Von Greta und Gott

Mein Wort drauf

Letzten Dienstag. Drohendes Parteiverbot. Die Zeitung wird auf den Kopf gestellt, fast alle Seiten neu entworfen. Nicht nur wir drei Grafiker schwitzen und stöhnen, Kollege U. läuft sogar fast aus. Hilft aber auch nicht. Ich komme um gefühlt 23.71 Uhr nach Hause, trinke ein Glas Wein und falle ins Bett. Denke noch: Niemals wieder so. Und weiß doch: Wenn sie uns angreifen, dann kämpfen wir halt noch härter: Mein Wort drauf.
Unwetter. Halb NRW ist untergegangen, schlimme Bilder waren das. Es gab Verletzte und Tote und riesige Schäden. All den Betroffenen mein Beileid. Eine Szene in der „Aktuellen Stunde“ allerdings hat sich bei mir eingebrannt: Ein tonnenschwerer sogenannter SUV trieb unkontrolliert durchs Wasser. Das sind die „Autos“, deren Besitzer gerne mal einen „Fuck You Greta“-Aufkleber über dem Auspuff anbringen. Karma, Freunde, Karma. Mein Wort drauf.

Samstag. Mit der Ex-Ex auf „ein Bier“, das erste Mal seit Jahren. Es wird lang, sehr lang, alte Rechnungen werden geöffnet, alte Klagen eingereicht. Aber – zu unser beider Überraschung – in aller Freundlichkeit, mit viel alten Geschichten und zwei Tonnen Galgenhumor: Wir bekommen alles vom Tisch. Ich bin um 3.30 Uhr zu Hause und wundere mich: Sollte ich im greisen Alter auch noch lernfähig geworden sein? Rechne die Anzahl der getrunkenen Biere und gerauchten Zigaretten hoch und denke: Nein.

Apropos Karma: Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro hat einen hartnäckigen Schluckauf und einen Darmverschluss. Er twittert: „Wir werden bald zurück sein, so Gott will. Brasilien gehört uns.“ Ich halte ja nicht so viel von Gott, aber wenn er hier mal nicht wollte, würde ich vielleicht zumindest freundlich Danke sagen. Mein Wort drauf.

Leben I. Mit dem Gartenbro beim Billard. Das erste Mal seit 1051920 Minuten oder 17532 Stunden oder eben 2 Jahren. Fühlt sich seltsam an: In der Kneipe, mit Menschen, ohne Masken. Ich werde auf dem Weg zum Klo von einem Fremden angestoßen und bekomme einen halben Herzkasper. Spiele den Rest des Abends noch beschämender als sonst und frage mich zu Hause, ob das alles irgendwann wieder normal wird. Die nächsten Monate jedenfalls eher nicht. Mein Wort drauf.

Politik. Die männliche Annalena der Grünen, Habeck, schwadroniert: „Wir haben uns kommunikativ völlig verrannt. Unsere Arbeit besteht darin, den Menschen keinen Scheiß zu erzählen.“ Aber wenn man denn nichts zu sagen hat, das wusste meine Oma schon nicht, gilt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Isso.

Sport. Der FC Schalke 04 ist in der 2. Liga. Muss ich mich erst dran gewöhnen. Krass aber: Nur 2 Prozent der Dauerkarteninhaber haben während Pandemie und Abstieg ihre Karten abgegeben. Die Warteliste für neue Dauerkarten aber wurde vorerst geschlossen – der Andrang war zu hoch. Da muss ich wirklich, ohne Häme und Spott, zugeben: Respekt.

Leben II. Ich bin dann mal im Urlaub. Eine Woche Schrebergarten, eine Woche Holland, eine Woche schaunmermal. Ob die Tochter und ich nach Holland dürfen, erscheint allerdings unklar, aktueller Inzidenzwert liegt dort bei 280. Ein Volk hat gefeiert. Uff. Schreiben werde ich trotzdem, ob nun von hier oder da. Und für alle, die die Kolumne eh blöd finden: Wenn man die UZ nur bis Seite 15 liest, ist es auch eine verdammt interessante Zeitung. Mein Wort drauf.

PS: (Kaltes) Parteiverbot. Haltet durch. Wir werden das Ding gewinnen. Mein Wort drauf.

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"Mein Wort drauf", UZ vom 23. Juli 2021



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