Überparteiliches Bündnis kämpft für Aufklärung des Polizeimords in Dortmund

Schikanen satt

Zehn Tage nach dem Polizeimord an dem 16-jährigen unbegleiteten Geflüchteten Mouhamed Lamine Dramé am 8. August hat sich in Dortmund der Solidaritätskreis Mouhamed gebildet. An dem Netzwerk sind antirassistische und antifaschistische Einzelpersonen und Organisationen beteiligt, darunter die DKP und SDAJ Dortmund. Der Solidaritätskreis möchte die vielfältigen Aktionen zum Gedenken an Mouhamed Dramé koordinieren, sich für die Aufklärung des Polizeimords einsetzen und solidarische Hilfe für die Familie des Opfers im Senegal organisieren.

Nach einer spontanen Demonstration zur Polizeiwache Nord am 10. August und Mahnwachen am 15. und 22. August plant das Netzwerk, regelmäßig jeweils am ersten Montag eines Monats Mahnwachen zu veranstalten. Die finden weiterhin auf dem Kurt-Piehl-Platz in der Dortmunder Nordstadt statt und beginnen um 18.30 Uhr. Arbeitsgruppen des Netzwerkes kümmern sich zudem um die Einrichtung von Social-Media-Profilen, wollen die Themen Rassismus und Polizeigewalt in Dortmunder Schulen tragen und ein Solidaritätsfest organisieren, um Spenden für Mouhameds Familie im Senegal zu sammeln. Diesem Zweck dient auch ein Crowdfunding (kurzelinks.de/mld).

Angesichts bitterer Erfahrungen mit rassistischer Polizeigewalt in Deutschland und insbesondere in der Dortmunder Nordstadt (siehe dazu das Interview mit Ekincan Genç von der DIDF Dortmund im UZ-Blog) rechnet keiner der im Solidaritätskreis Mouhamed Aktiven damit, dass die „Ermittlungen“ der Polizei Recklinghausen den Polizeimord aufklären und der Todesschütze verurteilt wird. Der Solidaritätskreis möchte die juristische Aufarbeitung deshalb kritisch begleiten. Erster Schritt in diese Richtung ist eine Anfrage an das zuständige Jugendamt, die klären soll, weshalb Mouhamed Dramé in seiner schwierigen Situation in eine Einrichtung gebracht wurde, in der ihn niemand verstand.

Mehrere Teilnehmer des ersten Vernetzungstreffens berichteten von massiven Polizeischikanen gegen diejenigen, die sich jetzt für Aufklärung einsetzen. So soll die Polizei eine Person angezeigt haben, die sie für den Versammlungsleiter der Mahnwache am 15. August hält. Ein Teilnehmer erzählte, obwohl er seit Jahren nicht mehr von der Polizei angehalten wurde, sei er während der Demonstration am 10. August unvermittelt namentlich von einem Polizisten angesprochen worden. Die Polizei filmte die Demonstration flächendeckend.

Der Leichnam von Mouhamed Lamine Dramé wurde am 18. August in den Senegal überführt und kurz darauf in seinem Heimatort Ndiaffate beigesetzt. Die Stadt Dortmund übernahm zwar die Kosten der Überführung nach Dakar, nicht aber für den Weitertransport nach Ndiaffate. Ein erhebliches Problem für die Familie Mouhameds, die arm ist und sich für seine Reise nach Europa hoch verschuldet haben soll.

Viele deutsche Medien hatten berichtet, Mouhamed habe keine engen Angehörigen mehr im Senegal. Das ist falsch. Sein Vater Lamine Dramé hatte noch in der Woche vor der Ermordung mit Mouhamed telefoniert. Mehreren senegalesischen Medien zufolge fordert der Vater rückhaltlose Aufklärung. „Manche sagen, (Mouhamed) habe an psychischen Problemen gelitten, aber ich möchte denjenigen, die das sagen, mitteilen, dass sie sich irren, weil es meinem Sohn gut ging und er keinerlei psychische Probleme hatte“, zitiert das Nachrichtenportal „lesoleil.sn“ den Vater. Aus dem Solidaritätskreis Mouhamed hieß es, die Familie sei „total geschockt“ über die Ermordung Mouhameds. Die Familie bekomme regelmäßig Fotos von Solidaritätsaktionen in Dortmund und „wollte nicht glauben, wie viele Menschen hier Solidarität zeigen“.

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"Schikanen satt", UZ vom 26. August 2022



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