Kubaner kämpfen in 22 Ländern gegen Corona

Solidarität trotz Blockade

„In diesem Jahr ist der Internationale Kampftag der Arbeiterklasse dem Leben gewidmet“, kündigte die Zeitung „Trabajadores“, das Zentralorgan des Gewerkschaftsdachverbandes „Central de Trabajadores de Cuba“ (CTC), zahlreiche virtuellen Aktivitäten zum 1. Mai in Kuba an. Vor einem Jahr hatten – angeführt von 60.000 Beschäftigten des Gesundheitswesens – in Havanna noch Hunderttausende auf der Straße für internationale Solidarität und gegen verschärfte Sanktionen der USA demonstriert. „Unseren Internationalismus und unsere Solidarität kann niemand blockieren“, skandierten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, die in weißen Kitteln an der Spitze des kilometerlangen Zuges marschierten. Dazu trugen die Gesundheitsarbeiterinnen und -arbeiter Fahnen der 68 Länder, in denen Kuba trotz der US-Blockade medizinische Missionen unterhält. Doch auch ohne Demonstrationen fühle sich die kubanische Bevölkerung am diesjährigen 1. Mai der internationalistischen Tradition verpflichtet, versicherte „Trabajadores“ am Montag vergangener Woche. Den Beweis dafür liefert Kuba derzeit erneut mit der Entsendung von Solidaritätsbrigaden in viele Länder der Welt.

Ende April hatten sich bereits rund 1.500 kubanische Mediziner in 22 Nationen am Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie beteiligt. Das Gesundheitsministerium in Havanna prüft derzeit die Anfragen weiterer Länder, die alleine mit dem Versuch, die Ausbreitung des Virus Sars-CoV2 einzudämmen, überfordert sind. Die für Einsätze bei Katastrophen und Epidemien ausgebildeten Spezialisten gehören zu dem 2005 auf Initiative Fidel Castros gegründeten „Internationalen Ärztekontingent Henry Reeve“. Mitglieder dieser Spezialeinheit, die im tropenmedizinischen „Institut Pedro Kourí“ in Havanna ausgebildet werden, hatten 2014 tausende Patienten in Westafrika vor dem Tod bewahrt, weil Kuba nach Ausbruch der Ebola-Epidemie als erstes Land der Welt hunderte Mediziner geschickt hatte. Die dort gesammelten Erfahrungen kommen jetzt Covid-19-Patienten in aller Welt zugute. Anfang dieser Woche nahm ein aus 217 Mitgliedern bestehendes Team von Virologen, Epidemiologen und Intensivmedizinern die Arbeit in Südafrika auf. Nach Angola, Togo und Kap Verde hat damit das vierte Land des afrikanischen Kontinents Hilfe aus Kuba erhalten. In Europa und Nahost sind bisher jeweils eine Hilfseinheit in Andorra und Katar sowie zwei Medizinerbrigaden in den norditalienischen Regionen Lombardei und Piemont im Einsatz. Auch elf Länder der Karibik sowie Honduras, Mexiko, Venezuela und Nicaragua setzen im Kampf gegen die Pandemie auf die Erfahrungen kubanischer Ärzte und die Unterstützung, die das Land trotz verschärfter US-Blockade leistet.

Während Kuba damit Leben rettet, versuchen die USA jegliche Kooperation mit der Insel zu unterbinden. Das richtet sich gegen Kuba, trifft aber auch die Bevölkerung anderer Länder. Nachdem zum Beispiel die rechten Regierungen in Brasilien und Ecuador sowie das Putschistenregime in Bolivien die medizinische Zusammenarbeit mit Havanna auf Druck der USA beendet hatte und tausende kubanische Ärzte diese Länder verließen, sind die dortigen Gesundheitssysteme kollabiert. Die internationalen Reaktionen auf die Pandemie seien „schockierend“, kommentierte der US-amerikanische Analytiker Noam Chomsky und warnte davor, dass „die Regierungen der westlichen Länder das Problem und nicht die Lösung“ seien. „Das einzige Land, das echten Internationalismus bewiesen hat, ist Kuba. Ein Land, das die USA wirtschaftlich strangulieren wollen und das wie durch ein Wunder überlebt hat, um der Welt weiterhin zu zeigen, was Internationalismus ist“, sagte Chomsky am 21. April in einem Interview der spanischen Nachrichtenagentur „Efe“.

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"Solidarität trotz Blockade", UZ vom 1. Mai 2020



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