten Hacker-Attacke auf den Bunde zur neuesten Hacker-Attacke auf den Bunde

Die Demokratie ist in Gefahr. In den USA, in Deutschland und auch anderswo. Nein, nicht was Sie jetzt denken. Es geht nicht um milliardenschwere Lobbyisten wie dem militant-zionistischen Haim Saban, der auf „Bloomberg TV“ erklärte, er werde für die Wahl von Hillary Clinton „soviel wie nötig“ spenden, oder vielleicht dem geostrategisch ambitionierten Großzocker George Soros („The Hillary Democrats’ Billionaire Puppetmaster?“ in „Investor’s Business Daily“), der für Frau Clinton immerhin 9 Millionen Dollar hat springen lassen, oder die Großsponsoren des islamistischen Terrors, Kuwait, Qatar oder Saudi-Arabien, die zweistellige Millionenbeträge für die Geldwaschmaschine Clinton Foundation übrig hatten.

Nein nein, die Russen waren’s. Spätestens seit dem Ukraine-Putsch heißt ja das Spiel: Haut den Putin! „Wir schließen aus den Berichten, die wir erhalten haben, dass der russische Geheimdienst ernsthafte und koordinierte Anstrengungen unternimmt, um die US-Wahl zu beeinflussen“, verkündet ausgerechnet die Vize-Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Senats Dianne Feinstein. – NSA, da war doch mal was. Die russischen Hacker wollten Zweifel an der Sicherheit der Wahl säen und den Ausgang beeinflussen. Bei der Wahl Bush vs. Gore im Jahr 2000 gab es in Florida so lange „Pannen“ bei den Wahlmaschinen bis endlich Bush per Gerichtsbeschluss Sieger wurde. Da war der Ex-KGB-Offizier Putin schon Präsident Russlands. Zufall?

„Cyber-Spionage aus Russland“, mag das für innere Sicherheit zuständige Berliner Amtsblatt „Bild“ nicht hinter Frau Feinstein zurück stehen. „Hacker-Attacke auf unsere Bundestags-Politiker.“ (Zur Klarstellung: das Possessivpronomen „unsere“ ist hier wörtlich, prodomo gemeint, nicht dass Sie jetzt denken, ihnen gehörte auch einer.) In E-Mails, die „vermeintlich“ aus dem Natohauptquartier stammten, habe sich „ein Link“(!) befunden, über den „Spähsoftware auf den betroffenen Rechner“(!) gelangt sei.

Das ist erkennbar schwach. Ein Link auf einer Nato-E-Mail auf einem Rechner. Wenn das alles ist, was „Putin“ zu bieten hat. Die Nato, sprich die US-Amerikaner und Briten, hören bekanntlich alles ab und lesen alles mit. Vom „Bild“-Chef bis herunter zur Kanzlerin. Die Vorstellung in Deutschland könne etwas von Bedeutung laufen, das vorher nicht in Washington goutiert wurde, hat etwas von Kindergarten. Was ist ein Link gegen die NSA?

Daher warf „Bild“ ihren Mann fürs Grobe an die Front. Wenn schon die Fakten nichts hergeben, muss wenigsten die Reklame stimmen, wusste schon Goebbels. Also Julian Reichelt: „Die drei größten Bedrohungen der digitalen Welt heißen Russland, Russland und Russland.“ Na, wer sagt’s denn. Geht doch!

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"Der russische Demokratiekiller", UZ vom 30. September 2016



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