„Nicht an den Krieg gewöhnen“

Wir dokumentieren an dieser Stelle die Rede von Jens Rüggeberg vom „Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen“ auf der Antikriegskundgebung in Tübingen am 11. März:

Wir wollen uns nicht an den Krieg gewöhnen, und wir dürfen uns nicht an den Krieg gewöhnen! Wo immer gegen den Krieg demonstriert wird – wir sind dabei! Das gilt auch für kommenden Sonntag. Eine Großkundgebung ist um zwölf Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart geplant. Wir vom Friedensplenum rufen euch auf, dorthin zu fahren. Das ist wichtig. Allerdings gibt es verschiedene Aufrufe zur Kundgebung. Die unterscheiden sich. Einige der Veranstalterinnen und Veranstalter sind für Sanktionen gegen Russland und für Waffenlieferungen an die Ukraine. Wir sind dagegen. Waffenlieferungen machen als nur noch schlimmer. Und zu den Sanktionen hat Außenministerin Baerbock neulich in einer Talkshow gesagt, sie würden Russland ruinieren. Anscheinend findet sie das richtig. Wir nicht. Der Krieg muss sofort beendet werden – aber ohne Russland zu ruinieren! Kein Land darf ruiniert werden – erst recht nicht durch unsere Regierung!

Da unter den Veranstaltern kein Konsens herrscht, haben sie eine interne Empfehlung ausgesprochen, nämlich, sich zu Sanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen an die Ukraine nicht zu äußern. Deshalb raten wir euch, selbstgefertigte Transparente mitzubringen, auf denen ihr Stellung nehmt, z.B. durch die Aufschrift „No to NATO“ oder „Keine Waffen an die Ukraine!“. Sehr gut finde ich auch das Transparent, dass dort vorne gezeigt wird. Auf der PACE-Fahne steht: „No to NATO + EUTO“. Es ist richtig, den russischen Überfall auf die Ukraine zu kritisieren. Hierzulande ist das allerdings wohlfeil. Friedensbewegte Menschen haben die Aufgabe, ihre jeweilige eigene Regierung zu kritisieren.

Und an Ostern wird es wieder einen Ostermarsch geben. Wie schon seit Jahrzehnten. Er wird in Stuttgart stattfinden. Wir rufen euch auf, massenhaft an ihm teilzunehmen!

Zu einem zweiten Thema möchte ich mich kurz äußern: Das Diskussionsniveau und das Niveau der Berichterstattung sinkt täglich. Ein Beispiel: Die Warschauer Oper hat die Neuinszenierung einer Mussorgski-Oper abgesetzt mit der Begründung, der Komponist sei Russe. So etwas geht gar nicht! Dann die Medien: Guckt euch genau an, wer schreibt, wer spricht, was geschrieben wird, was gesprochen wird, was gesendet wird! Unkritische Lektüre ist in Kriegszeiten nicht ratsam. Pfarrer Karl-Theodor Kleinknecht hat vorhin zu Recht das heutige „übrigens“ im „Schwäbischen Tagblatt“ gelobt. In ihm werden gleiche Rechte für alle Flüchtlinge gefordert. Ich kritisiere ein „übrigens“ von neulich: Unsere Mitstreiterin Heike Hänsel hatte in scharfen Worten den ukrainischen Botschafter kritisiert. Zu Recht. Er ist ein Anhänger von Bandera, einem Nazi-Kollaborateur aus der Ukraine, und er versucht, die NATO in den Krieg zu hineinziehen, den die Ukraine alleine nicht gewinnen kann. Der Verfasser des „übrigens“ schrieb, er habe den Botschafter persönlich als sympathischen und zugewandten Menschen kennengelernt, und deshalb dürfe seine politische Haltung nicht kritisiert werden. Das ist niedrigstes Niveau!

Und zum Schluss: Ganz wichtig in Kriegszeiten ist Kriegsdienstverweigerung! Wir unterstützen alle, die den Kriegsdienst verweigern, insbesondere dann, wenn sie dafür verfolgt werden. Deshalb sind wir natürlich dafür, dass russische Kriegsdienstverweigerer bei uns aufgenommen werden. Das ist selbstverständlich! Aber das gleiche muss für ukrainische Kriegsdienstverweigerer gelten. Männer im wehrfähigen Alter zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine nicht verlassen. Neulich wurden 60 Männer in diesem Alter an einer ukrainischen Grenzstation beim Versuch der Ausreise verhaftet und dem zuständigen Kreiswehrersatzamt übergeben. Auch ukrainische Kriegsdienstverweigerer müssen von uns unterstützt werden und bei uns Aufnahme finden!



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