Es muss einmal gesagt werden: Die EU hat in ihrem riesigen Apparat auch richtig gute Leute. Die besten sitzen – unterstützt durch Public-Relations-Berater, die noch mehr Geld bekommen als die Bürokraten, die ihnen die Aufträge erteilen – in den Marketingabteilungen. Aus ihren schicken Konferenzräumen kommt der Begriff „REPowerEU“. Er steht für den Plan der EU-Kommission, bis Ende 2027 russisches Gas und Öl vollständig aus der energetischen Versorgung des gesamten EU-Raumes zu verbannen.
Das ist schwierig, weil – mit zuletzt sogar steigender Tendenz – nach wie vor knapp 15 Prozent aller Gasverbräuche aus russischen Quellen stammen. Zum einen kommt das Gas durch Pipelines noch aus Zeiten der Sowjetunion vor allem nach Mitteleuropa – also in die Länder, die für bildungsferne Leute, die den europäischen Teil Russlands nicht mehr zu Europa zählen, zu Osteuropa gehören. Zum anderen wird – zum Beispiel von Frankreich – zunehmend russisches Flüssiggas verfeuert.
Damit soll nun Schluss sein. Auf die Folgen hat am 11. Mai in Bratislava der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hingewiesen. Dessen Rede, die sich jeder im Netz anhören kann, wurde in den deutschen Hauptstadtmedien überwiegend mit dem üblichen dröhnenden Schweigen bedacht. Fico ließ seine Darlegungen in die Frage münden: Wie dumm sind wir eigentlich? Schon jetzt sei es so, dass unter anderem die US-Amerikaner, aber auch der Rest der Welt außerhalb des EU-Bauchnabels in großen Mengen russische Energieträger kaufen. Die US-Konzerne haben daraus ein Modell entwickelt, das die EU-Europäer zu Melkkühen macht: Sie kaufen russische Energieträger zu günstigen Preisen, verbrauchen sie im eigenen Land und verkaufen gleichzeitig den EU-Ländern ihr Fracking-Gas zu überhöhten Preisen – und streichen die satten Dollarmargen ein.
Wenn etwas den Begriff „Deal“ verdient, dann das. Und weil das so schön läuft, so Fico, würde jetzt sogar überlegt, die aus der Zeit von vor 1989 stammende, nun russische Energieinfrastruktur zwischen Bug und Oder zu erwerben. Das würde die Margen weiter nach oben treiben und die EU endgültig zur globalen Lachnummer machen. Wer den Schaden hat, verdient auch den Spott.








