Landkarten sind ein riskantes Geschäft: Einmal etwas zu schwungvoll beschnitten, schon gehört Taiwan nicht mehr zu China. Auf ein viel größeres Problem macht jetzt Togo aufmerksam. Das westafrikanische Land will die UNO dazu auffordern, eine Weltkarte zu verwenden, die Afrikas tatsächliche Größe widerspiegelt. Seit dem 16. Jahrhundert prägt die Mercator-Projektion unser Verständnis von der Welt. Sie „übersetzt“ die Erde in 2D-Karten. Dabei vergrößert sie Gebiete nahe der Pole und verkleinert insbesondere Afrika und Südamerika. Ein Beispiel: Von Dakar in Senegal sind es 7.204 km Luftlinie bis nach Bosaso in Somalia. Auf Mercator-Karten wirkt die Strecke sehr viel kürzer als die von der Grenze Lettlands zu Russland bis zur Beringstraße – das sind aber nur 6.300 km. Europa wirkt riesig, Afrika marginal. Im September soll die UN-Generalversammlung über Togos Vorschlag abstimmen. Ein riskantes Geschäft. Die Staaten Afrikas unterstützen die Initiative. Das Abstimmungsverhalten der anderen Länder werde deren „wahre Gesinnung“ offenbaren, freut sich Togos Außenminister Robert Dussey.
Scheinriese Europa

(Foto: public domain)
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"Scheinriese Europa", UZ vom 24. April 2026

