UZ-Friedenstage: Rede von Patrik Köbele auf dem Viva-Kuba!-Solidaritätstreffen

„Ich bin stolz auf Kuba, sein Volk und seine Kommunistische Partei“

Die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba, das der US-Imperialismus zu erdrosseln versucht, war eines der zentralen Themen der UZ-Friedenstage. Das Viva-Kuba!-Solidaritätstreffen am Freitagabend auf der Bühne vor dem FMP1 wurde zu einem ersten Höhepunkt des Friedensfestes in Berlin. Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, begründete in seiner Rede, warum die Solidarität mit Kuba so wichtig ist für Kommunisten. Wir dokumentieren seine Rede in voller Länge:

Ich klage an. Ich klage den US-Imperialismus des Genozids am kubanischen Volk an. Ich klage die EU und den deutschen Imperialismus der unterlassenen Hilfeleistung, der Billigung und der Mitwirkung an diesem Genozid an. Und ich will ein Urteil vorweg nehmen, das die Völker der Welt, das die antiimperialistischen Kräfte der Welt, das alle Menschen, die sich dem Humanismus verpflichtet fühlen, die menschliche Würde in sich haben, sprechen werden müssen:

Der US-Imperialismus, die EU, der deutsche Imperialismus, ja, der Imperialismus in der Gesamtheit gehören auf den Misthaufen der Geschichte, wenn die Menschheit überleben will!

Ich bin vor knapp zwei Wochen aus Kuba zurückgekehrt, und ich gebe zu, in mir lodert noch Hass, der entstanden ist, weil ich die Auswirkungen des Krieges des Imperialismus gegen Kuba gesehen habe. Ich werde diesen Hass noch in Wut und diese Wut in Widerstand verwandeln müssen – das wird mir gelingen, das verspreche ich Euch!

Kuba hatte eine exzellente Betreuung von Schwangeren – die mörderische Blockade bewirkt, dass heute 34.000 Frauen ohne Zugang zu ausreichenden Untersuchungen bleiben.

In Kuba waren alle Kinder ausreichend geimpft. Heute fehlt dieser Schutz 67.000 Kindern.

98.500 notwendige chirurgische Operationen können nicht durchgeführt werden. Davon sind auch 12.000 Kinder betroffen.

118.200 Krebspatienten erhalten wegen der Technologieblockade keine ausreichende Behandlung.

22 Prozent aller notwendigen Krankenwagenfahrten können nicht gemacht werden. 30 Prozent der Grundstoffe für die Herstellung von Medikamenten fehlen.

Und die Kindersterblichkeit – vor der Verschärfung der mörderischen Blockade geringer als die der USA – hat sich verdoppelt. Das sind Menschenleben, das ist Mord, das ist ein Genozid! Kuba kämpft dagegen, wir müssen diesen Kampf gemeinsam führen.

Nun, ich hatte diese Zahlen bereits in einem Video aus Kuba genannt, das in den sogenannten „sozialen Medien“ veröffentlicht ist. Natürlich: Darunter auch einige Kommentare wie „Die Kommunisten sind schuld.“ Wie wenig denken solche Reaktionäre nach, wie wenig beherrschen sie Logik?

Wenn die Kindersterblichkeit unter Blockadebedingungen, vor deren Verschärfung, unter der der USA lag, wenn Kuba während der Corona-Pandemie, während der Blockade, vor deren Verschärfung in der Lage war, eigene Impfstoffe zu entwickeln, die auch für arme Länder geeignet waren, wenn Kuba bis heute Ärztebrigaden in andere Länder schickt und Ärzte aus armen Ländern, beispielsweise aus Palästina, ausbildet, dann kann man sagen, daran sind die Kommunisten schuld – und ich kann sagen, dass ich stolz auf Kuba, sein Volk und seine Kommunistische Partei bin.

Ich hatte als junger Kommunist die Ehre, in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts am Kongress der Kommunistischen Jugend Kubas teilzunehmen. Dort sah ich Fidel, dessen 100. Geburtstag wir heute noch feiern werden. Von meinem Platz aus konnte ich sehen, wie er am Ende eines Kongresstags den Wagen bestieg. In seine Wagentür eingelassen: eine Kalaschnikow.

Das ist für mich ein Symbol des Widerstands, den das kubanische Volk bis heute leistet. Dieser Widerstand soll durch die mörderische Blockade zermürbt werden. Er soll zermürbt werden durch eine Energieblockade, die dazu führt, dass die Menschen bei klimatischen Bedingungen, die wir selbst für kurze Zeit nur ansatzweise erlebt haben, nur zwei bis drei Stunden Strom am Tag haben – versetzt euch da mal rein. Selbst das Kühlen von Lebensmitteln ist da unmöglich. Oft gibt es kein Wasser, weil die Pumpen nicht laufen.

Zerstören wollen sie die Verankerung der Partei. Darum wird gespalten, die Belieferung des Energiesektors mit Öl blockiert. Die Belieferung von Privatpersonen und Privatunternehmen mit Kleinmengen Öl durch Privatpersonen, etwa die Contras in Miami, wird erlaubt. Welch perfide Schweinerei! Und Wadephul, diese männliche Wiedergeburt von Baerbock, sagt, dass er nichts von einer Blockade weiß – ekelhaft.

Kuba braucht Solidarität. Kuba bekommt Solidarität. An dem Internationalen Treffen der Kommunistischen und Arbeiterparteien nahmen fast 50 Parteien aus allen Ecken der Welt teil – eine Manifestation der Solidarität mit Kuba.

Am folgenden Kolloquium zum 100. Geburtstag von Fidel nahmen mehrere hundert Delegierte aus 63 Ländern teil. Für die Kosten kamen ihre Organisationen beziehungsweise die Delegierten selbst auf, und unterstützten auch dadurch Kuba. Neben Renate Koppe und mir, die die DKP vertraten, war auch eine Delegation der SDAJ mit fast 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei. Mein Herz schlägt jetzt noch höher, wenn ich an diesen jungen Mut der Solidarität denke. Ja, SDAJ und DKP tun Monopolen und dem Imperialismus weh!

Es ist ein komisches Gefühl, wenn man in einem Hotel ist, in dem kaum oder gar nicht der Strom ausfällt, man aber weiß, dass die Menschen 20 oder mehr Stunden ohne Strom sind. Aber Kuba braucht auch diese Einnahmen. Darum, wer kann, der fahre auch als Touristin oder Tourist nach Kuba. Auch so kann die Blockade durchbrochen werden.

Kuba befindet sich im Krieg. Regierung und Partei ergreifen Maßnahmen. Darunter Maßnahmen, die nicht ergriffen werden würden, würde nicht dieser Krieg des Imperialismus gegen Kuba geführt. Aus meiner Sicht liegt der Fokus auf drei Fragen: Die Versorgung der Menschen zu sichern und wieder zu verbessern, die nationale Souveränität und Würde sowie die führende Rolle der Kommunistischen Partei zu erhalten. Nun gibt es, vor allem auch in Europa, sogenannte Linke, die von „Verrat am Sozialismus“ faseln. Ich finde das widerwärtig, und sage zu ihnen: Ihr mögt die Klassiker des Marxismus-Leninismus auswendig gelernt haben – verstanden habt ihr nichts. Solidarität mit Kuba und seiner Kommunistischen Partei!

Stolz bin ich auf meine Partei. Wir hatten beschlossen, dieses Jahr 25.000 Euro für die Solidarität mit Kuba zu sammeln. Als sich die Lage verschärfte, haben wir das Ziel auf 100.000 Euro vervierfacht. Stand heute haben wir dieses Jahr 123.823,64 Euro zur Unterstützung der Kommunistischen Partei, für unsere Rosa-Luxemburg-Klinik in Matanzas und für das Institut für Völkerfreundschaft nach Kuba gebracht.

Wir haben uns als Partei bewusst auf die Solidarität mit unserer Schwesterpartei fokussiert. Denn die Verbindung von Partei und Massen ist die zentrale Voraussetzung für die Abwehr von Blockade und Intervention. Die Kommunistische Partei Kubas hat uns jetzt darüber informiert, dass sie das Geld nutzt, um ihre Kreisbüros mit Solarpanels auszustatten, um Kommunikation und Handlungsfähigkeit an der Basis abzusichern. Dabei zu helfen, macht uns stolz!

Und die Stimmung der Menschen in Kuba – sie leiden, aber sie wollen und werden sich nicht beugen. Ein Beispiel: Ein junger Mann, der mich als Ausländer erkannte, drückte mir diesen neuen Ein-Peso-Schein in die Hand. Er zeigte auf José Martí und sagte, er möchte, dass ich dadurch immer José Martí im Herzen trage. An diesem Schein hängt nun durchaus Herzblut von mir. Da ich jetzt aber José Martí im Herzen trage, bin ich bereit, diesen Schein zu versteigern. Ihr könnt bis heute Nacht 0 Uhr am Casa-Cuba-Stand einen Zettel mit Eurem Namen und Eurem Gebot abgeben. Der oder die Höchstbietende bekommt den Schein. Natürlich geht der Erlös nach Kuba.

Kuba, Kubas Kommunistinnen und Kommunisten, das kubanische Volk schulden uns keinen Dank für die Solidarität. Kuba steht im Fadenkreuz des Imperialismus. Er zielt auf Kuba, er zielt auf alle Völker, die sich ihm nicht unterordnen wollen, die gegen ihre Ausbeutung rebellieren. Er zielt auf uns, damit wir keine Zukunft in Frieden und Freiheit bekommen. Er zielt auf den Sozialismus, weil nur er seine Macht und Ausbeutung überwinden kann.

Darum:
Wir sind Fidel – somos Fidel!
Wir sind Kuba – somos Cuba!
Viva Cuba socialista!

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