Chinas Corona-Politik ist dynamisch – und hat sich bewährt

Erfolgsrezept Null-Covid

Rolf Jüngermann

Der Schadenfreude und Besserwisserei der westlichen Mainstream-Medien zum Trotz konnte auch der letzte sprunghafte Anstieg von Covid-19-Fällen in China inzwischen eingegrenzt und eingefangen werden. Die Proteste auf den Straßen sind verebbt. In den westlichen Ländern geht indessen die völlig absurde Selbstbeweihräucherung in Sachen Covid-19 unverdrossen weiter.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. In Deutschland gab es in der letzten Novemberwoche in der Summe knapp 150.000 Neuinfektionen – bei rund 80 Millionen Einwohnern. In China waren es im gleichen Zeitraum (bis zum 27. November) mit 200.000 neuen Fällen zwar mehr, aber dies bei einer gut 17 Mal so großen Einwohnerzahl von etwa 1.400 Millionen. Die Gesamtzahl der Corona-Toten in Festlandchina (ohne Taiwan und Hongkong, inklusive der Insel Hainan) liegt bei 5.226 (Stand: 10. November), davon allein 4.512 in nur einer einzigen der 22 Provinzen Chinas – der Provinz Hubei mit der Hauptstadt Wuhan – sowie 495 in Shanghai. Bleiben noch insgesamt 219 Tote, verteilt auf alle restlichen 20 Provinzen Chinas. Es zeigt sich in aller Deutlichkeit: Die in Festlandchina zur Anwendung kommende „dynamische Null-Covid-Strategie“ ist eine phantastische Erfolgsgeschichte. (Die gelegentlich genannte Zahl von etwa 30.000 Corona-Toten in China und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen führen in die Irre, da es sich dabei um Angaben der UN handelt, die pflichtgemäß auch hier Taiwan als Teil Chinas behandeln und folglich die Corona-Toten Taiwans bei der Volksrepublik mitzählen.)

Zu den Protestaktionen während des letzten Ausbruchs: Bei den im Rahmen der dynamischen Null-Covid-Strategie zur Anwendung kommenden „NPI“ (nicht-pharmazeutische Interventionen) handelt es sich bekanntlich vor allem um Massentests (bisher weit über 10 Milliarden Tests) und Mobilitätseinschränkungen unterschiedlichster Art. Sie bringen für die Betroffenen zum Teil schwere Härten mit sich, zumal dort, wo sie immer noch bürokratisch unflexibel und wenig einfühlsam angewandt werden. Mehr oder weniger heftige Proteste sind dann unvermeidlich und durchaus angebracht. Inzwischen ist man landesweit längst dabei, die gewählten Maßnahmen „dynamisch“ weiterzuentwickeln, das Vorgehen flexibler zu gestalten, überflüssige Belastungen wie die großen, langandauernden Lockdowns – wenn irgend möglich – zu vermeiden, das System der NPI immer weiter zu perfektionieren.

Für die Hartnäckigkeit, mit der an der Null-Covid-Strategie festgehalten wird, ist aber auch noch ein ganz anderer Zusammenhang von Bedeutung, nämlich die zentrale Rolle von Viren aller Art in der biologischen Kriegführung. Vor Jahrzehnten drängten die USA mit großem Nachdruck auf den Abschluss eines internationalen Biowaffenübereinkommens (BWÜ), haben aber dann als einziges von über 180 Unterzeichnerländern der Einrichtung eines multilateralen Überwachungsmechanismus bis heute die Zustimmung verweigert, wobei sie selbst national und international über eine Vielzahl von Biolaboren verfügen.

Was hat das mit unserem Thema zu tun? RNA-basierte Impfstoffe, wie sie seit mehr als einem Jahrzehnt vom Pentagon mit großem Nachdruck gefordert und massiv gefördert werden und im Westen inzwischen ganz überwiegend zum Einsatz kommen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie leicht und schnell an neue (und neu geschaffene!) Virus-Varianten angepasst werden können. Das Verfahren ist zur Routine gereift und dauert nur noch wenige Tage. Damit sind mRNA-Impfstoffe neben ihrer medizinischen Bestimmung auch zugleich idealer Bestandteil eines biologischen Angriffskrieges mit einem bis dahin unbekannten Virus, gegen das nur der Angreifer rechtzeitig einen wirksamen Impfstoff entwickeln kann.

So stellen die für Chinas dynamische Null-Covid-Strategie charakteristischen NPI eine militärisch zwar letztendlich wohl nicht entscheidende, aber doch bedeutsame, jederzeit ohne Verzögerung einsetzbare Antivirus-Strategie dar, bis man eigene – gegen die Angriffsviren wirksame – Impfstoffe hat. Sie sind per se gegen jede Art von Viren wirksam und die chinesischen Behörden und die Bevölkerung haben inzwischen – notgedrungen – große Erfahrung darin, effektiv damit umzugehen.

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"Erfolgsrezept Null-Covid", UZ vom 9. Dezember 2022



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