Florence Hervés Video-Podcast über Marianne Konze

Für die Sache der Frauen und des Friedens

Sie hat viel erlebt. Faschismus und Krieg, Hunger und Not. Die Befreiung vom Faschismus 1945. Die Restauration der 50er Jahre. Die DDR und die BRD. Kommunistenverfolgung und Berufsverbote in Westdeutschland. Aber auch die Friedens- und Frauenbewegung der 80er Jahre und Solidarität.

Sie kämpfte früh für eine bessere Welt, für die Sache der Frauen, für eine Welt des Friedens und des Sozialismus. Heute noch.“
So beginnt die Journalistin Florence Hervé ihren Video-Podcast über die Kommunistin und Frauenrechtlerin Marianne Konze.

Mit Videos, Archivbildern und Interviews bekommen Zuschauerinnen und Zuschauer den Eindruck in ein bewegtes, stets engagiertes Leben. Marianne Konze lernte früh auch die bitteren Seiten der politischen Arbeit kennen: der Vater war ins KZ eingesperrt, die Mutter allein mit drei Kindern. Und Marianne hat Dinge gesehen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen sollte: ukrainische Zwangsarbeiterinnen, im eisigen Winter ohne Schuhe oder den Angriff auf Dresden, brennende Menschen, die versuchen, sich in die Elbe zu retten und dort weiter brennen. Aus den Eindrücken ihrer Kindheit zieht Marianne Konze ihre Schlüsse: Mit 17 wird sie Mitglied der KPD.

Der Liebe wegen in den Westen gezogen, engagiert sich Marianne Konze im Demokratischen Frauenbund Deutschlands und in den späten 1950er Jahren in der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Antiatombewegung und später in der Solidarität mit Vietnam. Die Kommunistenverfolgung trifft die Familie Konze hart, Robert wird verhaftet, Marianne ergeht es nicht besser. Trotzdem sind sie dabei bei der Neukonstituierung der DKP, Marianne wird Mitglied des Parteivorstandes und dort verantwortlich für Frauenpolitik.

Der Kampf für die Befreiung der Frau, so stellt Marianne in dem Video-Podcast fest, ist Teil des Klassenkampfes, aber auch ein schwerfälliger Prozess. Er ist jedoch unerlässlich: „Wer die Menschheit von Unterdrückung und Ausbeutung befreien will, kann die Hälfte der Menschheit nicht ausschließen.“ Mit Blick auf die eigenen Genossen stellt Marianne Konze fest, dass auch sie nicht gefeit sind vor der Frauenfeindlichkeit, die die Gesellschaft in Westdeutschland prägte und prägt: „Gemeinsamer Kampf war und bleibt ständige Erziehungsarbeit in jeder Gemeinschaft, auch in einer Kommunistischen Partei.“

Doch 1975 ist es soweit, die DKP hat – als erste Partei in der BRD überhaupt – ein Frauenprogramm. Bereits 1970 hatten die Genossinnen um Marianne Konze den Internationalen Frauentag als Kampftag der Partei wiederbelebt, zuerst unter dem Motto „Freiheit für Angela Davis“. 1975 gab es bundesweit bereits 300 DKP-Veranstaltungen zum 8. März. Der DGB verweigerte – heute kaum noch vorstellbar – bis 1980 die Organisation von Frauentagsveranstaltungen, sie widersprächen dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft.

Der 8. März war bei weitem nicht der einzige Tag, an dem die Frauen in den 1970er und 1980er Jahren aufbegehrt haben: der Kampf gegen den Paragraphen 218, der Kampf – ausgehend von den mutigen Heinze-Frauen (die von der DKP als einziger Partei unterstützt wurden) – für gleichen Lohn für gleiche Arbeit und der Kampf gegen die Ausnutzung der Gleichberechtigung für reaktionäre Ziele, wie zum Beispiel der Aufnahme von Frauen in die Bundeswehr. Sie alle dauern heute noch an. Das sollte uns nicht entmutigen.


Marianne Konze
Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin, Kommunistin
Ein bewegtes Leben für die Sache der Frauen und des Friedens
Regie, Redaktion und Moderation: Florence Hervé
Produktion: Friedrich Bonnmann
Sprecherin: Christiane Lemm
Abrufbar unter: kurzelinks.de/mariannekonze


Die Germanistin und Journalistin Dr. Florence Hervé, unermüdliche Kämpferin für die Rechte der Frauen und Mitherausgeberin von „Wir Frauen“, hat sich in ihren Publikationen mit vielfältigen Biografien interessanter Frauenpersönlichkeiten auseinandergesetzt. Ein Großteil ihrer Arbeit widmete sie den Frauen im Widerstand gegen Faschismus und Krieg. Seit 1975 engagiert sie sich in der europäischen und internationalen Frauenbewegung, so unter anderem von 1994 bis 2002 in der Leitung der Internationalen Demokratischen Frauenföderation.

Als Anerkennung für ihre Arbeit wurde Florence Hervé nun der Louise-Otto-Peters-Preis der Stadt Leipzig verliehen.

Dazu Herzlichen Glückwunsch von der UZ-Redaktion!

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Über die Autorin

Melina Deymann, geboren 1979, studierte Theaterwissenschaft und Anglistik und machte im Anschluss eine Ausbildung als Buchhändlerin. Dem Traumberuf machte der Aufstieg eines Online-Monopolisten ein jähes Ende. Der UZ kam es zugute.

Melina Deymann ist seit 2017 bei der Zeitung der DKP tätig, zuerst als Volontärin, heute als Redakteurin für internationale Politik und als Chefin vom Dienst. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bei der Arbeit für die „Position“, dem Magazin der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend.

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"Für die Sache der Frauen und des Friedens", UZ vom 14. Oktober 2022



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