Basketball-WM in Berlin: Deutsche Frauen besser als erwartet und dennoch tief enttäuscht

Beinahe Weltspitze

Am Ende waren es leider wieder die US-Basketballerinnen, die sich am vergangenen Sonntag im Finale der Basketball-WM in der Berlin Arena durchsetzten. Mit 97 zu 79 gewannen die WNBA‑Stars deutlich gegen die Französinnen, die bis dahin das beste Team des Turniers waren.

Im Spiel um Platz 3 trafen Spanien und Deutschland aufeinander. Das deutsche Team hatte sich eine Medaille zum Ziel gesetzt – das war allerdings, bevor ihre bisher beste Spielerin, Satou Sabally, ihre Teilnahme verletzungsbedingt absagen musste. Unter anderem deshalb war der souveräne Sieg gegen die Europameisterinnen aus Belgien im Viertelfinale ein Überraschungserfolg, der sowohl Team als auch Fans euphorisierte.

Die Medaille schien zum Greifen nah, doch Frankreich agierte im Halbfinale am Samstag deutlich aggressiver und konzentrierter als die Basketballerinnen um Kapitänin Marie Gülich. Und im Spiel um Platz 3 gegen Spanien, das nur einen Tag später stattfand, schienen die Reserven dann völlig aufgebraucht.

Gülich spielte das Turnier ihres Lebens, was nach ihrer langen Verletzungspause nicht zu erwarten war. Und auch andere zeigten nach dem enttäuschenden Auftakt im ersten Gruppenspiel, dass dieses Team mehr zu bieten hat als Leonie Fiebich, Nyara Sabally, Alexis Peterson oder Frieda Bühner, die bisher die Leistungsträgerinnen waren. Emma Eichmeyer, Britta Daub, Lina Sontag oder auch Clara Bielefeld – durch die Bank lieferten die deutschen Basketballerinnen hervorragende Leistungen ab.

Aber am Ende war die Belastung einfach zu hoch. Sieben Spiele in zehn Tagen, davon dreimal „back to back“ – also ohne einen Tag Pause dazwischen. Dazu kommt, dass die US-Liga WNBA erst wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft pausierte und Spielerinnen wie Fiebich, Sabally und Bühner kaum Zeit hatten, sich mit dem Team auf das Turnier vorzubereiten. Die WNBA-Saison wird an diesem Freitag fortgesetzt, also nicht einmal eine Woche nach dem WM‑Finale.

Es ist also trotz der Verteilung der Belastung durch Bundestrainer Olaf Lange ein kleines Wunder, dass sich keine der deutschen WNBA-Spielerinnen verletzt hat. Wer sich diesen Spielplan ausgedacht hat, gehört verurteilt und bis zur nächsten WM weggesperrt.

Ein kurzer Blick auf das Abschneiden des Teams aus China: In der Zwischenrunde setzte sich das Team um WNBA-Spielerin Han Xu in einem kampfbetonten Spiel gegen Puerto Rico durch und blieb einen Tag später gegen die späteren Finalistinnen aus Frankreich chancenlos. Auch hier fehlten die Kräfte, um den starken Französinnen in der zweiten Halbzeit noch etwas entgegensetzen zu können. Das Schiedsrichter-Team um Johnny Batista lieferte bei diesem Spiel eine Leistung ab, die nur als Arbeitsverweigerung bezeichnet werden kann. Aber vielleicht sind es auch für die Schiris einfach zu viele Spiele, um konzentriert bei der Sache bleiben zu können? Der Gesamteindruck ist jedenfalls, dass die Schiedsrichter bei diesem Turnier eine Schwachstelle waren.

Was bleibt? Mit Platz 4 haben die deutschen Damen zur Weltspitze aufgeschlossen und sind mit dem besten Abschneiden eines deutschen Teams bei einer WM gleichgezogen. 1967 hatten die DDR-Basketballerinnen in Prag ebenfalls den vierten Platz erreicht.

Manche Medien sehen nun eine glorreiche Zukunft mit Medaillenchancen für das deutsche Team voraus: Die EM findet im nächsten Jahr statt, die Olympischen Spiele im Jahr darauf. Doch Coach Lange wies zu Recht darauf hin, dass die Strukturen in den Basketballvereinen keinen Anlass zu Optimismus bieten. Seine Kritik konzentrierte sich auf den desolaten Zustand der Bundesliga und er empfahl seinen Spielerinnen, lieber im Ausland zu spielen. Das tun die meisten bereits. In Deutschland fehlt es eigentlich an allem: an Freiplätzen, Sporthallen, Jugendtrainerinnen und medizinischer Betreuung.

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"Beinahe Weltspitze", UZ vom 18. September 2026



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