Erinnerung der VVN-BdA an die Opfer der faschistischen Judenvernichtung

Der Schoß ist fruchtbar noch

Hermann Kopp

Zur Erinnerung an die Judenverfolgung in Düsseldorf organisierte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) am 14. November einen Gedenkgang mit fünf Stationen in der kleinen Mintropstraße. An fünf Häusern, in denen jüdische Familien gelebt hatten, brachten sie Schilder an, um an ihr Schicksal zu erinnern. Gedacht wurde der Bewohnerinnen und Bewohner, die ab 1938 antijüdischen Terrormaßnahmen zum Opfer fielen. Am Stolperstein der Geschwister Rosa und Max Thielen wurden Blumen niedergelegt.

Gisela Blomberg, die den Rundgang führte, erwähnte in ihrer einleitenden Rede vor gut 20 Interessierten zunächst die „Polenaktion“, die Vertreibung von 441 jüdischen Menschen polnischer Staatsangehörigkeit aus Düsseldorf am 28. Oktober 1938. In verriegelten Eisenbahnwaggons wurden sie nach Polen abgeschoben, die Mehrzahl von ihnen wurde dort von den Behörden unter katastrophalen Bedingungen interniert.

Diese Aktion war der Auslöser für das Attentat von Herschel Grynszpan – auch seine Eltern waren auf diese Weise verschleppt worden – auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris. Es bot den Nazis den erwünschten Vorwand für die Pogromnacht des 9. November 1938, in der in Düsseldorf über 500 Einzelhandelsgeschäfte und Wohnungen verwüstet, jüdische Menschen gedemütigt und schwer misshandelt wurden. Mindestens 13 von ihnen überlebten diese Angriffe nicht. Über 120 jüdische Düsseldorfer wurden verhaftet, 82 von ihnen wurden in das KZ Dachau deportiert.
Erinnert wurde dann an die 627 Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, die am 10. November 1941 in das Ghetto Minsk verschleppt wurden. Nach einem qualvollen Transport wurden sie bei minus 26 Grad von prügelnden SS-Kommandos empfangen. Auch das traurige Schicksal der jüdischen Seniorinnen und Senioren, die nach Theresienstadt deportiert wurden, wurde erwähnt.

„Der faschistische Antisemitismus“, so Gisela Blomberg, „diente mit all seinen Brutalitäten auch der Zurichtung des deutschen Volkes. Seit 1933 wurde ihm einerseits der Wahn vom Herrenvolk, andererseits die Lüge vom ‚bolschewistischen Weltjudentum’ eingeimpft, das danach trachte, die deutsche Herrenrasse zu vernichten. Gesellschaftliche Widersprüche sollten sich nicht im Klassenkampf, sondern im ‚Rassenkampf‘ entladen. Und nicht nur jüdische Menschen wurden zu Feinden der deutschen Herrenrasse erklärt. Die Nazis erklärten auch andere Völker und ‚Rassen‘, vor allem die ‚Zigeuner‘, die Slawen, Afrikaner und Asiaten zu Untermenschen. Deren Bestimmung wäre es, dem deutschen Herrenvolk unterworfen zu sein.“

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Und deshalb betonte Jürgen Schuh, Kreissprecher der VVN-BdA, zum Abschluss des Rundgangs, dass wortreiche offizielle Erklärungen zur Pogromnacht nicht genügen: „Das immer frechere Auftreten von Neonazis erfordert sicht- und hörbaren Widerstand. Ein Zusammenführen aller antifaschistischen Kräfte – darum geht es jetzt!“

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"Der Schoß ist fruchtbar noch", UZ vom 26. November 2021



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