Gespräch mit dem japanischen Kommunisten und Friedensaktivisten Tadaaki Kawata

Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt

Melina Deymann und Uli Brockmeyer

Verpflichtung für die Völker der Welt
Zum 75. Jahrestag der Atombombenabwürfe durch die USA auf Hiroshima und Nagasaki
Am 6. und 9. August 1945 brachten die USA mit den Atombombenabwürfen unsägliches Leid über die Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki.
Als Lehre aus dem Leid durch die Atombombe, aber auch der eigenen militaristischen Geschichte, verabschiedete Japan im November 1946 eine neue Verfassung, in der es in Artikel 9 heißt: „In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten. Um das Ziel des vorhergehenden Absatzes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkräfte oder sonstigen Kriegsmittel unterhalten. Ein Recht des Staates zur Kriegführung wird nicht anerkannt.“ Daran wird heute gerüttelt, die „Selbstverteidigungskräfte“ Japans haben inzwischen einen Etat von 40 Milliarden Euro, Premierminister Abe will den Artikel 9 komplett „reformieren“.
UZ sprach mit Tadaaki Kawata über die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki und die Aufgaben der japanischen Friedensbewegung. Manfred Sohn wirft einen Blick auf den Kampf um die japanische Verfassung.

UZ: Genosse Tadaaki, am 6. und am 9. August werden sich die Völker der Welt an den Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki erinnern. Wie sind diese Ereignisse heute, 75 Jahre danach, historisch und politisch zu bewerten?

Tadaaki Kawata, geboren 1959 in Tokio, ist Mitglied der nationalen Leitung des Japanischen Friedenskomitees und des Japanischen Rates gegen Atom- und Wasserstoffbomben (Gensuikyo), sowie Mitglied des Zentralkomitees der Japanischen Kommunistischen Partei, Leiter der Abteilung für Friedensbewegungen. Er ist Verfasser zahlreicher Artikel und Mitautor eines Buches zum Thema der Abschaffung der Nuklearwaffen

Tadaaki Kawata: Ich bin überzeugt, dass es heute wichtiger denn je ist, an die Tragödien von Hiroshima und Nagasaki zu erinnern. Der 75. Jahrestag der Abwürfe der beiden Atombomben muss als Verpflichtung für die Völker der Welt gesehen werden. Die Zeugnisse der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki, der Hibakusha, sind eine Warnung für die gesamte Menschheit. Sie haben uns immer gesagt: „Nuklearwaffen können nicht gemeinsam mit Menschen existieren!“. Das durchschnittliche Alter der Hibakusha beträgt heute 83 Jahre. Wir müssen endlich auf sie hören, die Wirklichkeit der Atombombenabwürfe verstehen und die katastrophalen, inhumanen Konsequenzen des Einsatzes von Atombomben begreifen.

Die Bedrohung der nuklearen Vernichtung ist nicht gebannt. Es gibt zur Zeit etwa 1.400 nukleare Sprengköpfe in der Welt. Die Organisation „Ärzte zur Verhinderung eines Atomkrieges“ (IPPNW) warnt, dass die Explosion von weniger als einem Prozent dieser Sprengköpfe ausreichen würde, nicht nur Millionen Menschen zu töten, sondern eine weltweite Veränderung des Klimas hervorzurufen, wodurch die Landwirtschaft und die Versorgung mit Nahrungsmitteln schwer gestört würden. In der Folge würden zwei Milliarden Menschen von einer Hungersnot getroffen. Das wäre das Ende unserer Zivilisation. Aber die Staaten, die Nuklearwaffen besitzen, streben nicht etwa danach, diese Gefahr zu beseitigen, sondern sind dabei, ihre nuklearen Kapazitäten zu verstärken.

Gemeinsam mit den Hibakusha unternehmen wir unser Möglichstes, um eine Welt ohne Atomwaffen zu erkämpfen. Eines der ermutigendsten Ereignisse auf diesem Weg war die Annahme des Vertrages über das Verbot von Nuklearwaffen durch die UN-Generalversammlung im Juli 2017. Und obwohl die Atommächte und deren Verbündete gegen diesen Vertrag gestimmt haben, spüren sie starken politischen und moralischen Druck – aus der Zivilgesellschaft sowie auch seitens der Staaten, die den Vertrag unterstützen.

Auch in den Ländern „unter dem Nuklearschirm“ entwickeln sich immer stärkere Bewegungen, die ihre Regierungen drängen, dem Vertrag beizutreten. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir den 75. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki zu einem weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einer Welt frei von Nuklearwaffen machen.

UZ: Sind sich die jungen Menschen in Japan der Umstände jener Tage im August 1945 bewusst? Was wissen sie heute über die Ereignisse von damals?

Tadaaki Kawata: Eine Umfrage vom Juli 2020 unter Japanern im Alter von 18 bis 34 hat ergeben, dass nur 45 Prozent von ihnen eine korrekte Antwort auf die Frage nach den Abwürfen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geben konnten. Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2015 waren es weniger 30 Prozent. Nur wenige Studenten an Hochschulen konnten die Frage beantworten, wer die Bomben abgeworfen hat. Einige sagten „die Sowjetunion“ oder „China“. Das zeigt, dass selbst an unseren höheren Bildungseinrichtungen nicht genug Zeit aufgewendet wird, um die Geschichte des 20. Jahrhunderts zu lehren und zu lernen. In den Lehrbüchern steht nur wenig über die Tage des August 1945.

Allerdings werden junge Menschen auch aktiv, wenn sie die historischen Fakten kennenlernen. Junge Menschen sind die treibende Kraft in den sozialen Bewegungen in Japan, vor allem in der Friedensbewegung. Die Mehrheit der Teilnehmer an den Gedenkfeierlichkeiten in Hiroshima und Nagasaki ist unter 30 Jahre alt. Das verdanken wir demokratisch gesinnten Lehrern und auch der Friedensbewegung.

UZ: Bürgerliche Medien hier in Europa betonen immer wieder, dass der Abwurf der Atombomben ausschlaggebend war für die Kapitulation des Kaiserlichen Japan im Zweiten Weltkrieg. Was kannst du uns dazu sagen?

Tadaaki Kawata: In Wirklichkeit gab es keine militärische „Notwendigkeit“, Atombomben auf Japan zu werfen, weil es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Japan kapitulieren würde. Japans Territorium war bereits hart getroffen von Luftangriffen und die US-Truppen hatten schon im April ihre Angriffe zu Lande, auf der Insel Okinawa, begonnen. Historische Dokumente zeigen klar, dass der Einsatz der Atombomben eine politische „Botschaft“ an die Sowjetunion war, dass die USA damit eine überlegene Position in der Nachkriegsperiode erlangen wollten.

Der Abwurf der Atombomben war kein entscheidender Faktor für Japans Kaiser Hirohito, die Entscheidung zur Kapitulation zu treffen. In seinem „Allerhöchsten Befehl an die Soldaten und Matrosen“ vom 17. August 1945 betonte der Kaiser die Bedeutung des Kriegseintritts der Sowjetunion (am 9. August 1945, Anmerkung der Redaktion) für seine Entscheidung. Die USA wollten die Atombomben unbedingt einsetzen, bevor die Sowjetunion in den Krieg gegen Japan eintrat.

Erst kürzlich hat der US-amerikanische Historiker Gar Alperovitz auf der Grundlage kurz zuvor freigegebener Dokumenten des damaligen USA-Kriegsministers Henry L. Stimson in Bezug auf die Bombardierung festgestellt: „… jedes Stück an Beweisen, über die wir verfügen, zeigt nicht nur, dass es unnötig war, sondern auch, dass die Unnötigkeit zu jener Zeit klar war.“

UZ: 75 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki modernisieren die USA ihr Nuklearwaffenarsenal. Ein neuer Kalter Krieg gegen Russland und China hat begonnen. Wie empfindet ihr in Japan diese Entwicklung?

Tadaaki Kawata: Der Wahnwitz des Strebens nach Vormachtstellung ist in der Zeit der Covid-19-Pandemie niemals klarer zutage getreten. Es ist irrsinnig, mit riesigen Arsenalen von Nuklearwaffen „Sicherheit“ anstreben zu wollen.

Die Regierung der USA ist dabei, die Schwelle für die Anwendung von Nuklearwaffen zu senken und kleinere Sprengköpfe einzusetzen. Auf der anderen Seite hat Russlands Präsident Putin kürzlich eine neue Strategie verkündet, laut der diese Waffen auch schon zur Abwehr eines Angriffs mit konventionellen Waffen eingesetzt werden könnten. China ist das Land unter den fünf großen Atommächten, das die Zahl der nuklearen Sprengköpfe erhöht.

Die Konfrontation der USA mit Russland und China nehmen wir sehr ernst. Japan sieht sich diesen beiden Nuklearmächten und zusätzlich den nordkoreanischen Atomwaffen ausgesetzt. Zudem beherbergt Japan eine Reihe von Militärbasen der USA, auf denen „bei Notwendigkeit“ Atomwaffen stationiert werden können. Unter dem Vorwand, diesen „Bedrohungen“ entgegenzuwirken, ist die Regierung von Premierminister Abe dabei, die Aufrüstung Japans voranzutreiben und die Rolle der japanischen Armee, der „Selbstverteidigungskräfte“, auszuweiten.

Wir, die Friedensbewegung, treten ein für eine diplomatische und friedliche Alternative, um der Gefahr neuer Konflikte in der Region zu begegnen. Die Japanische Kommunistische Partei schlägt die Vision einer Region des Friedens und der Kooperation in Nordostasien vor.

UZ: Japan und die USA sind militärische Verbündete. Aber es gibt auch Widerstand gegen die Militärbasen der USA in eurem Land. Wie ist da der aktuelle Stand?

Tadaaki Kawata: Es gibt in Japan auf der Grundlage des „Sicherheitspakts“ zwischen Japan und den USA mehr als 130 US-Militärbasen. Selbst mitten in Tokio gibt es einen US-Stützpunkt. Im Unterschied zu den NATO-Ländern in Europa befinden sich die Militärbasen der USA in der Nachbarschaft oder sogar mitten in Wohngebieten. Daraus ergeben sich massenweise Probleme wie Lärmbelästigung, Luftverschmutzung, Unfälle und sogar kriminelle Übergriffe von US-Soldaten, die jedoch durch die „extraterritoriale Gerichtsbarkeit“ geschützt sind.

Am größten ist das Problem auf Okinawa, wo die Einwohner gegen die Errichtung einer neuen Basis für das US Marine Corps in Henoko kämpfen. Dort sind rund 70 Prozent aller US-Stützpunkte konzentriert. Der Bau einer weiteren Basis der USA ist nicht zu akzeptieren. Selbst der Gouverneur von Okinawa wendet sich gegen die neue Basis, unterstützt von einer breiten Front, zu der auch die Japanische Kommunistische Partei gehört.

Es gibt eine erstarkende Bewegung gegen neue US-Basen in Japan. Erst vor kurzer Zeit konnten die Menschen in Akita im Norden und in Yamaguchi im Westen Japans Siege verzeichnen, indem die Errichtung von Stützpunkten gestoppt werden musste, auf denen die japanische Regierung das Raketenabwehrsystem der USA „Aegis Ashore“ einrichten wollte.

Ein wichtiger Aspekt dieser Bewegung ist ihre politische Breite. Sie umfasst nicht nur Friedensbewegungen und andere demokratische Kräfte, sondern in vielen Fällen auch lokale Regierungen und oft sind sogar Konservative auf unserer Seite. Indem wir die Forderungen der Einwohner vereinen, schaffen wir die breiteste Bewegung gegen die Militärbasen.

UZ: Abe hat erklärt, er wolle den Artikel 9 der Verfassung ändern. Was denken die Japaner über eine künftig mögliche Teilnahme japanischer Soldaten in Kriegen, die von den USA und der NATO geführt werden?

Tadaaki Kawata: Das Trump-Regime und die Regierung Abe wollen den Militärpakt zwischen den USA und Japan erweitern und Japan in die Lage versetzen, an Militäroperationen der USA außerhalb Japans teilzunehmen.

Alle Umfragen zeigen deutlich, dass sich eine Mehrheit der Japaner für die Beibehaltung von Artikel 9 ausspricht. Diese Meinung ist eine Konsequenz der desaströsen Folgen des Zweiten Weltkriegs. Gegenwärtig gibt es starken Widerstand gegen die Änderung dieses Artikels. Selbst innerhalb der regierenden Parteien gibt es Widerstand dagegen, in dieser komplizierten Situation eine Debatte über eine Verfassungsänderung zu führen.

Allerdings betrachtet auch eine Mehrheit der Japaner den „Sicherheitspakt“ mit den USA als hilfreich für die Sicherheit Japans. Dazu tragen Argumente über die „Bedrohung“ durch Nordkorea und China bei. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Mehrheit der Japaner die Einbeziehung der „Selbstverteidigungskräfte“ in Kriege der USA befürwortet. Laut Umfragen geben 80 Prozent der Japaner der japanischen Armee eine positive Bewertung, aber sie wollen nicht deren Verwicklung in Kriege.

Es ist eine breite und starke Bewegung, die den Artikel 9 verteidigt und sich in ganz Japan gebildet hat, darunter nicht wenige konservativ eingestellte Japaner. Ich glaube, dass wir in der Lage sein werden, die Versuche zur Revision des Artikels 9 zurückzuweisen.

UZ: Wie kannst du die Auswirkungen der Corona-Krise auf Japan beschreiben, vor allem für die arbeitenden Menschen? Welches sind die wichtigsten Forderungen der japanischen Kommunisten in dieser Situation?

Tadaaki Kawata: Die Abe-Regierung hat die Menschen „gebeten“, ihre Aktivitäten außerhalb der Wohnungen zu begrenzen, ohne jedoch ausreichende und schnelle finanzielle Hilfsleistungen zu beschließen. Da eine derartige „Bitte“ keineswegs bindend ist wie etwa ein „Lockdown“ in anderen Ländern, sieht sich die Regierung auch nicht zu Kompensationen verpflichtet. Kleine und mittlere Unternehmen sind in einer kritischen Lage, und viele arbeitende Menschen haben bereits ihre Arbeit verloren oder müssen radikale Kürzungen bei den Einkommen hinnehmen.

Angesichts der unzureichenden finanziellen Leistungen seitens der Regierung leiden auch Krankenhäuser unter den Einschränkungen und selbst die Gehälter für das medizinische Personal werden gekürzt.

Auch Schüler und Studenten sind in einer kritischen Situation. Studenten müssen in der Regel Teilzeitjobs annehmen, um ihr Studium zu bezahlen, aber das ist heutzutage unmöglich. Die anhaltende Corona-Krise macht das Scheitern des Neoliberalismus deutlich, der vor allem zu Kürzungen bei sozialen Ausgaben geführt hat.

Die Japanische Kommunistische Partei fordert von der Regierung ausreichende Maßnahmen, um das Leben und die Arbeitsplätze der Menschen zu sichern. Die aktuellen Forderungen der Kommunisten sind: 1. eine selbstlose Fürsorge, 2. Regeln für die Arbeit der Menschen, 3. das Recht auf Ausbildung für alle, 4. eine Stärkung der Wirtschaft, um jeder Krise begegnen zu können, 5. eine Politik, die die Wissenschaft respektiert, 6. ein Land, das Kultur und Kunst wertschätzt, 7. Gleichheit der Geschlechter. Zudem tritt die JKP auf internationalem Gebiet dafür ein, Konfrontationen, Konflikte und militärische Rüstung zu beenden, um dazu beizutragen, die Kräfte für den Kampf gegen die Pandemie zu bündeln.

UZ: Welches sind die wichtigsten Aufgaben der Friedenskräfte in Japan?

Tadaaki Kawata: Im Vordergrund stehen für uns folgende Themen:

  • Die vollständige Beseitigung der Nuklearwaffen, die Inkraftsetzung des Vertrages über das Verbot der Nuklearwaffen, die Unterzeichnung und Ratifizierung dieses Vertrages durch Japan;
  • Die Verteidigung und Wirksamkeit des Artikels 9 in der Verfassung Japans;
  • Die Verhinderung jeglicher Versuche, die Rolle der „Selbstverteidigungskräfte“ zu erweitern mit dem Ziel, sie in Kriegen der USA einzusetzen;
  • Die Reduzierung und schließlich der Abzug der US-Basen und des USA-Militärs aus Japan;
  • Substantielle Kürzung des Militärbudgets und Einsetzen der Mittel für soziale Ausgaben;
  • Außerkraftsetzung des „Sicherheitspakts“ zwischen Japan und den USA und der Abschluss eines Vertrages über Frieden und Freundschaft zwischen beiden Ländern;

Seit 1955 organisiert die japanische Friedensbewegung – unter Einbeziehung breiter gesellschaftlicher Kräfte – jedes Jahr im August eine Internationale Konferenz gegen Atomwaffen. Bei den Gedenkfeierlichkeiten in Hiroshima und Nagasaki kommen jährlich um die 10.000 Friedensaktivisten zusammen. In diesem Jahr können wir derartige Veranstaltungen nicht durchführen, so haben wir vor, eine Online-Konferenz zu organisieren unter dem Thema „Mit den Hibakusha für eine nuklearwaffenfreie, friedliche und gerechte Welt – für die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten“.

Die Gedenkfeiern in Hiroshima am 6. August und in Nagasaki am 9. August werden auf jeden Fall stattfinden mit Teilnahme von Repräsentanten der UN, Vertretern aus mehreren Ländern und den Bürgermeistern der beiden Städte.

Unter den vielen geplanten und bereits zum Teil begonnenen Veranstaltungen in diesem August wird die „Friedenswelle“ die umfangreichste sein. Es sind viele lokale Veranstaltungen geplant mit dem Ziel, die Forderung zur Abschaffung aller Nuklearwaffen wie eine Welle von Ort zu Ort zu tragen. Dazu gehört auch eine Unterschriftenkampagne für den „Appell der Hibakusha für die Vernichtung der Nuklearwaffen“. Die „Friedenswelle“ beginnt am 6. August um 8.15 Uhr, dem Zeitpunkt des Abwurfs der Atombombe, und sie wird sich dann weiterbewegen bis nach Nagasaki, wo sie zum Zeitpunkt des Bombenabwurfs am 9. August um 11.02 Uhr ankommen soll.

An mehr als 200 größeren Orten in ganz Japan werden Friedensaktivisten simultan eine gemeinsame Aktion von 30 Minuten starten, beginnend mit einem schweigenden Gedenken, gefolgt von öffentlichen Aktionen: Unterschriftensammlungen für den Hibakusha-Appell, Straßenaktionen, Fotoausstellungen, Glockenläuten in Tempeln und Kirchen und vieles mehr.

UZ: Hast du eine persönliche Botschaft an unsere Leserinnen und Leser?

Tadaaki Kawata: Das Japanische Friedenskomitee wurde 1949 von jenen gegründet, die den Wunsch hatten, ein neues Japan des Friedens aufzubauen. Unter ihnen war Yoshitaro Hirano, Präsident des Komitees von 1951 bis 1960, der als marxistischer Wissenschaftler von 1927 bis 1930 in Frankfurt am Main tätig war und am 2. Kongress der Internationalen Antiimperialistischen Liga im Juli 1929 teilgenommen hat. Das zeigt, dass wir eine sehr lange Tradition der Freundschaft mit den Friedenskräften in Europa haben. Ich selbst war mehrmals in Deutschland, um über den Kampf gegen die US-Militärbasen zu berichten. Ich möchte den Wunsch erneuern, die Solidarität zwischen unseren Friedensbewegungen weiter zu entwickeln und zu stärken.

Das Gespräch für UZ und die „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“ führten Melina Deymann und Uli Brockmeyer

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"Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt", UZ vom 7. August 2020



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